Warum das Glockenspiel so faszinierend ist

Von Lifestylemuc @lifestylemuc

Im Neuen Rathaus am Münchner Marienplatz befindet sich das größte Glockenspiel Deutschlands. Mit Solarstrom betrieben, begeistert es je nach Jahreszeit zwei- bis dreimal am Tag Passanten und Touristen und abends wird´s sogar romantisch.

Ein Glockenspiel mit 43 Glocken und 32 Spielfiguren
Im Turmhelm spielen 43 Glocken, die 7.000 kg wiegen und einen Durchmesser von 18 bis 125 cm haben, vier verschiedene Melodien. Diese werden über das Jahr hinweg immer mal wieder gewechselt. Daneben enthält der Erker des Glockenspiels 32 Spielfiguren. Die Idee dazu hatte Georg Hauberrisser, der Architekt des Neuen Rathauses. Und der Uhrmacher und Erfinder des Viertaktmotors Christian Reithmann war für die kinematische Ausführung verantwortlich. Erstmals in Betrieb genommen wurde das Glockenspiel am 18. Februar 1909. Seitdem erklingt es täglich rund acht Minuten lang, jeweils um 11 und 12 Uhr, zwischen März und Oktober auch um 17 Uhr.

Gezeigt wird die Geschichte der Stadt
Der obere Teil des Glockenspiels stellt ein Turnier dar, das auf dem Marienplatz 1568 anlässlich der Hochzeit von Herzog Wilhelms V. und Renata von Lothringen stattfand. Zu sehen sind 11 Pagen, Fanfarenbläser, Narren und Standartenträger, die am Brautpaar und seinem Hofmarschall vorbeiziehen. Anschließend erscheinen zwei Ritter, die sich mit Lanzen bekämpfen. Bei der zweiten Umrundung besiegt dabei der bayerische Caspar von Nothafft seinen Gegner aus Lothringen.
Im unteren Teil des Glockenspiels wird der Tanz der Schäffler gezeigt. Dieser erinnert an die Zeit der Pest in München. Die Fassmacher, die Schäffler genannt wurden, waren nämlich die Ersten, die sich nach dem Schwarzen Tod wieder auf die Straße trauten. Sie tanzten und musizierten und lockten dadurch die Münchner aus ihren Häusern.

Abends ist das Glockenspiel besonders romantisch
Jeden Abend, um 21 Uhr wird im Glockenspiel das Münchner Kindl zu Bett gebracht. Die beiden seitlichen Turmerker sind beleuchtet und ein Nachtwächter mit Laterne, der auf einem Horn bläst und von einem Hund begleitet wird, dreht im linken Erker seine Runde. Dazu erklingen „Die Meistersinger von Nürnberg“ von Richard Wagner. Zum „Wiegenlied“ von Johannes Brahms umrundet anschließend das Münchner Kindl, das dabei vom Friedensengel den Gute-Nacht-Segen bekommt, den rechten Erker. Sobald die beiden auf der anderen Seite angekommen sind, erlischt das Licht und die Nachtruhe der Stadt München wird eingeläutet.

Das Spektakel zieht auch Diebe an
Wenn das Glockenspiel beginnt, ist auf dem Marienplatz kein Durchkommen mehr. Tausende Münchner und Touristen bleiben stehen, zücken Handys und Kameras und schauen gespannt nach oben zum Rathausturm. München zählt zwar zu den sichersten Städten der Welt, aber trotzdem darf man sich nicht zu sehr vom Glockenspiel ablenken lassen. Das Gedränge ist nämlich leider auch ein Highlight für Taschendiebe. So sollte man Handtaschen vorher besser verschließen und vorne am Körper tragen. Bei Rucksäcken ist darauf zu achten, Wertsachen im Innenbereich und nicht in den Außentaschen zu verstauen. Und auch Geldbörsen sollten aus der Gesäßtasche genommen werden, damit sie während des Glockenspiels nicht geklaut werden.

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