Vom aktuellen Stand der Energieeffizienz in Deutschland und Europa

Bekannt ist sicher allen Lesern das Ziel der EU bis zum Jahr 2020 den jährlichen Energieverbrauch um 20% zu reduzieren. Weitere Hintergründe zum Aktionsplan für Energieeffizienz der EU und der EU-Richtlinie über Endenergieeffizienz und Energiedienstleistungen (Wikipedia) sind jedoch kaum bekannt. Wer weiß schon, dass dieses Ziel der Steigerung der Energieeffizienz einer jährlichen Energieeinsparung bis 2020 von 1,5% bedeutet und, dass die Mitgliedsstaaten in regelmäßigen Abständen an die EU-Kommission berichten müssen?

Genau diese Berichte waren der Anlass für eine Fachveranstaltung der dena, die ich gestern besucht habe unter dem Titel “Nationale Energieeffizienz-Aktionspläne – Instrumente zur Energieeffizienzsteigerung und -marktentwicklung“. Wo steht Deutschland im 2. Nationalen Energieeffizienz-Aktionsplan (NEEAP) und welche Erfahrungen machen andere EU-Mitgliedsstaaten?

Der 2. Nationale Energieeffizienz-Aktionsplan für die Bundesrepublik Deutschland wurde am 31.08.2011 vom Bundeskabinett verabschiedet, nachdem er vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie  vorgelegt und unter der Federführung der Bundesstelle für Energieeffizienz erstellt wurde (Quelle: Energieeffizienz Online). Zum Inhalt des Aktionsplans zitiere ich hier die Bundesstelle für  Energieeffizienz: “Der ausführliche Bericht zeigt zum einen, dass Deutschland das indikative, 9-prozentige Endenergieeinsparziel der EU-Richtlinie mehr als erfüllen wird. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Bestandsaufnahme des Marktes für Energiedienstleistungen in Deutschland. Anhand einzelner Marktsegmente und exemplarisch dargestellter, erfolgreich im Markt umgesetzter Projekte wird der hohe Entwicklungsstand des Marktes sowie weiteres Entwicklungspotenzial verdeutlicht.”

Die EU-Kommission hat bisher erst 18 nationale Aktionspläne erhalten, bevor sie im Januar 2012 einen Überblick und eine Analyse zum Stand der Energieeffizienz in Europa geben kann. Im jährlichen Rhythmus werden Fortschrittsberichte aus den Mitgliedsstaaten erwartet, und 2014 bzw. 2017 werden weitere nationale Energieeffizienz-Aktionspläne (NEEAP) erwartet.

Soweit zur  Einführung und zum Verständnis. Bevor die Fachveranstaltung den Blick auf die nationale Ebene warf, wurde ein Blick über den Tellerrand in andere Länder gewährt. Ich werde jedoch nur einen Blick auf die Wege zur Einsparung werfen und nicht auf das Monitoring und die Berechnungen.

Da einige Leserinnen und Leser aus Österreich kommen, ist gleich das erste Land gleich von besonderem Interesse, denn der erste Vortrag kam aus Österreich von Frau Dr. Heidelinde Adensam vom Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend. Die Bemühungen zur Steigerung der  Energieeffizienz konzentrieren sich in Österreich vor allem auf eine freiwillige Selbstverpflichtung der Energieunternehmen, Energiedienstleistungen (z.B. Contracting in Bundesliegenschaften) und auf die Beschaffung im öffentlichen Sektor (freiwillige Nachhaltigkeitskriterien). Die Energieversorger sehen durchaus das Potential und die Notwendigkeit von Energieeffizienz und betrachten Energieberatungen und -dienstleistungen als ihr neues Betätigungsfeld. Ein Netz an privaten  Energieberatern, wie in Deutschland, die staatliche Förderung erhalten (z.B. Vor-Ort-Beratung oder KfW-Förderprogramme), gibt es in Österreich nicht. Frau Adensam zeigte sich sehr zufrieden mit der bisher erreichten Einsparung, auch wenn nur ein Drittel des Zieles erreicht ist, wobei der größte Teil der Einsparung bei der Wärmebereitstellung erreicht wird. In den nächsten Wochen soll ein Energieeffizienzgesetz verabschiedet werden, das weitere Einsparungen auslösen soll.

Im nächsten Vortrag stellte Heikki Väisänen vom finnischen Ministerium für Handel und Industrie die Strategie zur Erreichung des Energieeffizienz-Zieles in Finnland dar. In Finnland werden sechs Ministerien und verschiedene Organisationen in die Strategie zur Erreichung des Effizienz-Zieles eingebunden. Man hat dort die Einsparziele auf die unterschiedlichen Sektoren eingeteilt, mit den größten Potentialen in Gebäuden, Industrie und Transport. Als wichtigste Maßnahmen wurden genannt Förderung von Wärmepumpen, Building Codes (vergleichbar mit der deutschen EnEV) auch mit Vorgaben für bestehende Gebäude und freiwillige Vereinbarungen mit der Industrie. Erreicht wurde damit bisher eine  Einsparung von 6,1%, wobei vermutlich die realen Einsparungen höher liegen als die berechneten Einsparungen. Von Heiki Väisänen stammt das schönste Zitat des Tages: “Energy efficiency is upgraded from tourist to business class”.

Das nächste Land, Estland, hat deutlich weniger Einwohner als Berlin, aber dennoch viel zu tun in Sachen Energieeffizienz. Annika Päsik, Leiterin Bereich Nachhaltige Energie im Ministerium für Wirtschaft und Kommunikation, berichtete von der Strategie in Estland. Auch dort ist das größte Potential in den Haushalten und der Wärmeversorgung zu finden. Daher werden vor allem Sanierungen gefördert, öffentliche Gebäude saniert und der Austausch der Heizungen unterstützt. Es wird aber auch in Kraft-Wärme-Kopplung investiert, die Industrie bekommt Unterstützung bei der Modernisierung ihrer Anlagen, öffentliche Verkehrsmittel werden modernisiert und es gibt ein Elektromobilitäts-Programm. Das größte Problem für Energieeffizienz sind aber die noch niedrigen Stromkosten (unter 10 ct pro kWh), und dass es noch kein Monitoring zum Energieverbrauch gibt.

Diese Berichte zeigen, dass es viel zu tun gibt in Sachen Energieeffizienz, und dass der Sektor Gebäude überall der wichtigste Sektor mit dem größten Potential. Deutschland ist im Gebäudebereich mit der Wärmeschutzverordnung und heute mit der Energieeinsparverordnung auf dem richtigen Weg, den diese Verordnungen tragen einen substantiellen Anteil der bisher erreichten Einsparungen. Weitere Fördermaßnahmen, wie die zur Zeit diskutierte steuerliche Absetzbarkeit von Gebäudesanierungen, hätten sicher noch weitere  Einsparungen zur Folge. Weitere Steigerungen der Energieeffizienz werden aber auch erreicht mit Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung und dem Ausbau des Contractings und weiterer Energiedienstleistungen.


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