Vom Moralapostel zum Schnäbizeiger

Von Traumperlentaucher

Nichts gegen eine private Affäre. Viele Männer in den Wechseljahren brauchen das. Sich noch einmal jung fühlen und eine in den Zwanzigern vögeln. Dafür habe ich Verständnis. Wenn die Midlifecrisis zuschlägt, ist es nicht immer mit dem Kauf eines Harleys oder einem Besuch im Puff zu erledigen.

Aber muss man unbedingt, nur mit einem T-Shirt bekleidet, im Bürostuhl hocken und Schwanzbilder verschicken? Das finde ich absolut stillos. Zwar war mir Geris ungepflegter Habitus schon immer suspekt und seine Visage hat mich jeweils an den Skilift des Cabaret Rotstift erinnert, doch einen Schnäbizeiger habe ich nie dahinter vermutet. Dies obschon ich in meinem Leben die Erfahrung gemacht habe, dass die grössten Moralapostel auch die grössten Arschlöcher sind.

Von einem Politiker von Geris Rang erwarte ich etwas mehr Stil. Schnäbi zeigen, gehört definitiv nicht dazu; das haben wir im Vorschulalter gemacht – bei den Doktorspielen.

Schon diese vorpubertären Spiele direkt aus dem Amtshaus von Baden machen Geri als Politiker untragbar. Doch viel schlimmer ist der Machtmissbrauch. Sollte es stimmen, dass er die Polizei dazu gebracht hat, der Dame auf den Pelz zu rücken um ihr Handy zu kassieren, dann gehört Geri nicht nur weg vom Fenster, sondern vor Gericht und der Filz zwischen Legislative und Exekutive gehört gnadenlos aufgeklärt.

Wie auch immer, der Schnäbizeiger muss weg, ich kann seine Fresse nicht mehr sehen. Er kann von mir aus Lose verkaufen, als Politiker ist er ungeeignet. 

Mit der Macht ist es wie mit dem Alkohol – zuviel davon macht besoffen.

Traumperlentaucher