Vereinbarkeit

Erstellt am 22. Juli 2014 von Suse

Gerade habe ich den Gender Datenreport des Bundesministerium für Familie & co gelesen.

Besonders hat mich hier natürlich das Kapitel fünf zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf interessiert.
Das Thema ist hier in Bayern heute im Kabinett diskutiert worden. Auch im konservativsten Bundesland Bayern ist es also angekommen: Man muß Möglichkeiten schaffen, die Arbeitswelt familienfreundlicher zu gestalten.
Ach ja? Ist man gedanklich schon so weit in der Politik?

Noch tippt die kleinste Zwergin mit. Ab September hat sie einen Platz in unserem Wunschkindergarten.

Die berufliche Ausgangslage.

Ich kann bei diesem Thema nur von mir ausgehen. Vereinbarkeit bedeutet meines Erachtens für jeden etwas anderes. Ich bin gut ausgebildet und seit dem Studienabschluß habe ich mich ständig weitergebildet und Zusatzqualifikationen erworben. Da ich das studiert habe, was mir Spaß macht statt ein Fach, das gute Berufsaussichten und Karrierechancen bietet, war mir immer klar, daß ich mir eine Nische suchen muß.

Direkt nach dem Studium bekam ich nur ein Praktikum bei einem großen Versandhaus in der Unternehmenskommunikation. Man kann mir vorwerfen, ich hätte auch eine Stelle in einer anderen Stadt annehmen können. Habe ich nicht, da ich schwanger keine Fernbeziehung wollte.
Fünf Monate nach der Geburt der großen Zwergin habe ich für die alte Firma als Freelancer weitergearbeitet. Das Baby erwies sich als sehr pflegeleicht, so konnte ich tagsüber etwas und in der Nacht etwas mehr arbeiten.
Dann bot sich zusätzlich eine befristete Stelle an der Uni mit der Vereinbarung, die Zeit außerhalb der Unterrichtszeiten im Homeoffice arbeiten zu können.
Nur dumm, daß sich die zweite Zwergin anmeldete und ich unterbrechen mußte. Aus Loyalität habe ich meine Elternzeit in Vollzeit nach einem halben Jahr -pünktlich zu Semesterbeginn- beendet und wieder weitergearbeitet. Diesmal mit geänderten Bedingungen: Ab sofort mußte ich immer vor Ort sein. Schließlich gäbe es ja StudentInnen, die persönlich mit mir sprechen wollten. Eventuell. Faktisch kam kein einziger je persönlich vorbei. Entweder sie haben die Fragen nach den Seminaren geklärt oder den einfachen Weg, die E-mail gewählt. Ich habe dann darauf verzichtet mein halbes Jahr Elternzeit an den Vertrag hinten anhängen zu lassen, was im öffentlichen Dienst möglich ist. Aus Gründen.
Nach mehreren Honorarverträgen mit viel Fahrerei, wenig Geld und noch weniger Anerkennung.

Und die Kinder?

Seitdem habe ich -mit Kind auf dem Schoß- als Freiberuflerin gearbeitet. Mit wenig Geldfluß. Aber der Überzeugung am Ball zu bleiben. Etwas für mich und meinen beruflichen Lebensweg zu tun. Die beiden großen Zwerginnen hatten für ein paar Stunden pro Woche eine sehr liebe Tagesmutter, die heute noch im Betreuungsnotfall einspringt.
Die Jüngste hat durch verschiedene Umstände erst mit dreieinhalb einen Kindergartenplatz und ist bis auf wenige Stunden immer bei mir.
Ich habe es nie als belastend oder langweilig empfunden meine Kinder bis zum Kindergarten fast ausschließlich selbst zu betreuen. Im Hinterkopf war immer die Überzeugung, daß ich so meinen Kindern ein gutes Fundament mitgeben kann.
Aber ich habe auch immer gespürt, daß ich etwas “tun” muß, wenn ich mich nicht in zwanzig Jahren verbittert sagen hören möchte “Ich war NUR Mutter”. Ich denke immer an die Zeit, wenn die Zwerginnen in ein Alter kommen, in dem sie keinen gesteigerten Wert mehr auf hübsch dekorierte Brotboxen oder etwas liebevoll zubereitetes #zuMittag legen. Oder kein Taxi mehr brauchen, weil sie mit dem Rad oder den Öffentlichen überallhin gelangen.
Nicht erst dann möchte ich eine Aufgabe haben, die mich ausfüllt.

Wie sieht meine Arbeitswelt aktuell aus?

Meine Vorstellung von einem Job, der auch mit Kindern funktioniert kann ich nur ein bißchen ausleben.
Als Freiberufler geht das für mich im Moment am besten. Ich habe einen Auftraggeber gefunden, der flexibel auf meine Verfügbarkeit eingeht.- Eingehen kann. Beim Vorstellungsgespräch bin ich mit der Tür ins Haus gefallen und habe gleich gesagt daß ich nur montags von acht bis halb eins im Büro sein kann. Oder meine Jüngste mitbringen muß (was nur im allergrößten Notfall eine Option wäre). Den Rest kann ich vom Homeoffice aus erledigen.
Für diese Flexibilität bin ich auch bereit am Ende des Monats weniger auf dem Konto zu haben.

Die Alternative wäre kein Job.
Ab September habe ich bezüglich der Jüngsten mehr Spielraum. Dafür kann es passieren, daß die mittlere Zwergin mehrmals die Woche um 11.15h Schulschluß hat. Und ich möchte dann zu Hause sein. Die Erste sein, die von Freud und Leid aus dem Schulalltag erfährt. Gerne hätte ich eine Hausaufgabenbetreuung bis 13 Uhr. Ist aber hier nicht möglich.
Vielleicht können die Zwerginnen und ich die Vereinbarung treffen, daß sie Hausaufgaben machen und ich währenddessen meine Aufgaben für mein Studium erledige.

Die ideale Arbeitswelt

Für mich ist es völlig in Ordnung meinen beruflichen Weg um das Familienleben herumzugrupieren. Vielleicht habe ich auch schon resigniert
Ich finde es sehr befremdlich, daß es so wenig Firmen gibt, die in Müttern nicht nur ständig wegen den Kindern fehlende Mitarbeiter sehen, sondern auch Potential erkennen. Ich habe viele Absagen bekommen, weil man es mir nicht zutraut neben den Kindern auch noch zuverlässig einer Arbeit nachzugehen.
Ganz ehrlich? Vor den Zwerginnen hätte ich mir auch nicht zugetraut ein solches Tagespensum zu schaffen. Aber man wächst mit seinen Aufgaben.
Und diese intensive Betreuungsphase dauert bei mir vielleicht noch sieben Jahre. Absehbar also.

  • Wir brauchen mehr mutige Chefs, die flexibel genug sind Mütter einzustellen, sie bekommen im Gegenzug motivierte Mitarbeiterinnen, die ihre Arbeitszeit oft äußerst effektiv zu nutzen wissen
  • Wir brauchen adäquate Kinderbetreuung. Keine Aufbewahrung! Was nützt es, wenn ich weiß, mein Kind ist aufbewahrt? Ich möchte mein Kind aufgehoben wissen. Und zwar nicht nur bis zur Grundschule.
  • Und wir brauchen ein Umdenken, was die Arbeitskultur betrifft. Warum gillt in den meisten Firmen immer noch, der der am längsten auf seinem Stuhl sitzt ist am fleißigsten? Ergebniskultur statt Anwesenheitskultur!

Unser lieber Herr Seehofer sagt so schön “Es kann keine blühende Gesellschaft ohne Familien geben” und will mit dem sogenannten “Familienpakt” den ganzen Freistaat familienfreundlicher machen. Das Motto von Staatsregierung und Wirtschaft lautet:
Mehr Angebote zur Kinderbetreuung, mehr Ganztagsschulen, mehr Teilzeit-Lösungen und weniger Stress für berufstätige Eltern [Quelle: BR].
Lieber Herr Seehofer. Ich frage mich, wie das umgesetzt werden soll und bin sehr gespannt auf den neun Pakt. Ob er wohl noch meine Familie und mich tangiert bevor die Zwerginnen selbständig genug sind?

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