Warum ist “positives Denken” nicht immer erfolgreich? Wie entwickeln wir die richtigen Glaubenssätze?


 

Die meisten Bücher zu Themen wie: „Erfolg durch positives Denken“, „Affirmation“, „Visualisierung“ oder „lösungsorientiertes Denken“ halten viele interessante Tipps und Techniken für ein glückliches und erfolgreiches Leben bereit. Bei der Lektüre einiger dieser Bücher bin ich auf eine hochinteressante Erkenntnis gestoßen, die von den meisten sogenannten Gurus und Coaches entweder komplett ignoriert oder gar nicht erkannt wurde. Dabei geht es um das positive Denken.

Immer wieder habe ich gelesen und gehört, dass man negative Gedanken einfach durch positive ersetzen soll, so genannte Substitution. Technisch gesehen bekommen die negativen Gedanken einfach nur einen positiven Anstrich. Gedanken wie: „Ich habe einfach kein Talent zum Klavierspielen“ werden übermalt mit: „Ich bin ein hervorragender Klavierspieler“. Man könnte dazu tausende Beispiele aus allen Lebensbereichen nennen. Es läuft immer nach demselben Muster ab. Ein negativer Gedanke kommt auf und löst Selbstzweifel aus. Dann holen wir den Eimer mit der positiven Farbe  – rosarot vielleicht ;-) – hervor und schon ist wieder alles erste Sahne. Zumindest fürs fühlen wir uns besser.

Ich persönlich empfinde es jedoch als ziemlich lästig, wenn immer wieder die negative Farbe durchschlägt. Das positive Denken in Form von Substitution beschränkt sich auf die Bekämpfung von Symptomen. Es ist, als würden wir ein Schmerzmittel einnehmen: sobald die Wirkung nachlässt, kommen die Schmerzen wieder durch. Wenn positives Denken nachhaltig und von Dauer sein soll, müssen wir statt der Symptome die Ursachen behandeln und unseren negativen Gedanken und Gefühlen bewusst gegenübertreten. Denn negative Gedanken und Gefühle haben in aller Regel auch eine positive Komponente in Form von Selbstschutz. Sie sind eine Art Alarmsystem, die uns darauf aufmerksam machen, wenn etwas nicht rund läuft. Oder sie sind ein Impuls, um uns selbst zu verbessern und zu fördern.

Nehmen wir zum Beispiel den negativen Glaubenssatz: „Ich bin nicht intelligent genug“. Was könnte daran positiv sein? Die Motivation, mehr zu lernen und sich weiterzubilden. Wenn ich aber diesen negativen Glaubenssatz einfach übermalen würde mit: „Ich bin vollkommen intelligent“, dann  könnten das in selbstgefälliger Arroganz und dem Irrglauben ausarten, bereits alles zu wissen. Das schlichte Übermalen mit einem vermeintlichen positiven Glaubenssatz zöge also gleich zwei Nachteile mit sich. Zum einen beeinträchtigt es die Motivation, sich geistig weiterzuentwickeln. Zum anderen würde, wie schon erwähnt, die negative Realität früher oder später wieder durchkommen.

Ein negativer Glaubenssatz birgt also immer auch einen gewissen Vorteil in sich. Um wirklich Erfolge zu erzielen, muss dieser Vorteil unbedingt in die Formulierung des neuen, positiven Glaubenssatzes integriert werden. Bevor wir also einen positiven Glaubenssatz formulieren, müssen wir zuerst den Vorteil des negativen Glaubenssatzes identifizieren. Unsere bereits bekannten Glaubenssatz: „Ich bin nicht intelligent genug“, könnte man zum Beispiel umwandeln in: „Ich lerne und verstehe mit Leichtigkeit und gebe dieses Wissen gerne weiter.“ Oder auch: „Wissen und Erkenntnisse sauge ich auf wie ein Schwamm und bereichere damit meine Mitmenschen.“

Wer sich solche Glaubenssätze zu eigen macht, bei dem kommen Gedanken wie „Ich bin nicht intelligent genug“ ganz sicher nicht mehr auf – gleichzeitig wird die Motivation, sich weiterzuentwickeln, gefördert. Besonders wichtig ist, dass wir eine soziale Komponente einbauen, indem wir das Ich in ein Wir verwandeln. Deswegen der Satz: „Ich lerne und verstehe mit Leichtigkeit und gebe dieses Wissen gerne weiter.“ Der Mensch lebt seit Urzeiten in Gemeinschaften. Unser Unterbewusstsein  ist darauf ausgerichtet, die Gemeinschaft, in der wir leben, zu unterstützen und die Harmonie zu wahren. Die soziale Komponente gehört daher unbedingt in die Neuformulierung unserer Glaubenssätze, damit sich unser Unterbewusstsein nicht dagegen sträubt.

Um Glaubenssätze umzuwandeln, möchte ich Ihnen folgende Vorgehensweise vorschlagen:

Suchen Sie sich einen negativen Gedanken bzw. einen Glaubenssatz heraus, der sich Ihnen immer wieder aufdrängt. Ein neues Beispiel: „Ich kann nicht frei sprechen, weil ich viel zu unsicher bin“. Denken Sie an das unangenehmste Erlebnis, das Sie im Zusammenhang mit diesem Glaubenssatz hatten. Nehmen Sie jetzt vor Ihrem geistigen Auge diesen negativen Glaubenssatz, platzieren Sie ihn direkt vor sich und begrüßen Sie ihn. Spielen Sie den Glaubenssatz mit all seinen Empfindungen und Beklemmungen einmal komplett durch. Nehmen Sie die damit aufkommenden Gefühle bewusst wahr und stellen Sie sich die Frage: „Welchen Vorteil hat dieser Glaubenssatz für mich?“ Das können Selbstschutz, Motivation, Ehrgeiz und vieles mehr sein. Auf diese Weise finden Sie den Vorteil des negativen Glaubenssatzes heraus und können ihn mit der Formulierung Ihres neuen, positiven Glaubenssatzes verknüpfen. Nachdem Sie Ihren positiven Glaubenssatz formuliert haben, müssen Sie ihn in Ihr Leben einbringen. Hierfür gibt es eine sehr wirkungsvolle Technik:

Schließen Sie die Augen und denken Sie noch einmal an Ihren negativen Glaubenssatz und an die damit verbundene unangenehmste Situation. Stellen Sie sich diese Situation jetzt auf einem Bild vor. Wenn Sie möchten, kann dieses Bild auch eingerahmt sein. Das Bild entfernt sich nun mit hoher Geschwindigkeit von Ihnen, bis an den Horizont. Ahmen Sie ruhig die Beschleunigungsgeräusche nach, um den Vorgang noch realistischer zu gestalten. Lassen Sie das Bild zu sich zurück kommen und nehmen Sie es jetzt nur noch als eine fragmenthafte Bleistiftzeichnung wahr – es ist nicht mehr real. Sie spüren die Erleichterung über diese Tatsache. Überprüfen Sie jetzt Ihre Empfindungen und ordnen Sie sie auf einer Skala von null bis minus zehn ein. Wiederholen Sie diesen Vorgang so lange, bis Sie auf der Skala bei null angelangt sind.

Jetzt denken Sie an Ihren neuen Glaubenssatz und stellen sich diesen ebenfalls als bildliche Situation vor. Auch dieses Mal schicken Sie das Bild mit hoher Geschwindigkeit bis an den Horizont. Wenn es wieder zurückkommt, ist es eine lebendige Situation, in der SIE mittendrin sind – Ihre neue Realität. Diesen Vorgang sollten Sie ebenfalls einige Male wiederholen und jeweils skalieren. Stellen Sie sich jetzt die Zukunft mit Ihrem neuen Glaubenssatz vor. Wie fühlt es sich an? Es bietet sich an, auf diese Weise mehrere Glaubenssätze hintereinander zu behandeln, da viele der Glaubenssätze in Zusammenhang stehen.

Ihre neuen, positiven Glaubenssätze sollten drei wichtige Kriterien erfüllen:

  1. Der Glaubenssatz muss positiv formuliert sein. Worte wie „nicht“, „kein/e“, „ohne“ etc. sollten NICHT in Ihrem neuen positiven Glaubenssatz vorkommen.
  2. Die Formulierung sollte proaktiv sein und nicht reflektiv. NICHT „ich werde“, „ich will“, „ich kann“, „ich muss“, sondern „Ich BIN“ “ „ich lerne“, „ich mache“, „ich gehe“ etc.
  3. Die soziale Komponente sollte enthalten sein: Eine Ich-Du-Beziehung, die über den Tellerrand des gewöhnlichen Ich-bin-Ich hinausschaut.

Diese Methode verschafft Ihnen Erfolge, die von Dauer sind – sofern Sie am Ball bleiben. Weiterentwicklung ist wie Duschen. Wer einmal duscht, ist nicht für den Rest seines Lebens sauber. Man muss es immer wieder und vor allem regelmäßig tun. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen bei der Umsetzung maximalen Erfolg. Schreiben Sie mir gerne von Ihren Erfahrungen mit dieser Technik.

Herzliche Grüße

Stephan Zeeh


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