Warum hat der digitale Flaneur eigentlich diesen Tick mit den Sommersprossen?


Ich glaube es war der Fototobi aka Phyreworx – der mich mal fragte woher eigentlich mein Fetisch für diese Pigmentflecken herrührt und warum ich bei Frauen mit sommergesprosster Haut immer gleich in dieses dezent maunzige Schnurren verfalle – ich hab mich jetzt entschlossen euch mal eine Auskunft über die Gründe hierfür zu geben.
Also – zum ersten – ich bin ja auch nicht mehr der allerjüngste (ich weiss’, sieht man mir nicht direkt an, danke *knicks mach*) und ich entstamme somit auch einer Zeit als es keine schiere Vielfalt auf den Bildschirmen der Flimmerkisten gab, sondern als ganze drei Sender das komplette deutschen TV-Programm bildeten – damals, als Affen noch Chartshows moderierten! Man glaubt es kaum, aber so war es tatsächlich – es existierten 3 Sender, die Mauer stand noch & Ekelpakete wie der Strauss durften in parlamentarische Gremien hineinrülpsen.
Und noch was – neben der übersichtlichen westdeutschen Fernsehauswahl gab es natürlich auch noch keine Timelines, in denen man fröhlichst herumprokrastinieren konnte – also gab man sich den bunten Bausteinen, dem Kinderfernsehen & den Beutestücken der Stadtteilbücherei hin – und da traf ich sich zum ersten Mal ...
… diese beiden Mädels, mit dem so gar nicht so mädchenhaften Gebaren & den drolligen Namen – Pippi & Ronja, die eine ne wilde WG-Göre & die andere, eine echte Räubertochter, beide wild & laut und schwupps war es um mich geschehen.
Dass die beiden jetzt auch noch zusätzlich sommergesprosst waren, war zunächst mal völlig nebensächlich. Fakt war, diese Mädels kletterten auf Bäume, bauten Bögen, warfen Steine, waren laut & lustig und sie fanden Puppen blöd & ja, wahrscheinlich war diese Begegnung das allerbeste was einem westdeutschen Jungen in den frühen Achtzigern passieren konnte.
Vielleicht bildete dieses Duo schon damals auch die verspielte Grundlage meiner Gendersensibilisierung, die sich natürlich erst sehr viel später in meinem Grüblerrübchen manifestierte. Neben dieser Prägung, tragen die beiden wahrscheinlich auch ne gewisse Teilschuld an meinem bis heute noch greifenden Beuteschema, ich spreche noch heute Frauen mit Sommersprossen (ohne jegliche empirische Grundlage) eine elegantere, gewitztere Erotik zu … Presexuality is calling!
Zum zweiten stolperte ich in meinem Leben (nach den Tagen der 3-Programmoption) dann auch in die ein oder andere Beziehung mit Mädels, deren Haut durch zahllose Sommersprossen geziert war & so bekam diese präsexuelle Hingezogenheit zu Pippi & Ronja auch ne lebensweltliche Rahmung – Pippi goes Porn :D.
Und natürlich ist man in jungen Jahren auch für das Geplapper der Umwelt anfällig, und wenn den Rothaarigen dann wohlwollend eine gewisse Wildheit zugeschrieben wird – dann wertet man diese Aussagen als wahr, ist natürlich völligster Blödsinn, aber mit Klischees sollte man ooch ma jespielt haben, wa?
Zur Richtigstellung, ich kann bisher keinen tatsächlichen Unterschied entdecken zwischen rot- und andershaarfarbigen Mädels, wenn man sich liebt, lebt man wild, oder? Was ich aber definitiv nicht von der Hand weisen kann (und auch nicht möchte) ist die Attraktivität sommergesprosster Haut. Früher galten diese hinreißenden Flecken ja als Geburtsmakel, als Verschmutzung der Haut, als überdeckungswürdige Abweichungen von der Norm. Auch hier muss ich mich fragen, seid ihr eigentlich noch janz frisch liebe Menschen?
Unzählige Werbefilmchen für Kosmetika jazzen heute noch die Abdeckwirkung von irgendwelchen Tinkturen, Sälbchen & Stiften hoch & ich muss mich fragen – warum? Sommersprossen sind toll, sie sind sexy & vor allem sind sie individuell. Wer bitte sehr braucht diese elende Normierungsrotze der Kosmetikindustrie?
Warum hat der digitale Flaneur eigentlich diesen Tick mit den Sommersprossen?
Natürlich ist heute auch diese Form der Schönheit nicht den werbesprachlichen Zugriffen entrückt, wahlweise sind jetzt sommersprossige Mädels Frauen mit pflegeintensiver und hypernatürlicher Haut, die gerne in einem Irrgarten aus neohippiesken Symbolgewussel platziert werden oder sie sind fauchende Überwesen, deren aggressiv-archaische Sexualität nochmals betont werden muss – Hure & Heilige, die dünnbrettige Dualität der Weiblichkeit funktioniert natürlich auch hier. Leider.
Aber plagen wir uns jetzt mal nicht ab mit Zuschreibungsblödsinn, manipulativer Illustration & Visualisierung aka Werbung & schauen mal was ist tatsächlich dran an der befleckten Schönheit?
Bei manchen Männern wird meine ästhetische Grundhaltung wahrscheinlich keinerlei Reaktion hervorrufen, sie sind eher auf andere Signalstrukturen geeicht, ihnen springt eher der hübsche Nasenbogen, die Struktur der Wangenknochen oder vielleicht auch die Wölbungsintensität des Bluseninhalts ins Auge und sie weisen überhaupt keinen Sinn auf für die Schönheit dieser kleenen Pünktchen, die auch ganz ohne ihren Anton funktionieren.
Ich hab jetzt lange genug um den heißen Brei herumgeredet, was macht sommersprossige Haut denn so anders? Es ist ihre Wandlungsfähigkeit, die mich so begeistert, der Unterschied zwischen Sommer- und Winterhaut. Ich mochte es immer sehr, wenn der Sommer nahte (und auch wenn er sich wieder entfernte).
Ich könnte jetzt über alle liebkosten Besprossten kleine Geschichten erzählen und von dem Wandel ihrer Haut berichtet, aber warum – ein Beispiel genügt – und wie in informationssensiblen Kontext üblich wird weder Name noch ein anderes Identifikationsmerkmal genannt :D.
Warum hat der digitale Flaneur eigentlich diesen Tick mit den Sommersprossen?
Also - eine meiner Lieblingssprossenträgerin war (bzw. ist sicherlich immer noch) ein kleines Frostbeulchen und erst wenn der Sommer näher kam bzw. richtig nahe war, trug sie plötzlich wieder Klamotten, die mehr Haut preisgaben (man musste sie dann nicht mehr erst aus unzähligen Isolationsschichten herauspellen :D) und auf dieser öffentlich gemachten Haut tummelten sich von Tag zu Tag mehr & mehr von diesen kleinen (lasst es euch gesagt sein unzählbaren) Pünktchen.
Die Haut transformierte quasi – ganze Gestirne von Sommersprossen entstanden auf dem Rücken, den Wangen, den Händen, dem Schlüsselbein – der Sommer näherte sich und sie wurde noch schöner als sie ohnehin schon war. Und ja, auch wenn mir bewusst ist, dass dieser ganze Zuschreibungsblödsinn unhaltbar ist, ich nahm das ohnehin immer schon rotzfreche Grinsen als noch verlockender wahr, wenn ihre Grübchen durch Sprossen flankiert wurden. Und so konnte man im Sommer beim Toben auf den Laken immer wieder neue Muster und Sternenbilder entdecken, was meiner Neugier sehr entgegen kam :D.  
Also Sommersprossen bieten folgendes – eine Frau, zwei Häute, zweimal jährlich kann man sich neu verlieben, beim Aufblümen der Sommersprossenfeldern und dem Abblättern der Winterisolation und beim Verblassen und Verpuppen in die Berge von Klamotten, die diese tolle – punktlos werdende - Haut vor den Blicken der Öffentlichkeit abgrenzten. Denn während sich das Laub an den Bäumen also ins tiefrote verfärbte, die Textilschichtungen häuften, starben auf ihrer Haut hunderte von Sternenbilder den klitzekleinen Tod, sie kollabierten für ein halbes Jahr & nur sich dann im nächsten Sommer wieder ganz behutsam aus dieser atmenden Leinwand herauszuschälen. Sommersprossen erzählen Geschichten, so einfach ist das & wer sie verstehen will muss ihnen beim Wachsen & beim Vergehen zusehen, sonst wird er dieses Rätsel nie verstehen. 
Und da ihr (gemeint sind ausschließlich die mitlesenden Herren, die Damen sind ja ohnehin deutlich komplexer in der Wahrnehmung) dies jetzt alles wisst, könnt ihr euch mal die sorgsam selektierten Sommersprossenfetische beim Tumblr wieder anschauen & euch fragen ob ich nicht vielleicht doch ein ganz klein wenig Recht hab, auch wenn ihr euch halt eher von den altbekannten Grobreizen überfahren lasst. Cheerz!
Warum hat der digitale Flaneur eigentlich diesen Tick mit den Sommersprossen?

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