Von der Windkraft auf dem Meer - Roland Berger, Hochtief, Windgas und Zwangsabschaltungen

Von 0strom

Die Unternehmensberatung Roland Berger sieht die Boomzeiten der landgestützten Windkraft enden. So gab es in 2010 knapp 70 % mehr Abschaltungen von Windrädern bzw. gesamten Windparks als in 2009.

Grund der Zwangsabschaltungen waren drohende Netzüberlastungen, d.h. der produzierte Windstrom konnte nicht abtransportiert werden, da große Stromleitungen von den Windparks im Norden zu den Verbrauchern im Süden fehlten. Wenn man bedenkt, dass die Kernkraftwerke, die abgeschaltet wurden im Süden Deutschlands stehen, Windparks und Biogasanlagen sich aber oft im Norden befinden, so muss der produzierte Naturstrom in den Süden transportiert werden. Bekanntermaßen hinkt der Netzausbau aber hinterher.

Trotzdem gibt es verschiedene Projekte für Windkraft, die im Norden die Stromerzeugung weiter steigern und das Transportproblem mehr verstärken werden. Einige Windkraftbetreiber sind dazu übergegangen Windgas zu erzeugen. Dabei wird aus Windstrom Methan (Windgas, Erdgas) produziert und in das vorhandene Erdgasnetz eingespeist. Dank der dortigen Gasspeicher entsteht eine Entkopplung von Produktion und Verbrauch, welche beim elektrischen Strom nicht so einfach machbar ist.

So wurde vor kurzem gemeldet, dass die Finanzierung des Ostsee-Windparks Baltic 1 des Energieversorgers EnBW und 19 weiterer Stadtwerke in Höhe von 138 Mio. langfristig abgesichert sei. Der Windpark steht 19 km vor der Küste der Halbinsel Darß/Zingst.

Bis 2015 sieht die Unternehmensberatung Roland Berger die weltweite installierte Windkraftleistung auf See von derzeit 1,2 auf 4,4 Gigawatt wachsen. Bis 2020 sollen acht Gigawatt erreicht werden, wobei der europäische Anteil dann bei rund sechs Gigawatt liegen solle. Geplant sind in Deutschland bis 2020 Investitionen von 30 Milliarden Euro. Für die ersten zehn Windparks gibt es darüberhinaus von der KfW-Bank fünf Milliarden Euro Fördermittel — das sind eine halbe Milliarde pro Windpark.

Nur zum Vergleich: Ein mittelgroßes Atomkraftwerk hat eine Leistung von eintausend Megawatt. Große Windräder von Siemens haben derzeit eine Leistung von sechs Megawatt (0,006 GW).

Laut Branchenverband WAB in Bremerhaven würden bis 2020 geschätzte 100 Milliarden Euro in Meeres-Windparks investiert werden. Die deutsche Industrie ist hier gut aufgestellt und würde den Marktanteil deutscher Unternehmen von derzeit 25 auf 40 Prozent steigern können. So engagieren sich beispielsweise Siemens und Hochtief stark in diesem Bereich, den Windräder vor den Küsten sind zwar teurer liefern aber 4.000 statt 2.000 Stunden pro Jahr Strom.

FOTO: HGO INFRASEA SOLUTIONS

Nachdem Hochtief bereits die Thor, ein kleineres, sogenanntes Errichterschiff, auf der Danziger Werfft bauen lassen hat, wird nun die Hauptschiff, die Innovationgebaut. Das erste Schiff seiner Art wurde teurer und aufwändiger als geplant, soll aber im Juni nach rund zwei Jahren Bauzeit und rund 100 Mio. Euro Kosten in Hamburg getauft werden.

Mit dem Superschiff verspricht sich der Baukonzern Hochtief, am Boom von Meeres-Windparks ein große Scheibe abzuschneiden. Einsatzgebiet der Innovationsoll die Nordsee sein, wo Windpark-Betreiber auf den beiden größten europäischen Meeres-Windparkmärkten — Deutschland und Großbritannien — gewaltige Windräder errichten wollen.

Konkret soll die Innovation ab Sommer 2012 80 große Windräder mit einer Leistung von jeweils fünf Megawatt im Windpark Global Tech 1 installieren. Die Baustelle befindet sich 90 Kilometer vor Nordseeküste Bremerhavens und weist Tiefen bis zu 50 Meter auf.

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