Vergebung ist der einzige Weg, Menschen durch Liebe zu verändern!

Vergebung ist der einzige Weg, Menschen durch Liebe zu verändern!
Ihr Lieben,

heute Nachmittag möchte ich Euch eine Geschichte von George Ritchi erzählen:

„Die Vergebung“

Diese Geschichte handelt von Wild Bill Cody. Das war nicht ein eigentlicher Name.

Sein wirklicher Name hatte sieben unaussprechliche polnische Silben, aber er hatte einen lang herunterhängenden Lenkstangenbart, wie man ihn auf Bildern der alten Westernhelden sah, sodass die amerikanischen Soldaten ihn Wild Bill nannten.
Er war einer der Insassen des Konzentrationslagers, das wir befreiten, aber offensichtlich war er noch nicht lange dort gewesen: Seine Gestalt war aufrecht, seine Augen waren hell, seine Energie war unermüdlich.

Vergebung ist der einzige Weg, Menschen durch Liebe zu verändern!

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Da er sowohl Englisch, Französisch, Deutsch und Russisch als auch Polnisch fließend sprach, wurde er eine Art inoffizieller Lagerübersetzer. Wir kamen zu ihm mit allen möglichen Problemen; der Papierkram alleine hielt uns oft auf bei dem Versuch, Leute zu finden, deren Familien, ja sogar ganze Heimatorte möglicherweise verschwunden waren.
Aber obwohl Wild Bill 15 oder 16 Stunden täglich arbeitete, zeigten sich bei ihm keine Anzeichen von Ermüdung. Während wir übrigen uns vor Müdigkeit hängen ließen, schien er an Kraft zu gewinnen.
Wir haben Zeit für diesen Kameraden“, sagte er. „Er hat den ganzen Tag auf uns gewartet“.
Sein Mitgefühl für seine gefangenen Kameraden strahlte aus seinem Gesicht und zu diesem Glanz kam ich, wenn mich der Mut verlassen wollte.
Ich war darum sehr erstaunt, als ich die Papiere von Wild Bill eines Tages vor mir liegen hatte, dass er bereits seit 1939 im KZ gewesen war! Sechs Jahre lang hatte er von derselben Hungerstoddiät gelebt und wie jeder andere in derselben schlecht gelüfteten und von Krankheiten heimgesuchten Baracke geschlafen, dennoch ohne die geringste körperliche oder geistige Verschlechterung.

Noch erstaunlicher war, dass jede Gruppe im Camp ihn als einen Freund betrachtete.

Er war derjenige, dem Streitigkeiten vorgelegt wurden. Erst nachdem ich wochenlang dort gewesen war, erkannte ich, welch eine Rarität dies in einem Gelände war, wo die verschiedensten Nationalitäten von Gefangenen einander fast so sehr hassten, wie sie die Deutschen hassten.

Was die Deutschen betraf, stiegen die Gefühle gegen sie in einigen der Lager, die etwas früher befreit worden waren, so hoch, dass frühere Gefangene sich Gewehre geschnappt hatten, in das nächste Dorf gerannt waren und einfach den ersten Deutschen, den sie sahen, erschossen hatten.

Wir hatten Anweisung, solche Zwischenfälle zu verhindern, und wieder war Wild Bill unser größter Aktivposten, wenn er mit den verschiedensten Gruppen vernünftig redete und ihnen riet, Vergebung zu üben.

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“Es ist nicht leicht für sie, zu vergeben“, erklärte ich ihm eines Tages, als wir im Zentrum für alle Abwicklungen mit unseren Teebechern beieinander saßen. „Viele von Ihnen haben ihre Familienangehörigen verloren.“
Wild Bill lehnte sich in dem geraden Stuhl zurück und schlürfte sein Getränk.
„Wir lebten im jüdischen Sektor von Warschau“ fing er langsam an. Es waren die ersten Worte, mit denen er mir gegenüber von sich selbst sprach. „Meine Frau, unsere zwei Töchter und unsere drei kleinen Jungen.

Als die Deutschen unsere Straße erreichten, stellten sie alle an die Mauer und eröffneten mit Maschinengewehren das Feuer. Ich bettelte, dass sie mir erlauben würden, mit meiner Familie zu sterben, aber da ich Deutsch sprach, steckten sie mich in eine Arbeitsgruppe.“


Er unterbrach seinen Bericht, vielleicht weil er wieder seine Frau und seine fünf Kinder vor sich sah. „Ich musste mich dann entscheiden“, fuhr er fort, „ob ich mich dem Hass den Soldaten gegenüber hingeben wollte, die das getan hatten.


Es war eine leichte Entscheidung, wirklich. Ich war Rechtsanwalt. In meiner Praxis hatte ich zu oft gesehen, was der Hass im Sinn und an den Körpern der Menschen auszurichten vermochte. Der Hass hatte gerade sechs Personen getötet, die mir das Beste auf der Welt bedeuteten.


Ich entschied mich dafür, den Rest meines Lebens - ob nur wenige Tage oder viele Jahre - jede Person, mit der ich zusammenkam, zu lieben.


Es ist typisch für das Ego, dass es Partei ergreift: Immer gibt es die „Guten“ und die „Bösen“.
Wild Bill ergriff nie Partei. Es spielte für ihn keine Rolle, ob die Menschen, denen er half, sogenannte „Opfer“ oder „Täter“ waren. Sie waren alle unglücklich und baten bewusst oder unbewusst um Liebe, und die gab er.

Es wird aus der Geschichte deutlich, dass Wild Bill sich nicht zu einer Kategorie zählte und das erlaubte es ihm, unter den schwierigsten Umständen seinen inneren Frieden zu bewahren.


Es erlaubte ihm auch, seine Energiequelle in sich anzuzapfen, die ihm half, das Lager zu überleben, und zwar so, dass er viel mehr Energie hatte als die wohlgenährten Ärzte, die den Lagerinsassen zu Hilfe kamen.


Alle Geschehnisse in unserem Leben sind neutral und wir selbst wählen unsere Reaktion darauf. Die Welt als neutral anzusehen, heißt nicht, dass wir es gutheißen, wenn andere leiden und sterben müssen. Es erinnert uns aber daran, dass wir dennoch wählen können, wie wir auf Situationen reagieren wollen, in denen wir uns befinden.


Wild Bill war ein außergewöhnlicher Mensch, der in einer außergewöhnlichen Situation die Vergebung als seinen Weg gewählt hatte.“


Ihr Lieben,

vor Menschen wie Wild Bill habe ich tiefe Hochachtung und vor ihnen ziehe ich symbolisch meinen Hut. Was haben diese Menschen durchlitten! Nichts wäre verständlich, als wenn Menschen wie Wild Bill nach Rache schreien würden! Ja, fast möchte man solchen Menschen zurufen: „Räche Dich, lass Dir das erlittene Unrecht nicht gefallen!


Ein ganz klein wenig kann ich mich in Wild Bill hineinversetzen:
Ich wurde in meiner Kindheit zuhause und in der Schule misshandelt, gequält, gefoltert, missbraucht und in mir schrie oft meine verletzte und gemarterte Seele nach Rache.

Manchmal, wenn ich missbraucht oder gefoltert wurde, schrie ich innerlich vor Schmerzen um Hilfe und hoffte sehnlichst, ein Engel mit einem flammenden Schwert möge vom Himmel herabsteigen und die Täter bestrafen. Aber nichts geschah!


In einem kleinen Büchlein, das mir meine Oma schenkte, las ich einen bemerkenswerten Satz aus der Bibel:
„Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde; segnet, die euch fluchen; tut wohl denen, die euch hassen; bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen.“


Zuerst habe ich den Satz nicht verstanden, aber je länger ich darüber nachdachte, desto mehr begriff ich, dass er tatsächlich die einzige Lösung darstellt, um das Böse zu besiegen und selber glücklich zu werden.


Denn zwei Dinge sind gewiss:


Wenn ich auf Rache sinne und dem Täter Vorhaltungen mache und ihn beschimpfe, dann kann ich vielleicht erreichen, dass er bestraft wird, aber sein Herz werde ich nicht berühren und mein „Bruder“ wird er auch nicht werden.


Wenn ich auf Rache sinne, dann, und das übersehen die meisten Menschen, vergifte ich mein eigenes Leben. Denn das Gift des Hasses schadet nicht nur dem Menschen, den wir hassen, sondern es hinterlässt vor allem in unserem Leben tiefe Spuren der Trauer, der Depression, der Freudlosigkeit.


Daher ist es wichtig, wie Wild Bill zu erkennen, dass der einzige Weg, um einen anderen Menschen zu ändern, um die Täter zu ändern, nicht der Weg des Hasses ist, sondern der Weg der Vergebung.


Ich gebe seit vielen Jahren konsequent den Weg der Vergebung und ich habe niemals bereut, diesen Weg eingeschlagen zu haben.

   Wenn man erlebt, wie Täter, die einem Schlimmstes angetan haben, zu „Brüdern“ werden, zu Menschen, die heute auch gegen die Anwendung von Gewalt kämpfen, dann macht das unendlich glücklich, das ist eine ganz wunderbare Erfahrung.

In den Jahren, die mir noch bleiben, möchte ich die Menschen vorbehalt-los lieben und Freude in ihr Leben bringen, das macht die Menschen und mich selbst glücklich.


Eines möchte ich aber auch sehr deutlich sagen:


Wenn wir den Weg der Vergebung gehen, haben wir keine Gewähr, dass die Täter unsere Vergebung auch annehmen. Ich kenne aus meiner Kindheit und Jugend zwei Täter, die heute noch der Meinung sind: „Das Einzige, was schade ist, ist, dass wir Dir nicht noch Schlimmeres angetan haben!


Das ist auch der große Unterschied zwischen der Vergebung und der Versöhnung:


Wenn wir den Weg der Vergebung gehen, dann haben wir keine Gewähr, dass unser Angebot der Vergebung angenommen wird. Aber durch die Vergebung kommt unsere eigene Seele zur Ruhe, sie findet ihren Frieden, sie ruht in sich selbst und wird nicht vom Gift der Rache zerfressen.


Der Weg der Vergebung bietet aber die große Chance der Versöhnung:


Versöhnung geschieht immer dann, wenn wir jemandem vergeben und dieser die Vergebung annimmt. Versöhnung ist etwas ganz Wundervolles!

Vergebung ist der einzige Weg, Menschen durch Liebe zu verändern!Aus meiner Kindheit und Jugend kenne ich einen Täter, der mich immer wieder auf das Gemeinste gequält, gedemütigt und geschlagen hat und heute sind wir sehr gute Freunde. Das löst ein Glücksgefühl aus, das man kaum beschreiben kann.

Ihr Lieben,


ich möchte Euch herzlich ermutigen, auch den Weg der Vergebung zu gehen und auch das Wunder der Versöhnung zu erleben.


Seid ganz herzlich aus dem schönen Bremen vom Weserstrand gegrüßt


Euer fröhlicher Werner

Vergebung ist der einzige Weg, Menschen durch Liebe zu verändern!

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