Vanille-Schalotten-Ciabatta

Von Bonheurgouteux


 
Es kommen normalerweise mehr Kamele am anderen des Nadelörs heraus als gelungene Brote aus meinem Ofen. Denn wenn das für mich irgendwie schwer durchschaubare Werk getan ist, komme ich meist zerzaust und bemehlt aus der wie von einer wilden Horde norwegischer Trolle verwüsteten Küche und präsentiere extraterrestrisches Gestein mit scharfem Röstgeruch. Schuld daran ist nicht zuletzt mein Gasofen, also nicht an der verwüsteten Küche, das erledige ich schon selbst. Aber er gibt gern so richtig volles Rohr und bringt es selbst bei Stufe 1 auf mindestens 150 °C, an schlechten Tagen noch mehr, und mag die Temperatur weder gut verteilen noch halten. Böser Ofen, außer es gibt statt Brot Kuchen, das klappt seltsamerweise gut. Mein Ofen ist damit so eine Art Marie Antoinette der Haushaltsgeräte-Welt.

Trotzdem muss das mit dem Brot irgendwie mal gelöst werden, nicht gerade jedes Wochenende, aber so hin und wieder mal. Ich kann ja eigentlich auch keine Nudel-Pillen drehen und rösten und habe es vor wenigen Tagen – mit hervorragender virtueller Anleitung – dennoch getan, auch wenn da noch viel üben muss. Das hat mich ermutigt, und so backen mein dysfunktionaler Heißsporn und ich nun Brot, ebenfalls nach ebenso hervorragender Vorgabe. Und wenn ich wieder mehr Zeit habe, werden wir versuchsweise auch mal Blätterteig versuchen (da kursieren gerade die herrlichsten Leckereien), und sehen, was dabei herauskommt.

Das Rezept für den Teig dieses Brots hier hat mir jedenfalls die Kochpoetin Eva übermittelt und ich habe es nur ganz geringfügig abgewandelt. Meine bescheidenen Eigen-Beiträge sind ein bisschen Olivenöl sowie etwas mehr Salz, haufenweise Anfänger-Arbeitsplatten-Mehl und als testweise Würze wieder mal Vanille und gebratene Schalotten. Liebe Eva, vielen Dank für dieses wirklich gelingsichere Rezept! Die Sache mit der Knusperkruste habe ich dank meines schlimmen Ofens noch nicht ganz im Griff, er kann nur unten gut und oben hell oder oben gut und unten ganz schlecht. Aber lauwarm mit Salz-Butter und Honig war das Brot einfach nur lecker.
 


Zutaten

Für zwei mittelgroße Ciabatta:

10 g frische Hefe (ich habe auch schon Trockenhefe probiert, klappt auch)
15 g Meersalz (ich mag es salzig, laut Eva genügen bereits 10)
ca. 1 gehäufter TL gemahlene Vanilleschoten
6 Schalotten
1 gehäufter EL Mehl
2 EL Olivenöl
500 g 550er Mehl, zusätzlich reichlich zum Bearbeiten
325 ml lauwarmes Wasser
25 ml Olivenöl
 

Zubereitung

Schalotten putzen, in Streifen schneiden und in 2 ELOlivenöl anbraten, glasig werden lassen. Mit dem EL Mehl bestreuen und bräteln, bis sie schön braun und etwas knusprig sind. In ein Schüsselchen geben.

Mehl, Vanille und Salz in einer Schüssel mischen. Hefe im Wasser auflösen, Olivenöl zugeben und beides zum Mehl geben. Durchrühren, bis alles miteinander, nun ja, vermatscht ist. In diesem Zustand ist der Teig nämlich noch etwas plörrig, wie man in Norddeutschland sagt, aber das muss so. Die Arbeitsfläche sehr gut einmehlen und den ganzen Schüsselinhalt draufkippen. Hände ebenfalls gut einmehlen und das klebrige Zeug beherzt im Mehl hin und her werfen, bis genug daran hängen geblieben ist, um mit dem Kneten zu beginnen. Mit dieser Methode bleibt leider auch an einem selbst viel Mehl zurück, aber bei meinem derzeitigen Kenntnisstand weiß ich mir noch nicht anders zu helfen. Man knetet den Teig nun also zehn Minuten lang und lässt ihn dabei immer so viel von dem Mehl naschen, dass er nicht irgendwo kleben bleibt. Wenn er noch recht weich ist, die Zwiebeln zufügen und weiter kneten. Ich habe am Anfang gedacht, ja wo bleiben die denn, nachdem ich sie alle auf einmal auf den Teig gegeben, diesen umgeschlagen und weitergewalkt habe. Es hat mindestens zwei Minuten gedauer, bis das erste Fitzelchen an der Teigoberfläche sichtbar wurde.

Der Teig riecht jetzt bereits sehr gut und muss nun 2 Stunden ruhen. 3 machen ihm auch nichts aus. Ich habe ihn dafür auf allen Seiten eingemehlt, ihm in der Schüssel ein Mehlbettchen bereitet, damit er nicht wieder anfängt zu kleben, das Ganze auf die Heizug gestellt (kann man das so machen?) und mit einem feuchten Tuch bedeckt.

Nach den zwei Stunden ist alles schön aufgegangen und man formt zwei Ciabatta. Leider geht ein großer Teil des schönen Geplusters dabei wieder verloren, jedenfalls in meinen ungeübten Händen. Die geformten Brote auf ein mit Backpapier ausgekleidetes Blech setzen und die Nummer mit der Heizung und dem feuchten Handtuch für eine, besser eineinhalb Stunden wiederholen. Und wer sich jetzt fragt, was für umweltschädliche Riesen-Heizungen ich denn habe: Weit gefehlt. Ich klemme das Blech auf der einen Seite an eine Stuhllehne und stelle das andere Ende auf die sehr schmale Heizung. Sieht total beknackt aus, aber der Pluster ist auf diese Weise schön zurückgekehrt – beim Brot mit Zwiebeln ein bisschen weniger als bei dem ohne.

Nun im vorgeheizten Ofen 20-25 Minuten backen bei 225 °C. Fertig. Locker! Lecker! Und die Zwiebel-Vanille-Kombi ist der Hit. Ich habe eins der zwei Brote nur mit Vanille gebacken, war auch gut. Und nur mit Salz ist es auch toll. Oder mit Oliven. Walnüssen. Cranberries. Getrockneten Tomaten. Fällt euch noch was ein?
 

Kategorie : Brunch & Buffet Tags : Brot, Hefe, Italien, rustikal, Vanille-Schoten