Warum Bundesjugendspiele keine Spiele sind.

Von Berit Andersen

Vorwort:

Kann man ohne Auto leben?

Ich mag Sport. Ich mag Bewegung. Ich fahre Fahrrad, auch mit Zwillingen an Bord, seitdem aber mit elektrischer Unterstützung.

Ich habe kein Auto. Ich wähle meine Wohnorte nach günstiger Anbindung ans öffentliche Verkehrsnetz aus. Wenn es irgendwie geht, fahre ich mit dem Fahrrad zur Arbeit.

Ich war das einzige Mädchen im Sport-P4-Kurs und habe Sport-Abi unter lauter heranwachsenden Einmeterachtzig-Männern gemacht, von denen die eine Hälfte Handball und die andere Hälfte Basketball spielte. Im Fußball war ich nicht spitze, aber gut. Ich fuhr mit dem Fahrrad zur Schule, die 12 km entfernt lag. Ich hatte immer eine Ehrenurkunde bei den Bundesjugendspielen.

Obwohl ich seit 21 Jahren Übergewicht habe, mag ich Bewegung. Ich rette meine Söhne von Bäumen. Ich schwimme wöchentlich mehrmals. Ich turne vor dem Pilates-Channel. Wir verbringen die Nachmittag überwiegend draußen. Im Versteckspielen schlägt mich keiner.

Meine Söhne sind kleine Flitzer, super Kletterer und können den ganzen Tag herumrennen, ohne müde zu werden. Sie sind keine Profis in einer speziellen Sportart. Das Inline-Skaten sieht mehr als mühsam aus, einer weigert sich, Fahrrad zu fahren, und keiner will in den Sportverein.

Hauptwort:

Warum ich (dennoch) gegen die derzeitig gängige Praxis der Bundesjugendspiele bin:

Es sind keine Spiele. Es ist ein Wettkampf, an dem jede und jeder teilnehmen muss.

Ich fand Bundesjugendspiele schon damals langweilig. Da werden monodimensionale Disziplinen bewertet, in denen man zufällig gut oder schlecht ist. Stellen Sie sich im Vergleich dazu ein Abenteuerspiel im Wald vor. Es gibt eine kreative Aufgabe. Da ist Grips gefragt, Sportlichkeit und Kreativität – mit anderen Wort: Bringt euren Kindern bei, wie bereichernd Teamarbeit sein kann, wenn man die Fähigkeiten nicht mehr vergleicht, sondern sie als Bereicherung entdeckt. DAS ist geil.

Von wegen Bewegung: Die meiste Zeit verbringen Kinder mit Warten. Und Kuchen essen. Naja.

Spielt, Kinder, spielt! Dabei vergesst ihr ganz, dass ihr euch bewegt. Dabei vergesst ihr, dass andere zuschauen, weil es nicht wichtig ist. Mir ist es bis heute schleierhaft, worin der Vorteil im Einüben einer definierten Reihenfolge von Bewegungen sein soll. Gleichgewichtsgefühl, Körpergefühl, Selbstbewusstsein – das ist toll.

Auch viele Erwachsene mögen es nicht, vor anderen zu sprechen oder etwas vorzuführen. Es ist toll, dass es Menschen gibt, die genau das tun. Wir lieben Schauspieler. Aber die werden gewöhnlich nicht dazu gezwungen. Wer wird schon gerne angestarrt?

Kann man mit Heranwachsenden überhaupt noch Sport machen? Gegenfrage: Macht Heranwachsenden Sport Spaß? Wenn nein, seid kreativ. Macht einen Abenteuerurlaub, baut euch selbst ein Haus. Fahrt Kanu. Geht Skifahren. Natur und Sport sind eine geniale Kombination.

Lieblingslinks zum Thema:

Wespennest – Wollen wir eine Weichspülergeneration?

Freiwillige Bundesjugendspiele? Interview mit Bloggerin Christine Finke

Tagesschau


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