Vertrau der Kraft der Worte

Vertrau der Kraft der Worte

In letzter Zeit hatte ich Gelegenheit, in viele Bücher hineinzuschauen. Dabei ist mir aufgefallen, dass einige Autorinnen und Autoren den Worten, die sie schreiben, nicht vertrauen. Ähnlich der Kommunikation im Internet, bei der es sich eingebürgert hat, irgendwelche Icons einzufügen, um dem Gegenüber deutlich zu machen, was man sagen will, versuchen sie den Lesern explizit Hinweise zu geben, wie diese den Text zu lesen haben. Doch damit schaden sie sich und ihren Texten.


In einem Buch ist es der Text, der für sich wirken muss. Glücklicherweise habe ich kein Werk gesehen, in dem Emoticons genutzt wurden. Ich muss ja nicht extra erwähnen, dass diese in einem Buch nichts zu suchen haben. Im Übrigen auch nicht im Klappentext oder der Autorenbiographie. (Das habe ich leider gesehen.) Außerhalb der Kommunikation im Internet haben Emoticons nirgends etwas zu suchen.
Aber mir ist aufgefallen, dass man mit anderen Mitteln versucht, Schwächen des Textes auszugleichen.

Die Auslassungspunkte als regelmäßiges Satzendezeichen


Die Auslassungspunkte, die berühmten drei Punkte, ist kein Ersatz für den Punkt oder das Fragezeichen. Wer dieses Zeichen nutzt, um eine besondere Betonung eines Satzes zu erzeugen, disqualifiziert sich und seinen Text. In einem Text sprangen mir gleich drei Mal diese Zeichen im ersten Absatz entgegen. Jedes Mal falsch verwendet. Denn wie der Name schon sagt, markieren die Auslassungspunkte Stellen, an denen etwas ausgelassen wurde. Also den Satz, der nicht beendet... Ich muss hier nicht erwähnen, dass es sich bei den Auslassungspunkten um ein eigenes Zeichen handelt und nicht um drei Punkte hintereinander ( siehe Wikipedia).

Mit Gedankenstrich das Komma ersetzen


Nebensätze werden in unserer Sprache üblicherweise mit einem Komma vom Hauptsatz getrennt. Es gibt aber Autorinnen und Autoren, die meinen, das Komma durch den Gedankenstrich ersetzen zu müssen und damit jeden Nebensatz auf eine neue Bedeutungsebene zu heben. Dabei ist der Gedankenstrich nur dazu gedacht, Gedanken, die nicht direkt in den Satz gehören, von diesem abzuheben. In den meisten Fällen, in denen mir Gedankenstriche begegneten - Gedankenstriche sind im Übrigen auch ein eigenes Zeichen und nicht einfach nur das Minuszeichen ( siehe Wikipedia) -, waren sie falsch verwendet und ließen sie sich ohne Probleme durch ein Komma ersetzen.

Mit großgeschriebenen Worten schreien


Im Internet kennt man es. Wird ein Wort oder gar ein Satz vollständig großgeschrieben, bedeutet dies, DER SCHREIBER SCHREIT MICH AN. Doch wer möchte schon angeschrien werden? In einem Buch hat diese Schreibweise meines Erachtens gar nichts zu suchen. Wird etwas geschrien, dann muss sich dies aus der Handlung oder aus den Worten selbst ergeben. Zudem gibt es das Rufzeichen, um dies zu verdeutlichen. Es genügt dann auch ein Rufzeichen! Mehrere Rufzeichen hintereinander, um dem Leser die Eindrücklichkeit der Worte deutlich zu machen, zeigen dagegen nur das Unvermögen des Autors.

Die Betonung durch Schreibweisen verdeutlichen


Da schreibt man diesen tollen Satz. Hat genau im Ohr, wie er gesprochen wird, und dann erdreisten sich die Leser, ihn völlig anders zu betonen. Da muss Abhilfe geschaffen werden. Also markiere ich die Worte, die betont werden sollen, und schreibe sie kursiv, damit du Leserin und Leser, diesen genialen Satz immer genauso liest, wie ich es will.
Ich muss sicher nicht ausführen, dass dies eine Unmöglichkeit ist. Schreib die Sätze so, dass die Leser kaum anders können, als ihn mit der passenden Betonung zu lesen. Sätze setzt man meines Erachtens nur kursiv, wenn es sich um Gedanken der Figur handelt.

Es gibt sicher noch anderen Hilfsmittel, die von Autorinnen und Autoren benutzt werden, um besondere Betonungen zu erzeugen. Doch jede dieser Methoden zeigt nur eines ganz deutlich: Die Autorin und der Autor trauen ihrem Text nicht.
Also, vertrau deinem Text und verzichte auf derartige Methoden.

Hast du noch andere Methoden entdeckt, wie versucht wird, Betonungen zu verdeutlichen? Berichte davon in einem Kommentar. Ich bin gespannt, was es noch so alles gibt.