Verantwortung für die eigenen Gefühle

Geht es Ihnen auch so: Sie erleben ein Gefühl wie Ärger, Wut, Verzweiflung, Ohnmacht, Traurigkeit und sofort gibt es einen Grund, der geradezu auf der Hand liegt, warum dieses Gefühl entsteht. Meistens ist es die Handlung einer anderen Person, oder es sind die Umstände, in denen Sie sich befinden und wenn alles nichts hilft, dann ist es auch mal das Wetter. Sie wissen sofort wer oder was Schuld ist, wenn es Ihnen schlecht geht und können meist mit dem Finger auf jemanden oder auch etwas zeigen. Kennen Sie das nicht auch aus Ihrem täglichen Leben?

In den letzten Artikeln habe ich immer wieder angedeutet, dass diese Sicht nicht ganz der Realität entspricht. Eine von uns jedoch häufig genutzte, vereinfachte Sichtweise die nur wenig mit dem zu tun hat, was wirklich in uns passiert.

Eine kleine Beispielsituation: Sie kommen nach Hause und hören schon von weitem wie Ihre Kinder laut im Wohnzimmer spielen. Sie sehen wie die Spielzeuge überall herumliegen und gerade als Sie durch die Tür hineintreten, kommt ihnen ein Ball entgegen und trifft Sie am Kopf.

Wie ergeht es Ihnen, wenn Sie diese Zeilen lesen? Welche Gefühle kommen jetzt in Ihnen auf? Glauben Sie, dass Sie auf diese Situation immer gleich reagieren? Nein, eher nicht, oder? Unsere Reaktion ist abhängig davon, wie wir uns fühlen, ob der Arbeitsalltag stressig war, uns die Autofahrer auf dem Weg nach Hause schon genervt haben, oder ob wir heute ein tolles Erfolgserlebnis hatten und voller Zufriedenheit und glücklich zu Hause ankommen. Klar ist es nicht schön, wenn uns der Ball am Kopf trifft, aber wie würden Sie heute darauf reagieren?

Um den Vorgang besser zu verstehen, können wir zwei Aspekte voneinander trennen:

  1. Der Auslöser
  2. Ihre Reaktion, d.h. die Gefühle, die bei Ihnen entstehen

Der Auslöser ist jede Art von Handlung, mit der Sie konfrontiert werden oder eine Situation, in die Sie sich begeben. Beides wirkt auf Sie ein und veranlasst Sie nun zum zweiten Schritt – einer Reaktion. Die erste Reaktion ist, Sie geben der Handlung eine gewisse Bedeutung. Diese Bedeutung kann sehr vielfältig sein, wie wir am o.g. Beispiel gesehen haben. Wir sind hier unglaublich individuell und haben die Gabe ein und derselben Handlung eine sehr unterschiedliche Bedeutung zu schenken. Sehen wir den Ball am Kopf vielleicht als etwas misslungene aber gut gemeinte Einladung zum Spielen und lachen die Kinder an oder schimpfen wir mit ihnen und schicken Sie auf Ihre Zimmer. Würden wir in gleicher Weise reagieren, wenn der Ball nicht von Ihren Kindern, sondern von einem Freund oder dem Partner, oder sogar – nur als Gedankenspiel – von Ihrem Chef geworfen wird? Sehen Sie, dass es sehr wohl möglich ist, auf ein und denselben Auslöser unterschiedlich zu reagieren?

Lassen Sie uns beim Beispiel bleiben: Keine der beiden Reaktionen gegenüber den Kindern möchte ich als gut oder schlecht darstellen. Ich möchte Sie dazu einladen, dass Sie Ihren Handlungsspielraum erkennen. Und damit auch für ihre eigene Reaktion die Verantwortung übernehmen. Eine Aussage wie: “Die Kinder machen mich richtig wütend” wäre dann genau das Gegenteil davon. In diesem Fall würden Sie die Verantwortung für Ihre Reaktion auf Ihre Kinder abwälzen. Denn es ist und bleibt Ihre eigene Bewertung der Situation und Ihre eigene Reaktion auf den Auslöser. Aber was wäre dann die Würdigung der eigenen Verantwortung von Gefühlen?

Wenn Sie sich entscheiden ärgerlich zu reagieren, was würden Sie dann benötigen? Möglicherweise etwas Ruhe? Zeit für sich zum abschalten? Anerkennung für einen stressigen Arbeitsalltag? Wenn Sie sich dazu entscheiden mit den Kindern zu spielen, was wäre es dann? Etwas Spaß und Vergnügen? Gemeinsame Zeit und Austausch? Ausgelassenheit?

Sie sehen, das sind durchweg, alles anerkennenswerte Motive. Und es ist wichtig, dass sie diesen Motiven – ich würde Sie auch gerne Bedürfnisse nennen den Raum geben, den sie benötigen. Nur bleibt aber die Frage, wie? Das wird dann wohl das Thema für einen weiteren Artikel.

Da wir uns hier mit dem Thema der Achtsamkeit beschäftigen, möchte ich Sie erst einmal dazu einladen wachsam zu werden. Sich ein Bewusstsein anzueignen, für das was gerade in Ihnen vorgeht. Welche Gefühle entstehen und warum. Nicht um diese zu verändern, sondern um diese zu erkennen und bewusster darauf reagieren zu können.

Bitte meinen Sie nicht, Sie müssten ab sofort in jeder Situation alle entstehenden Gefühle und die dahinter liegenden Motive oder Bedürfnisse erkennen. Es reichen kleine Schritte. Sobald Sie erkennen, dass Ihre Gefühle durch ihre eigenen innere Bewertungen und Bedürfnisse entstehen und der Gegenüber nur einen Impuls sendet auf den Sie reagieren, haben Sie schon den ersten und wichtigsten Schritt gemacht. Nehmen Sie sich die Zeit.

Um Missverständnisse zu vermeiden: Auch der Handelnde hat eine Verantwortung. Er kann zwar auf der einen Seite nur wenig oder überhaupt nichts über Ihre mögliche Reaktion wissen. Anderseits kann er sehr wohl die  Wahrscheinlichkeit für die eine oder andere Reaktion erhöhen oder senken (durch Vorwissen, Erfahrung und durch das Überschreiten oder Einhalten gewisser – gesellschaftlicher – Normen). Aber er kann sich wirklich nie sicher sein, wie sie schlussendlich reagieren werden.

Und nun noch eine kleine Eselsbrücke: Wenn Sie das nächste Mal mit dem Finger auf jemanden zeigen, den Sie für Ihre Gefühle, oder Ihren Gemütszustand verantwortlich machen, dann schauen Sie mal genau auf Ihre Hand, die Sie gerade ausstrecken. Versuchen Sie es jetzt einmal, zeigen Sie mit dem Finger auf etwas. Was sehen sie?

Sie werden feststellen, dass ein Finger in die Richtung zeigt, in der Sie deuten. Allerdings zeigen drei Finger nach hinten, direkt auf Sie.

Möglicherweise hilft Ihnen diese Metapher, um sich an diese Worte zu erinnern … wenn Sie das überhaupt wollen.

Weiterhin eine achtsame Zeit, Ihr Olaf Karwisch


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