Vom späten Sieg über den Klassenfeind

Weniger ist mehr: Das haben in unseren postmaterialistischen Zeiten auch schon die deutschen Autobauer erkannt, bewerben auf einmal vermeintlich mit Sprit und Platz knausernde Kleinwagen statt der üblichen teutonischen Limousinenmonster. Nach diesem Motto existiert der Lada Niva seit 35 Jahren. Seit 1976 schon bauen die Russen ihren Allradquader beinahe unverändert.

Er ist klein, misst mit gerade einmal knappen 3,7 Metern soviel wie ein VW Polo aus den 1990er Jahren. Er ist karg, lediglich Servolenkung, Zentralveriegelung und ein fünfter Gang sind Zugeständnisse an die Gegenwart. Er ist puristisch. ABS? Airbags? Elektrische Fensterheber? Luxus ist in diesem Auto auch nicht für warme Worte oder Aufpreis zu bekommen. Die wesentlichste Veränderung in den 35 Jahren war der Einbau einer Schadstoffreinigungsanlage. Somit bekommt der knurrige Benziner sogar eine grüne Plakette.

Ansonsten lehrt der Allradler Demut und Enthaltsamkeit: Du sollst nicht stehlen! Den Niva gibt’s fabrikneu ab 9990 Euro. Zudem verfügt der Gelände-Senior sogar über eine Wegfahrsperre. Du sollst nicht Ehe brechen! Die dankbare und schnörkellose Technik sorgt für eine lange Beziehung. Sie mag zwar ab und an den Dienst quittieren, doch sie ist so simpel, dass sie jeder sibirische Dorfschmied reparieren kann. Du sollst nicht zu schnell fahren! Schon bei 100 km/h pfeifen die Windgeräusche und das Getriebe so laut um die Wette, dass eine Geschwindigkeitsübertretung außerhalb geschlossener Ortschaften praktisch nicht stattfindet.

Ein Lada Niva ist keine automobile Grazie, kein Schwätzer, kein Blender. Er hat nicht viel zu bieten, aber er macht aus wenig etwas. Ganz in guter russischer Tradition. Er konzentriert sich aufs Wesentliche, bleibt klein und bescheiden – außer beim Durst, denn auch da steht er leider in russischer Tradition. Mit dieser Strategie hat er 35 Jahre auf dem Automarkt überlebt. Und nun springt der ehemalige Klassenfeind auf denselben Zug auf und rüstet ab auf Kleinwagen. Doch trotz aller Westpropaganda: Der russische Igel ist schon lange da. Er war nie woanders. Auf den späten Sieg, Genossen! Nastrovje!

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Lada Niva – Vom späten Sieg über den Klassenfeind

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