warum ich so geworden bin, wie ich bin?! (valentine)

warum ich so geworden bin, wie ich bin?! (valentine)
Zufrieden mit seinem Körper sind nur die wenigsten Frauen, und wenn dann sind sie meistens selbstbewusst und stehen zu sich. Aber wieso gibt es sie nur so selten oder überspielen sie das nur, um über etwas anderes zu sprechen und von sich abzulenken? Ich selbst kämpfe quasi seid dem ersten Lebensjahr mit meinem Gewicht. Wieso schon seid dem ersten Lebensjahr? Na, weil ich ein Kindervideo von mir gesehen habe und ich schon keine Anzeichen vom Babyspeck besaß. Oft wurde ich als Magersüchtig, Bulimieerkrankt, du wirst nie einen Freund/Mann haben oder sonst was beschimpft! Beinahe täglich. Dabei habe ich mir nie den Finger in den Hals gesteckt oder den Wahn verfolgt dünn zu sein. Ich wollte immer zunehmen, um die Knochen nicht nur mit der Haut zu verdecken, einfach normal sein, wie es auch andere sein konnten und ohne auf meine Figur angesprochen zu werden durch's Leben gehen.
"Bekommt ihre Tochter zu Hause nichts zu essen?" und "können sie nicht deftig russisch kochen?", Fragen die meine Mutter gestellt bekam. Sie kochte jeden Tag 1 bis 2 warme Mahlzeiten und egal was ich im Einkaufsladen an Essen haben wollte, ich bekam nie ein "Nein". Bei zahlreichen Ärzten, Untersuchungen war ich auch, musste widerliches Zeug trinken. Doch ich war gesund und immer wurde es auf die Gene geschoben, da in beiden Verwandtschaftskreisen, Mutter und Vater seits, niemand wirklich an Übergewicht gelitten hat.
warum ich so geworden bin, wie ich bin?! (valentine)
Mit sieben Jahren entdeckte ich die Rhythmische Sportgymnastik für mich. Was Anfangs als Spaß galt und dem Ziel mal Spagat und schöne Drehung zu können, faszinierte mich irgendwie. Doch relativ schnell rutschte ich in den Leistungssport und ca. 20 Stunden Training pro Woche waren für meinen Körperbau mit ca. 20 bis 30 Kilo, und das in der Wachstumsphase überhaupt, echt hart. Ich sah eh schon aus wie ein Grashalm in der Landschaft. Titel wie Landesmeisterin oder Deutsche Meisterin mit der Gruppe waren toll, doch wie sagt man so schön "nach dem Lachen kommt das Weinen?" Wer selbst Leistungssport betrieben hat, kann ein Lied davon singen. Für Außenstehende ist es schwer alles Nachzuvollziehen, den Druck, die Tränen, einfach den Teufelskreis in dem man sich befindet und man schwer rauskommt. Der Tagesablauf bestand aus Schule, Training und Hausaufgaben fast täglich bis 23 Uhr. Die Psyche, die Schulnoten und meine Eltern litten sehr darunter. Und das ging ca. 7 Jahre so. Mal mehr, mal weniger schlimm. Natürlich gab es Mädels, die ich bewunderte! Sie konnten die Schule und die Leistung im Training vereinen und hatten keine Probleme damit. Vielleicht haben sie sich im Sport nicht so hohe Ziele gesetzt und früh verstanden, dass es wichtig ist in der Schule gut zu sein und keine super duper Gymnastin mit geringer Zukunft zu werden.
Jetzt zurückblickend, weiß man nicht, ob man ein lachendes oder tränendes Auge hat. Einerseits haben die Erfolge im Sport einen sehr gepuscht und froh gemacht. Was einem jedoch geblieben ist, sind Medaillen, Pokale und dutzende Urkunden, sogar bei dem einen oder anderen Mädel langjährige körperliche Schäden.
Diese Zeit hat mich sehr geprägt. Würde ich die Zeit zurückdrehen können, dann… ich kann sie nicht zurück drehen, wieso den Kopf zerbrechen?
Gelernt habe ich auf jeden Fall: Disziplin, Körperbeherrschung und Zielstrebigkeit. Im Endeffekt muss jeder selbst wissen, was er für richtig hält, doch in einem Altersabschnitt von 7 bis ca. 13 Jahren hat man noch nicht viel Lebenserfahrung und lässt sich sehr schnell beeinflussen. Ich spreche über mich und nicht über andere Meinungen oder wie es andere zu der Zeit im Leben empfunden haben!
Die Schule gab einem noch den Rest! Ständige Lästereien, Mobbing-Aktionen, ich hatte Null Selbstbewusstsein! Wenn man im Unterricht einen Muks von mir gehört hat, konnte man beinahe eine "Celebrations-Schokoladen-Verpackung" öffnen und das Lied von DJ Bobo dabei singen! Privat war ich aufgeweckter und schon immer eine Quasselstrippe, nur in der Schule und beim Training nicht. Wenn ich das so lese, denke ich schon, dass ich eine gespaltene Persönlichkeit hatte. Was wahrscheinlich nach den schlechten Noten, der Versetzungsgefahr, den tränen meiner Mutter und dem Satz "du wirst später mal einen Drecksjob machen, du bist dumm" zu den Selbstmordgedanken geführt hat.
Vielleicht denkt, die eine oder andere von früher, dass ich übertreibe, es alles gar nicht so schlimm war und es schlimmeres im Leben gibt.
Natürlich gibt es schlimmere Dinge im Leben, aber für mich war es das schlimmste mit 13-14 Jahren, im Bett zu liegen, zu wissen, dass man mit dem Sport aufgehört hat, deshalb sogar die Schule verlassen muss, eine andere Schule besucht und diese durch den ganzen psychischen Druck wieder nicht schafft, zurück auf die andere Schule möchte, aber die Trainerin bei dem Schulleiter ein Wörtchen mitzureden hat, abgewiesen wird und man im Prinzip einfach nicht existieren möchte. Ich war meinen Eltern sogar peinlich und ich wurde gefragt wieso ich nicht so bin wie Person XY. Ich würde ständig mit anderen verglichen und musste mich bei allem rechtfertigen.
Ob man es bei dem Text glaubt oder nicht, ich habe vieles ausgelassen. Wieso ich das tippe, ist mir nicht wirklich klar. Vielleicht, um mir noch mal zu zeigen, was es alles gebraucht hat, um jetzt die Person zu werden die ich bin.
Naja, auf jeden Fall bin ich vom Gymnasium runter und auf die Realschule gegangen. Der Druck fiel und ich lernte ganz andere Leute kennen, dennoch habe ich noch vor einigen Bekannten behauptet, dass ich noch auf's Gymnasium gehe, aber auf der ganz neuen Schule alles besser ist. Ich sollte halt nicht wie der komplette Trottel wirken, der nichts im Leben gebacken kriegt. Heutzutage ist es überhaupt nicht schlimm, wenn man in der Realklasse ist und wenn etwas mal nicht klappt. Nach dem Realschulabschluss ging es mir noch besser. Ich wollte mein Fachabitur machen in Richtung Kunst und Design, denn das war eigentlich eines der Dinge die ich beherrschte und wirklich aufblühen konnte. Aber meine Eltern wollten das ich etwas in Richtung Pharmazie und Biologie mache, wo ich auch angenommen wurde, mich aber meinen Eltern widersetzt habe und darüber glücklich bin. Die zwei Jahre Fachabitur vergingen wie im Flug und ich lernte Menschen kennen, die mir bis heute sehr wichtig sind und mir sehr geholfen haben. Dann die Abschlussprüfung… und damit fast das Ende der Schulzeit mit diesen Personen. Die Abschlussprüfungen sind immer der Horror, egal was man lernt. Die Prüfung hat mich etwas runter gezogen, dennoch hatte ich einen Endschnitt von 2,0. Ich war nicht mehr die dumme, aber immer noch die viel zu dünne. In der Zeit lernte ich auch meinen Freund kennen, dass war 2007 und wir sind bis heute zusammen. Er akzeptiert mich egal wie ich bin, steht hinter mir und kennt mich schon wie seine rechte Pobacke. Jeder hat seine Macken, aber er weiß ganz genau wie er mit meinen umzugehen hat und dafür liebe ich ihn.
Dann fing ich meine Ausbildung als Mediendesigner an und schnell merkte ich wie hart der Arbeitsalltag ist. In dieser Zeit bin ich menschlich gewachsen und keiner konnte sich vorstellen, dass es mal eine Valentine gab die leise und zurückhaltend saß und sich am liebsten verstecken wollte. Ich denke der Job hat mir auch einiges abverlangt, im Bezug zur freien Kommunikation mit fremden Menschen, der Artikulation, obwohl ich immer noch gern abspacke und vallah-/moruck-/schwörmäßig rede, wurde ich erwachsen.
Und schwups waren drei Jahre um und schon wieder stand eine Prüfung an, diesmal aber im hardcore-style! Die Schule ging richtig gut, im Zeugnis habe ich einen Durchschnitt von 1,5 und bei der Abschlussprüfung habe ich eine gute 2.
Was will man mehr?  Im Vergleich zu den drei fünfen die ich hatte und nicht versetzt werden konnte.
warum ich so geworden bin, wie ich bin?! (valentine)
Heute arbeite ich als Mediadesigner und Kundenberaterin in einer großen Firma und bin zufrieden. Es wird immer Höhen und Tiefen geben, aber ich muss weiter lernen ich selbst zu bleiben. Es gibt noch vieles, was mir jedoch dann zu privat ist und es nur die engsten Menschen wissen. Jeder hat krasse Erfahrungen im Leben gemacht, ob in der Schule, in der Liebe oder mit der Familie! Ich kann heute an einer Hand abzählen, wie viele Freunde im Laufe dieser Zeit geblieben sind, aber ich könnte nicht mal abzählen wie viele nur noch Bekannte sind. Trotzdem ist es Schade, dass viele nicht mal mehr "Hallo" sagen oder vielleicht denken "ach, dass ist doch diese dumme aus der Schule, die im Unterricht nie etwas gesagt hat". Ich habe mich verändert und ich denke andere auch. Heute ist mir wichtig das ich Lebe und gesund bin. Was ich erreicht habe ist schön und gut, dass ich aber nach Hause komme und meine Eltern gesund am Fernseher sitzen oder kochen, meine Schwester habe, die das mit am wichtigste im meinem Leben ist und ich alles für sie tun würde und meinen Freund und Freunde habe, macht mich glücklich. Ich bin nicht zufrieden mit mir, aber ich lerne damit umzugehen, läster nicht über andere sondern versuche zu verstehen wieso dieser Mensch das sagt und respektiere ihn, aber im Endeffekt gebe ich ein fick auf die Menschen die mich runter machen wollen. Wer es gemacht hat, schön, aber ich bin nicht nachtragend und versuche das gute im Menschen zu sehen. Was mal war ist geschehen, und was noch kommt wird kommen.
Auch unser Blog ist ein neuer Schritt, es hat lange gedauert, genau gesagt 15 Jahre bis ich mich traue mal Arm oder Bein zu zeigen. Ich trug mehrere Shirts und Leggins unter Jeans um meine schlanke Figur nicht zu stark zu unterstreichen. mein Immunsystem ist dadurch total gestört, doch so langsam krieg ich auch das gebacken. Im Prinzip ist der Blog für mich wie eine Befreiung und um andere Leute zu inspirieren Outfits zu kombinieren.
Es geht Vivien und mir nicht darum Leuten zu zeigen "Hey, schaut uns an" oder berühmt zu werden. Wir machen das, aus Spaß, um anderen Leuten zu zeigen, das man sich wirklich manchmal trauen kann etwas zu tragen oder sich zu blamieren und dazu stehen. Seid aufgeschlossen im charakterlichen Sinne und denkt immer daran "schließt sich die eine Tür, öffnet sich die nächste".
Das war's aus meinem Herzen, schönen Tag euch noch :)
warum ich so geworden bin, wie ich bin?! (valentine)
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