Von wegen Tofuwurst-Emanze: Warum ich Ego-Veganerin bin!

 Von wegen Tofuwurst-Emanze: Warum ich Ego-Veganerin bin!

Veganer sind unangenehme Mitmenschen, die aggressiv ihre Tofuwurst als adäquaten Fleischersatz anpreisen und ihren Lebensstil gerne auch anderen empfehlen. Diese – zugegeben – leicht überspitze These formulierte ich im letzten Artikel “Was mich am Veganismus nervt.” Die Ausführungen verhallten nicht ohne Kritik. Unter anderem aus diesem Grund, folgt heute die Sicht einer Veganerin. Eine Richtigstellung einiger Argumente und ein Plädoyer für eine tierproduktlose Ernährung. Verfasst von Lisa Schugg

Um eines zunächst festzuhalten: Ich bin selbst kein Veganer. Ich lebe seit gut fünf Jahren vegetarisch, das heißt ohne Produkte vom toten Tier, wie Fleisch, Fisch, Leder oder (Achtung!) Gelatine. Seit einem guten halben Jahr bin ich außerdem zum „Ego-Veganer“ mutiert. Das heißt, ich verzichte dann, wenn ich für mich alleine koche oder backe, komplett auf tierischen Inhaltsstoffe, wie Milch, Ei, Honig etc. Wenn ich mit Freunden koche, ausgehe oder bei meinen Eltern bin, esse ich, wenn es keine vegane Alternative gibt, aber „nur“ vegetarisch. Warum mache ich das? Bei der Beantwortung der Frage stoßen wir gleich auf die beiden Punkte, die für mich, als Vegetarier, gegen die eine strikt vegane Lebensweise sprechen.

Vegan macht (unter Allesessern) unsozial. Wie mein Vorredner schon richtig erwähnt hat, muss der Veganer ständig nach Inhaltsstoffen fragen und gegebenenfalls verzichten. Der Grund dafür liegt jedoch NICHT bei den Veganern selbst. Vielmehr fehlt die gesellschaftliche Akzeptanz für Menschen mit anderen Ernährungsweisen. Dabei würde ein veganes Gericht pro Speisekarte auch Menschen mit einer Unverträglichkeit für Eier oder Milch entgegenkommen – und auch sie wieder sozial machen.

Kritikpunkt zwei: Vegan kann in unserer Gesellschaft nie konsequent sein. Es gibt, auch da muss ich dir Recht geben, David, durchaus radikale Veganer, die Vegetarier hier und da mal als Mörder beschimpfen , (wie Vegetarier das auch ab und an mit Allesessern tun). Und in gewisser Weise haben sie Recht. Wenn man aus ethischen Gründen keine toten Tiere isst, dürfte man eigentlich auch keine Ei- und Milchprodukte essen, denn die Industrien hängen unmittelbar zusammen. Männliche Küken werden in der Eierproduktion „weggeworfen,“ egal ob Bio oder konventionell. Die Kuh gibt nur dann Milch, wenn sie ein Kälbchen hat, das dann als Steak auf dem Teller landet. Aber einen rein pflanzlichen Lebensstil zu pflegen ist nicht so einfach, wie man denken mag. Tierische Stoffe sind etwa auch in verschiedenen Sorten Zahnpasta, Lackfarbe und Kleber enthalten oder in den Bremsanlagen der Deutschen Bahn. Wir leben in einer Gesellschaft, die um das tote Tier herum aufgebaut ist, deshalb ist es nahezu unmöglich sich konsequent vegan zu ernähren – und deshalb habe ich den Schritt in Richtung komplett veganer Ernährung bisher nicht getan.

Neben den ethischen Fragen sprechen aber auch viele andere Gründe für den Veganismus. Dazu gehören gesundheitliche, ökologische und auch ganz praktische: Inzwischen weißt eine ganze Reihe breit angelegter medizinischer Studien nach, – die aktuellsten davon zusammengefasst in „The Chinese Study“ von 2011 -  dass eine ausgewogene vegane Ernährungsweise schlichtweg die Gesündeste ist. Die pflanzliche Ernährung schützt vor vielen Arten von Krebs und Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems – also die Bevölkerungskrankheiten schlechthin. Die Ergebnisse sprechen eine simple aber deutlich Sprache – der Konsum von tierischen Produkten, in dem Maße, in dem er in Westeuropa betrieben wird, ist ungesund und gefährlich.

Dazu kommen Aspekte der Nachhaltigkeit. Wir sind gerade 7 Milliarden Menschen auf dem Planeten Erde geworden. Immer mehr davon wollen Fleisch, Milch und Eier essen. Aber das führt langfristig in eine Sackgasse. Schon heute wird ein Großteil der Getreideproduktion in sog. Entwicklungsländern an Tiere verfüttert, während immer noch Menschen verhungern. Das ist ökonomischer Schwachsinn, denn mit zehn Kilo Getreide kann so nur ein einziges Kilo Rindfleisch gewonnen werden. Und auch der Punkt des höheren Eiweißgehalts kann nicht geltend gemacht werden. Wenn ein ein Stück Land als Acker, statt als Weidefläche verwendet wird, können mit dem Eiweiß der Pflanzen 5-10 mal mehr Menschen ernährt werden, als mit entsprechenden tierischen Eiweißen. Der Konsum tierischer Produkte ist extrem kurzsichtig.

Aber die vegane Ernährung hat auch ganz praktische Vorteile. Im Vergleich zu einer omnivoren Ernährung mit Bioprodukten ist sie sehr günstig, da sie ja nur aus (fast immer) günstiger zu produzierenden, pflanzlichen Lebensmitteln besteht. Und auch ein Schlaraffenwelt-Genussargument spricht für die vegane Küche. Sie ist zwangsläufig sehr abwechslungsreich und innovativ. Im Gegensatz zu Davids Behauptung sind Fleischersatzprodukte in der Szene nämlich ziemlich verpönt und man versucht eine eigene vegane Traditionsküche zu begründen. Als Vorbilder wird eben nicht die omnivore (Allesesser-) Küche verwendet, sondern die traditionell ohnehin eher pflanzlichen Küchen des Mittelmeerraums, des Orients und der asiatischen Länder. Dass das fantastisch schmecken kann und zum experimentieren einläd, davon zeugen Blogs wie TheVeganStoner, SeitanIsMyMotor oder das gerade erschienene „Vegan Kochen“ aus dem GU Verlag.

Also los – traut euch! Legt nächste Woche mal einen veganen Tag ein und macht euch bewusst, wie viele tierische Produkte ihr eigentlich verwendet – und wie gut und abwechslungsreich veganes Kochen eigentlich sein kann. Weit ab von Grünkernbratlingen und Tofuwürstchen.


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