Von Wegen Lisbeth: Parallelschaltung

Von Wegen Lisbeth: ParallelschaltungVon Wegen Lisbeth
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(Columbia/Sony)
Eine repräsentative Auswahl der gängigen Urteile gefällig? „Musikalisch ist das zu simpel gestrickt“ – „Das wird sich schnell verbrauchen“ – „Eine klare politische Haltung kann man da leider nicht raushören – „Nicht mehr als brave Studimucke“ – „So was spiel ich besser mal meinen Kindern vor“ – „Hier rein, da wieder raus“ usw. Da möchte man sinngemäß den großen Meister Luke Skywalker zitieren: „Erstaunlich, alles was hier geschrieben steht, ist falsch.“ Vornweg – wer die Berliner Band Von Wegen Lisbeth mit ihrem Debüt „Grande“ nicht mochte, wird jetzt kein neuer Jünger werden. Denn Matthias Rohde und Freunde haben nichts Wesentliches an ihrem Konzept geändert, die Wiederholung des Erfolges sollte aber allein deshalb klappen, weil ebenjener Erstling schon so abgenutzt im CD-Fach trudelt (eine ähnlich bildhafte Umschreibung ist leider für die Spotify-Playlist nicht zu haben), dass es dringend eines Nachschubs bedarf. Denn das war ja das einzige wirkliche Manko der Songs, daß sie sich so schnell und hartnäckig im Gedächtnis festhakten, jeden Algorithmus dominierten, immer und überall mitgesummt und -gesungen wurden, dass man sie irgendwann nicht mehr hören wollte.
Diesen GAU aber, also die Größte Anzunehmende Ungerechtigkeit, hatten Rohdes Lieder so gar nicht verdient, denn es gehört sehr wohl eine große Kunstfertigkeit dazu, solche Dauerbrenner (biologisches Hilfswort: Ohrwürmer) zu schreiben und das noch in dieser Menge. Die angebliche Simplizität, noch dazu unter Zuhilfenahme frühkindlicher Klangkörper wie Triola und Xylophon, erweist sich dann eben doch als wohldurchdachte Struktur, als initialzündende Parallelschaltung von Kopf, Bauch, Herz und Beinen, die einen zustimmend lächeln, laut singen, ausgelassen tanzen läßt und zugleich ein Wohlgefühl erzeugt, das nicht oft zu finden ist in diesen Tagen. Und die politische Komponente? Nun, Rohde ist kein Punk, kein Proklamierer und Marktschreier, eher piesackt er einen mit seiner spitzen Ironie, seinen kleinen Bildern und klugen Reimen, lieber schaut er, ob er verschlossene Türen auch mit Klinke oder Schlüssel aufbekommt, als sie gleich mit viel Krawall einzutreten. Die nachhaltigere Wirkung sollte auf seiner Seite sein – eine ernsthafte Haltung, eine Verbindlichkeit bleibt es ohnehin.

Und das eben auch auf der neuen Platte. Wieder tummeln sich neben feinen Melodien und Soundeffekten eine Vielzahl liebenswürdiger Songideen, wieder wird Allzumenschlichem der berüchtigte Spiegel vorgehalten: Da ist die ewige Eifersucht, die hinter jeder winzigen Geste, hinter jedem Wort den boshaften Betrug aufblitzen sieht („Lieferandomann“), da ist die Blauäugigkeit, mit der wir uns nicht selten durch den (digitalen) Alltag bewegen („Alexa, gib mir mein Geld zurück“) und natürlich die Liebe – die enttäuschte, die schmerzende, die rauschhafte, die zerstörerische. Rohde reiht seine Lebensweisheiten wie Perlen auf den roten Faden (puh!), stößt Verwünschungen aus, macht kaputt, was ihn kaputtmacht, verpackt blitzgescheite Verse gegen die Gentrifizierung in ein rührendes Geständnis („Westkreuz“) oder bleibt einfach sprachlos zurück in der Stille nach dem Schluß. Er ist ein guter, ein aufmerksamer Beobachter geblieben, der wunderbar unterhalten kann, vielleicht ist er auf diesem Album sogar – Achtung: schwierige, weil anmaßende Behauptung – noch ein Stück reifer geworden, zumindest klingt es so. Und dass „Sweet Lilly“ nicht so süß ist wie angenommen, macht einen dann wirklich etwas traurig – geantwortet hat sie leider bis heute nicht … https://www.vonwegenlisbeth.de/

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