Vor 70 Jahren: Palastrevolte stürzte Mussolini und kam Volksaufstand zuvor

Vor 70 Jahren: Palastrevolte stürzte Mussolini und kam Volksaufstand zuvor Am 25. Juli 1943 wurde der „Duce" des Faschismus Italiens in einer Palastrevolte von denselben führenden imperialistischen Kreisen (Großkapital, Militärs, Monarchie und Vatikan), die ihn 1922 an die Macht gehievt hatten, in einer Palastrevolte gestürzt. Das geschah ausgerechnet auf einer Sitzung des Gran Consiglio del Fascismo. Der von Mussolini als sein Führungsorgan gebildete Großrat forderte ihn zum Rücktritt als Regierungschef und zum Verzicht auf den Oberbefehl über die Streitkräfte auf. Von den anwesenden 28 Mitgliedern stimmten 19 für den Beschluss, sieben dagegen, eines enthielt sich. König Vittorio Emanuele III. übernahm den Beschluss des Großrates und entmachtete den „Duce". Mussolini wähnte sich als Führer der Partei und Chef der Parteimilizen weiterhin an den entscheidenden Machthebeln und fügte sich – zumal er bereits plante, den König zu beseitigen. Beim Verlassen des Quirinals (des Königspalastes) erwartete ihn ein Hauptmann der Carabinieri und bat ihn, unter dem Vorwand der besseren Sicherung seines Schutzes bei möglichen Unruhen in einen Krankenwagen zu steigen. Von diesem Augenblick an war der Diktator jedoch verhaftet und landete nach verschiedenen Zwischenaufenthalten in einem Kurhotel auf dem etwa 150 Kilometer nordöstlich von Rom liegenden, 2.914 Meter hohen Gran Sasso in den Abruzzen.

Im Hintergrund führende Industriekreise


Die Palastverschwörer entledigten sich des „Duce", weil sich seit der Niederlage der Wehrmacht bei Stalingrad an der Jahreswende abzeichnete, dass Hitlerdeutschland Krieg nicht mehr gewinnen konnte und sie sich in die Niederlage nicht hineinziehen lassen wollten. Zu dieser Erkenntnis hatte die fast vollständige Vernichtung der 230.000 Mann großen italienischen Hilfskorps im Umfeld von Stalingrad in der Schlacht am Don im November/Dezember 1942 beigetragen. Ein weiterer, fast noch wichtigerer Faktor war, dass die Militärs um den bei Italiens Kriegseintritt 1940 zurückgetretenen Generalstabschef des Heeres, Marschall Pietro Badoglio, einen Volksaufstand mit den Kommunisten (PCI) und Sozialisten (PSI) an der Spitze befürchteten. Hinter den Palastverschwörern standen führende Industriekreise wie der Eisen- und Stahlkönig, Enrico Falck, der Chef des Gummi-Konzerns Pirelli und der Präsident der Montedison (des größten Bergbau- und Chemiekonzerns), Guido Donegani, die „ihre Fühler nach Washington und London ausstreckten und mit Hitler brechen wollten. Im faschistischen Großrat gehörten Justizminister Dino Grandi und Mussolinis Schwiegersohn, Graf Galeazzo (seit 1926 Außenminister, im Februar 1943 jedoch abgesetzt), zu ihnen. Die amerikanische Zeitschrift „Life" schrieb später (14. Dezember 1943): Den Organisatoren der Palastrevolte ging es darum, „sich von Mussolini und den Deutschfreundlichen zu befreien, das System aber zu erhalten."

Aktionseinheitsabkommen Basis des Volkswiderstandes


Unter Führung der PCI war in den 1930er Jahren Schritt um Schritt der antifaschistische Widerstand angewachsen. Das 1934 zwischen Kommunisten und Sozialisten geschlossene Aktionseinheitsabkommen war 1937 im gemeinsamen Kampf zur Verteidigung der Spanischen Republik erneuert worden. Das einheitliche Handeln der Arbeiterparteien zog erhebliche kleinbürgerliche Schichten sowie Angehörige der Intelligenz auf ihre Seite. Studenten, Wissenschaftler, Schriftsteller und Künstler schlossen sich der antifaschistischen Bewegung an. Alberto Moravia, der bereits 1929 mit seinem Roman „Die Gleichgültigen" den moralischen Niedergang der bürgerlichen Gesellschaft angeprangerte, veröffentlichte 1935 mit „Gefährliches Spiel" Satiren auf den Faschismus. Von Cesare Pavesi erschienen unter dem Titel „Arbeit macht müde" aufrüttelnde Gedichte. Elio Vittorini schrieb über die Unterdrückung der Volksschichten auf Sizilien. Renato Guttuso schuf das Gemälde „Erschießung", das er dem von den Franco-Faschisten ermordeten spanischen Dichter Federico Garcia Lorca widmete. Der Bildhauer Giacomo Manzù trat dem Mailänder Kreis antifaschistischer Künstler bei, der die Zeitschrift „Corrente" herausgab.
Nach dem Kriegseintritt Italiens 1940 hatten Kommunisten, Sozialisten und die kleinbürgerliche Gruppe Giustizia e Libertà im September 1941 ein Antikriegskomitee gebildet. Im Herbst 1942 bildeten verschiedene antifaschistischen Gruppen ein Komitee der nationalen Einheit. Die oppositionellen Katholiken der verbotenen Volkspartei bereiteten ihre Wiedergründung als Democrazia Cristiana vor. Giustizia e Libertà formierte sich als Aktionspartei mit einem radikaldemokratischen Programm. Ein weiteres Signal setzten die ersten großen Antikriegsstreiks, die am 5. März 1943 in der Industriemetropole Turin mit über 10.000 Teilnehmern begannen und von da auf weitere norditalienische Städte, darunter Piemont und Mailand, übergriffen. Die Katastrophe der Wehrmacht bei Stalingrad und die Niederlage des deutsch-italienischen Afrikakorps bei El Alamein spitzten die Krise des Faschismus weiter zu, die nach der Landung der Alliierten am 9. Juli auf Sizilien offen ausbrach.

Führende Militärs sicherten Sturz


Um die Ausschaltung des Duce militärisch abzusichern, leitete der an der Revolte beteiligte Chef des Generalstabes, Vittorio Ambrosio, umfangreiche Maßnahmen ein, da man seitens der faschistischen Partei, ihrer Miliz und besonders der so genannten Division „M" – eines Panzerverbandes, den der Reichsführer SS, Heinrich Himmler, für Mussolini aufgestellt hatte – Widerstand erwartete. Ambrosio unterstellte die Division dem Generalstab und kommandierte sie zu einer Übung außerhalb der Hauptstadt ab. Auch die Parteimilizen setzte er in die Umgebung von Rom in Marsch. Im Gegensatz dazu alarmierte er die Heeresdivision Piave und ließ sie vor den Toren der Hauptstadt Stellung beziehen. Spätestens hier drängt sich ein Vergleich zu dem im Juli 1944 dilettantisch in Szene gesetzten Attentat gegen Hitler auf, in dem der mutige Einsatz des Obersten Stauffenberg scheitern musste, nicht zuletzt auch deshalb, weil er im Gegensatz zu Italien keinerlei Rückhalt unter den herrschenden Kreisen der Wirtschaft hatte.
Fünf Stunden nach der Verhaftung Mussolinis gab der Rundfunk bekannt, dass der König den Oberbefehl über alle bewaffneten Kräfte übernommen und Marschall Pietro Badoglio mit der Bildung einer Militärregierung mit „allen Vollmachten" beauftragt habe. Entgegen den Befürchtungen der Verschwörer regte sich seitens der faschistischen Partei und ihrer Gliederungen keinerlei Widerstand gegen die Entmachtung des „Duce". Sein Sturz wurde von der Bevölkerung jubelnd begrüßt. In einigen Großstädten des Nordens stürmten Gegner des Regimes faschistische Parteisitze und Zeitungsredaktionen, in Turin das deutsche Konsulat. Eine beträchtliche Zahl faschistischer Parteigrößen floh nach Deutschland. Am 19. August entsandte Badoglio General Castellano nach Lissabon, wo dieser in der britischen Botschaft in Lissabon mit dem amerikanischen General Walter Bedell Smith zusammentraf, der ihm im Auftrag des angloamerikanischen Oberkommandierenden im Mittelmeerraum, General Eisenhower, den Text eines Waffenstillstandsabkommens übergab.
Gerhard Feldbauer

Quelle: http://news.dkp.de/2013/07/vor-70-jahren-palastrevolte-stuerzte-mussolini-und-kam-volksaufstand-zuvor/Vor 70 Jahren: Palastrevolte stürzte Mussolini und kam Volksaufstand zuvor

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