Warum es besser ist zu fragen, statt zu spekulieren

Von Frauke Döring

Warum es besser ist, zu fragen

Ich hab eine ganze Woche kostbarer Lebenszeit damit verbracht, mir Gedanken über ein Ereignis zu machen, das gar nicht eintrifft. Dabei hätte ich nur fragen müssen, statt mir endlos Gedanken zu machen und zu spekulieren. Einfach nur fragen!



KOSTBARE LEBENSZEIT

Vor einer Woche hatte ich morgens um halb sieben eine Mail von meinem Vermieter im Postfach: er brauche Bilder von meinem Zuhause für sein Bankinstitut. Die letzten Bissen von meinem Frühstück sind mir im Hals stecken geblieben, der Tag war für mich gelaufen. Und zwar so richtig gelaufen. Da will der Blödmann mein Zuhause verkaufen, sagt nix davon und ich soll ihm auch noch Bilder machen! Ich habe nicht geantwortet, eine solche Nachricht muss ich schließlich erstmal verdauen. So richtig große, böse Sachen mache ich immer erst ganz allein mit mir aus, darüber kann ich nicht gleich reden. Und gute Ratschläge mag ich dann auch nicht haben.




FRIEDE, FREUDE, EIERKUCHEN

Am Samstag (eine ganze Woche nach der Mail) hat die Mutter mich genau im richtigen Augenblick erwischt und ich hab ihr die Mail zu lesen gegeben. "Scheiße." Genau so. Und nicht anders. "Ich bin gleich wieder da." Sprach's und war wirklich nach ein paar Minuten wieder da, die Mutter. Meine Eltern sind toll, richtig, richtig toll! Danke, ihr Zwei, einfach mal Danke. "Du brauchst hier nicht auszuziehen, das ist dein Zuhause und wir finden eine Lösung." Nach einigem Hin und Her und weiteren Spekulationen hat der Vater mich dann überzeugt, dass ich meinen Vermieter anrufe und frage, was Sache ist. Das Ende vom Lied: Der Vermieter will gar nicht verkaufen, ganz im Gegenteil, er freut sich, dass ich so gut auf sein Elternhaus aufpasse! Sogar schriftlich habe ich das. Eine ganze Woche kostbarer Lebenszeit vergeudet, weil ich nicht gefragt, sondern spekuliert habe.


FRAGEN, NICHT SPEKULIEREN!

Warum ich dir das alles so haarklein erzähle? Weil ich dir ersparen möchte, dich in Überlegungen zu verstricken, die gar nicht notwendig sind. Weil du nicht auch so ein Depp sein sollst, der eine ganze Woche seiner kostbaren Lebenszeit verschenkt. Weil alles endlich ist. Es muss nicht bedingungslos alles hinterfragt werden, ganz bestimmt nicht. Es muss auch nicht alles besprochen und zerredet werden. Aber wenn eine Nachricht das Gedankenkarussell anwirft, dann ist es vielleicht angebracht, zu fragen statt zu spekulieren. Oder? Mir war dieses Erlebnis eine doppelte Lehre: ich werde jetzt öfter mal nachfragen, statt mir meine eigenen Gedanken zu machen und ich werde ausmisten. Ganz radikal. Wenn ich nämlich doch irgendwann mal ausziehe, dann muss der Inhalt eines ganzen Hauses umziehen. Und das macht bestimmt keinen Spaß, gar keine Frage ;-) Und noch etwas ist mir ganz deutlich geworden: ich lebe gern in meinem Zuhause, es ist wirklich mein Herzens-Zuhause.


DER ARCHITEKT IM KOPF

Die Mutter hat übrigens den gleichen Kopf-Architekten wie ich, sie muss solche Dinge auch erstmal mit sich besprechen, bevor sie jemanden einweiht.
Bist du auch so gestrickt? Oder kannst du sofort Rat und Hilfe annehmen?
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