Vergiss die Hochzeitsschuhe...!

Vergiss die Hochzeitsschuhe...!Irgendwann gab es eine Zeit in der Schuhe einzig die Funktion hatten, den Fuß vor Kälte und Schmutz zu schützen. Das war vor 5.500 Jahren – so alt ist das älteste Paar Lederschuhe, das vor kurzem irgendwo in Armenien ausgegraben wurde. Seit 5.500 Jahren entwickeln sich Schuhe also zum Statussymbol und das ist schmerzhaft. Im 15. Jahrhundert etablierte sich in Spanien die Chopine, ein Damenschuh mit zehn Zentimeter hohen Absätzen. Allerdings weniger um die Fesseln zu betonen, sondern um dem Matsch auf der Straße zu entgehen. Im ständig überschwemmten Venedig gab es Schuhe mit 70 Zentimeter hoher Plateausohle. Damit man mit diesen Dingern überhaupt gehen konnte, brauchte man Bedienstete, was wiederum ein Indikator für Reichtum war und bis heute so blieb. Je höher die Absätze desto teurer das Schuhwerk.
Wo Komfort beginnt, hört Mode auf. Mode ist nach außen gerichtet, man zieht sich für die anderen an. Das Bequeme zieht man hingegen nur und ausschließlich für sich selbst an. Die 14 Zentimeter Absätze und das enge Kleid, in dem man sich nur in Trippelschritten fortbewegen kann, sind nicht für einen gemütlichen Fernsehabend mit Kuscheldecke, Schokolade und einem Glas Kakao auf der Couch gedacht.
Man kann davon ausgehen, dass Menschen sich aus repräsentativen Gründen den modischen Vorgaben unterwerfen. Sitzt sie im Schlabberpullover vor dem Fernseher, dann ist sie allein und gönnt sich Bequemlichkeit und High Heels bedeutet Repräsentieren - egal ob Business oder Braut.
Eine Hochzeit ist wahrscheinlich die Pariser Fashionshow des Repräsentierens – vor allem für Gäste. Die Braut ist aus dem Schneider. Der Bräutigam auch. Er Schwarz, sie weiß – wenn sie etwas anderes machen: selber Schuld. Aber wir Gäste bekommen bei jeder Hochzeitseinladung eine bekleidungstechnische Panikattacke: „Was zieh ich an?“
Kleider werden Wochen vorher ausgesucht, selektiert und abgesprochen, Make-up geplant und vergessene Anzüge aus der Reinigung geholt. Wer in bequemen Kleidern auf eine Hochzeit kommt, tut dies entweder demonstrativ oder aus Ignoranz. Letzteres kann man ruhig als österreichische Spezialität bezeichnen.
Etwa der Auftritt in Trecking-Sandalen und Fleecepulli. Trekkingsandalen zählen tatsächlich zu den meistverkauften Schuhen in Österreich. Ein Zwitter zwischen Halbschuh und Sandale, bequem, atmungsaktiv und für Hochzeiten absolut ungeeignet. Auch wenn bei Christopher Kane, Miu Miu und der Resort-Kollektion von Prada diese Ausgeburten der Hässlichkeit angesagt sind, so berechtigen sie damit nicht zum Besuch einer Hochzeit, auch wenn es gemütlich ist.
Barfuss am Strand ist die einzig gesellschaftlich anerkannte Form um fuß-schmeichelnd zu einer Ehelichung zu treten, Trekkingsandalen nie. Wir müssen uns damit abfinden: schöne Schuhe bleiben unbequem. Gerade auf Hochzeiten ist der Gast genötigt, sein Schuhwerk stundenlang am Körper behalten zu müssen. Schuhe ausziehen und Füße massieren, wird leider weder in der Kirche, noch bei Agape oder Tafel als „völlig normal“ bezeichnet. Deshalb ist das wichtigste Bekleidungsstück des Tages: bequeme Schuhe. Nachdem man „die schönen Schuhe“ zumeist das ganze Jahr im Schrank stehen hat und nur zu Taufen, Hochzeiten und Firmenweihnachtsfeiern herausholt, vergisst man das Leid, welches dieses Paar Schuhe einem jedesmal angetan hat. Aber wenn man in der Kirche steht, ist es zu spät, um über die Bequemlichkeit von Schuhen nachzudenken und wie man aus schmerzenden Schuhen nicht schmerzende macht. Es gibt viele Anleitungen und Hausmittel zur Schuhdehnung, wir testeten für euch:
„Pinkle in den Schuh, das haben wir damals beim Bund auch gemacht und hatten nie Blasen an den Füssen, weil....“
Ich will es eigentlich gar nicht so genau wissen. Der (einzige) Vorteil ist, dass man genau weiß woher der beißende Geruch an diesem heißen Sommertag kommt.
Fazit: Ekelig – sowohl der Anblick des Schuhbepinkelns, als auch das Tragen.
„Schütte ein ¼ Glas Schnaps in den Schuh.“
Nach dem Schütten gleich den Fuß für zwei Stunden nachstecken oder leere den Schnaps in dich. Wenn du genug davon trinkst, gehen die Schmerzen vielleicht auch weg. In der Testreihe konnte für beide Thesen keine Bestätigung gefunden werden – zumindest kann sich niemand daran erinnern. Dass es funktioniert haben dürfte, zeigt, dass die Schuhe seit diesem Testabend wunderbar passen. Welcher der beiden Wege der richtige war, konnte leider nicht mehr nachvollzogen werden. Wir bitten um Entschuldigung.
„Blasenpflaser“
Klingt gut, ist es aber nur selten. Blasenpflaster eignen sich manchmal bei High Heels mit Riemchen und nur bedingt für alle anderen Schuhprobleme. Wenn der Schuh ohnehin schon zu eng ist, weshalb klebt man noch eine Schicht zwischen Fuß und Leder? Zwar ist es anfangs eine Erleichterung, doch spätestens nach drei Stunden hat sich das Pflaster vom Fuß gewuzelt und die Reiberei beginnt von vorne. Blasenpflaster eignen sich aber großartig bei Nähten oder bei reibenden Innenfutter.
Erkenntnis: Blasenpflaster die in einer Socke kleben bleiben, sind schwer abzubekommen.
„Stopf' ein feuchtes Geschirrtuch in den Schuh“
Kann man, muss man aber nicht. Dass Nässe nicht das beste Pflegemittel für Leder ist, dürfte sich bis ins 21. Jahrhundert durchgesprochen haben. Es funktioniert zwar, aber achten sie darauf, dass der Schuh langsam trocknet oder kurz nach dem befeuchten den Schuh für 2 Stunden am Fuß trockenen lassen. Direkte Sonne, Heizkörper oder Fön zum Trocknen sind zu vermeiden.
„Trag die Schuhe mit alten Socken zu Hause ein“
Funktioniert, wenngleich es länger dauert als andere Möglichkeiten der Schuhstreckung. Abends beim Fernsehen mit getragenen dicken Socken und neuen Schuhen sitzen, sieht zwar seltsam aus, hilft aber. Ganz gewiefte befeuchten die Socken noch und lassen sie am Fuß im Schuh trocknen.
„Dehnungsspray“
Der Nachteil des Sprays ist, dass er nur (echtes) Leder dehnt und nicht die Nähte oder das Futter. Wenn sie Dehnungsspray verwenden, vergessen sie nicht auf die Schuhstrecker. In manchen Fällen ist es vorgekommen, dass der Spray außen auf das Leder aufgetragen wurde – das ist falsch. Spray wird IN den Schuh und nicht AUF den Schuh gesprayt. Dann gleich tragen oder Schuhspanner.

„Schuster“

Der meist grantig-sympathische Herr mit der Lederschütze, in dem Laden der immer wie nach einer Bestätigung der Chaostheorie aussieht, ist der wahre Fachmann für ihre Schuhe. Legen sie voll Vertrauen ihre Hochzeitsschuhe auf den Tresen, zeigen sie ihm die drückenden Stellen und ein paar Tage später bekommen sie neue bequeme Wohlfühlschuhe – ganz ohne Stress.
Das alles gilt natürlich nur, wenn ihr nicht am Strand oder auf einer Sommerwiese heiratet, denn dort herrscht absolutes Schuhverbot!
Nichts fühlt sich angenehmer an als frisch gemähtes Gras zwischen den Zehen.
Bild: Uwe Wagschal/pixelio.de
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