Von Schafen und anderen Menschen: Wie die Presse Nazis züchtet

Seit anno AfD scheindominiert eine Ansammlung von 100-200 Berufstrollen den Kommentarbereich jedes Onlineportals ehemaliger Zeitungen.

Scheindominiert deshalb, weil die einzigen Themen, zu denen diese Leute etwas zu sagen haben, entweder die AfD oder eben neuerdings Pegida sind. Der Traffic, den diese hauptamtlichen Kommentatoren erzeugen,wenn sie mit 5, 10 oder auch 20 unterschiedlichen Profilen Unsinn verfassen und sich selbst per Empfehlung oder Like zuzustimmen, hat wiederum die größeren Portale dazu gebracht, ihre Berichterstattung so zu verlagern und vor allem zu bewerben, dass es seit Wochen nur noch AfD- und Pegida-Nachrichten als Hauptschlagzeilen gibt, was zur Folge hat, dass die Scheindominanz zu einer tatsächlichen Dominanz wird: Die AfD dominiert mittlerweile die Themen UND die Diskussion darüber.

Bereits an dieser Stelle könnte man unsere ehemalige vierte Gewalt fragen: Seid Ihr eigentlich noch zu retten?
Ist Euch eigentlich klar, was Ihr da unter Umständen in Bewegung setzt?
90 Prozent der Deutschen sind, politisch gesehen, Schafe. Das heißt nicht, dass sie nicht in der Lage wären, die Auseinandersetzung intellektuell zu verfolgen, sie haben bloß keine Zeit dafür. Ich bin versucht, an dieser Stelle auf die Einschaltquoten von Dschungelcamp und Bachelor hinzuweisen, aber wenn ich in den letzten Jahren eines begriffen habe, dann wie nervenzehrend nichts geringeres als der blöde Alltag wird, wenn man ein „produktives Mitglied der Gesellschaft“ ist.
Seit ich das versuche, komme ich kaum noch dazu, hier was zu schreiben, und im gleichen Ausmaß hat mein Engagement andernorts ebenso wie die Informationsaufnahme als solche abgenommen. Ich habe auch einfach keine Zeit mehr, und ich habe nicht mal Kinder zu versorgen oder über Facebook hunderte Freunde zu managen. Und dazu kommt, dass sich meine lieben Landleute zu 95 Prozent nicht mal annähernd so sehr für Politik interessieren, wie ich das tue. Kurzum: Eine übergroße Mehrheit hierzulande trifft ihre Wahlentscheidung auf der Basis der lautesten Stimme, nicht der vernünftigsten oder durchdachtesten. Sie nehmen nur die gröbsten Spitzen des Lärms wahr, mit dem sie permanent aus den Medien beschallt werden, und Reflektion findet naturgemäß nicht mehr statt.

Wie die eingangs beschriebene Mechanik sich also mittelfristig auf Wahlergebnisse auswirkt, ist relativ klar. Das hat wunderbar funktioniert, als wir letztes Jahr alle Merkel wählen mussten. Während das aber noch ein relativ gesteuerter Vorgang war, kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Henne und Ei die Plätze getauscht haben; was seinen Anfang nahm als bewußtes Trollen, um Klicks zu generieren, ist mittlerweile ein industrielles Befriedigen einer Scheinnachfrage geworden, die andernorts mit einer bewußten Agenda gepflegt wird.

Es gab in Deutschland nie viele echte Nazis. Auch zu ihren Hochzeiten war die NSDAP im Kern eine Elite von Irren, die ihren unumstrittenen Führungsanspruch aus zwei Komponenten destillierte: Einmal, dass sie die lautesten Schäferhunde waren und dann auch alle anderen wegbissen, die sich der Herde annehmen wollten, und andererseits der Tatsache, dass es der Herde letztlich herzlich egal war, wer da bellend um sie herumsprang, solange sie nur relativ ungestört grasen konnte. Diese zweite Komponente ist in Deutschland nicht nur immer vorhanden gewesen, sondern wurde seit Adenauer gehegt und gepflegt. Die erste Komponente war diejenige, die wir bewußt vermieden haben: Wir haben diesem Volk gar nicht erst die Gelegenheit gegeben, auf der Weide mitzuspielen.
Und das haben wir jetzt geändert.

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