Verdacht: Bakterienhemmer Triclosan fördert Keimwachstum in der Nasenschleimhaut

Ursprünglich als Bestandteil medizinischer Seifen entwickelt, wird die Chemiekeule Triclosan heute in vielen Zahncremes, Seifen oder Deos eingesetzt – häufig mit dem Zusatz „antibakteriell“ versehen. Triclosan soll verhindern, dass Bakterien sich ausbreiten und scheint das Gegenteil zu bewirken: Die Online-Ausgabe der WELT vom 8.April 2014 beruft sich auf eine neue US-Studie, der zufolge das als Konservierungsmittel eingesetzte Triclosan das Wachstum des Bakteriums Staphylococcus aureus in der Nasenschleimhaut begünstigt.

Staphylococcus aureus meistens harmlos

Das Bakterium Staphylococcus aureus siedelt bei bis zu 30 Prozent der Menschen auf der Haut oder in den Schleimhäuten der oberen Atemwege. Das stellt an sich erst mal kein Problem dar, da es oft keine Symptome verursacht. Gefährlich wird es dann, wenn das Bakterium etwa durch ein geschwächtes Immunsystem angeregt wird, sich auszubreiten. Es kann dann Hautentzündungen oder Muskelerkrankungen hervorrufen. Besonders dramatisch wird es, wenn das Bakterium Resistenzen gegen Antibiotika entwickelt, da es dann nur schwer in den Griff zu bekommen ist.

Aktuelle US-Studie zur Nasenschleimhaut

Wissenschaftler der University of Michigan wiesen nach, dass Triclosan sehr häufig im Nasensekret der Menschen enthalten ist: bei 37 von 90 gesunden Probanden war es in nachweisbaren Dosen vorhanden. Bei gut zwei Dritteln der Probanden mit vergleichsweise hohen Triclosan-Werten war die Nasenschleimhaut mit Staphylococcus aureus besiedelt, bei den Teilnehmern ohne Triclosan im Sekret waren es nur etwa halb so viele. Bedacht werden muss an dieser Stelle, dass die Zahl der Probanden relativ klein war. Eine größere Testreihe ist erforderlich.

Koreanische Studie: Triclosan und Brustkrebs

Aber das ist noch nicht alles, Triclosan kann noch mehr: Eine kürzlich veröffentlichte Studie aus Korea besagt, dass Triclosan die Entwicklung von Brustkrebs begünstigen kann.
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Übrigens: Triclosan unterscheidet bei der Vernichtung von Bakterien nicht zwischen “Gut” und “Böse”: Wer zum Beispiel triclosanhaltige Zahnpasta schluckt, kann auf Dauer damit seine Darmflora schädigen.

Naturkosmetik: Hygienisch und gesundheitlich unbedenklich konserviert

Im privaten, häuslichen Bereich braucht keiner hoch dosierte, chemische Desinfektionsmittel und antibakterielle Kosmetika. Einfache Seifen, Zahncremes oder Deos ohne antibakterielle Zusätze sind für die tägliche Hygiene vollkommen ausreichend. Die Naturkosmetik beweist, dass es andere Wege gibt, Kosmetika zu konservieren. So kommt in der Naturkosmetik oft Alkohol, zum Beispiel in Form von Weingeist zum Einsatz. Auch der Verzicht oder die Reduktion von Wasser im Produkt hilft, das Produkt haltbar zu machen. Je mehr Wasser ein Produkt enthält, desto besser muss es konserviert sein. Eine wichtige Rolle für das Vermeiden von Bakterienwachstum in Kosmetika spielt zudem die Verpackung: Eine Tube ist zuweilen sicherer als ein Tiegel, ein Deo-Spray sicherer als ein Roll-Deo. Gerade Naturkosmetik sollte trocken und kühl gelagert sein, damit sie länger hält.

Triclosan-Verzicht ist einfach

Wer auf Produkte mit Triclosan verzichten möchte, entscheidet sich entweder für ein Naturkosmetikprodukt oder prüft die Inhaltsliste seines Kosmetikproduktes genau – erst recht, wenn der Zusatz „antibakteriell“ irgendwo auftaucht. Triclosan muss deklariert werden und so kann man es eigentlich nicht übersehen.

Im März diesen Jahres hat die EU ein Triclosanverbot beschlossen, leider scheint dieses Kosmetikprodukte auszuschließen. Das Verbot bezieht sich auf Triclosan in Textilien, Leder, Gummi, Farben und Thermoplasten. Die EU-Kommission muss dem Verbot allerdings noch zustimmen.

Eine Liste mit Kosmetika, die Triclosan enthalten, wurde von Greenpeace veröffentlicht:

Liste Greenpeace

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