V is for Virgin (Kelly Oram)

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Val Jensen wird von ihrem Freund verlassen - weil sie mit dem Sex bis zur Ehe warten will. Als ihre Geschichte über YouTube viral geht, wird sie unter dem Namen Virgin Val landesweit bekannt. Das Chaos scheint perfekt, als schließlich Rockstar Kyle Hamilton vor ihr steht: Der Sänger der Boyband Tralse hat es sich nämlich zum persönlichen Ziel gemacht, sie zu verführen. Womit Kyle allerdings nicht gerechnet hätte: Val bereitet ihm ganz schönes Herzklopfen ... (Zitat Klappentext)

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Meine Meinung

Nachdem mir „Cinder & Ella" von der Autorin so gut gefallen hat, begann ich voller Vorfreude dieses Buch zu lesen. Ich hatte mich schon lange auf die Geschichte gefreut und habe die ersten Kapitel sehr genossen. Der Schreibstil war wie erwartet wundervoll, so dass die Seiten nur so dahin flogen. Allerdings wurde meine Euphorie schnell gedämpft, denn nach den vielversprechenden ersten Kapiteln, in denen ich noch sehr mit der Protagonistin Valerie mitgefühlt habe, fehlten mir die Emotionen.

Die Handlung schritt unaufhaltsam voran, ständig passierte irgendwas, so dass die Geschichte regelrecht stressig wirkte und ich sie nicht richtig genießen konnte. Dadurch ging leider auch die Tiefgründigkeit verloren, die die Geschichte verdient und gebraucht hätte. So blieben die Charaktere alle eher blass und farblos, es wurden ständig neue Personen erwähnt, von denen ich oft gar nicht wusste, wer sie sind und welche Rolle sie spielen. Dadurch konnte ich auch keine Beziehung zu den Figuren aufbauen, konnte mich nicht in sie hineinversetzen und nicht mit ihnen fühlen, was ich mehr als schade finde.

Valerie ist eine starke, junge Frau von 18 Jahren, die ihren Standpunkt, mit dem Sex bis zur Ehe zu warten, vehement vertritt. Ihre Standhaftigkeit in dieser Frage hat mich beeindruckt. Denn wie sie selbst sagte, „[...] wird Jugendlichen zu viel Druck gemacht, sexuell aktiv zu werden." 1 Ich kann ihre Beweggründe bis zu einem gewissen Grad verstehen, hätte mir aber gewünscht, dass sie etwas mehr über den Tellerrand hinausschaut.

Was mir zudem negativ aufgefallen, was aber wahrscheinlich der Kürze des Romans geschuldet ist, ist die Rolle von Valeries Eltern. Val ist gerade mal 18 Jahre alt, als ihre Geschichte viral geht und sie plötzlich im Interesse der Öffentlichkeit steht. Aber auch wenn sie von Paparazzi verfolgt wird, Verträge unterzeichnet und sich mit Anwälten trifft, sind ihre Eltern scheinbar nicht dabei. In sehr wenigen Szenen ist ihre Mutter anwesend, ihren Vater lernt man gar nicht kennen. Ich hatte nie den Eindruck, dass ihre Eltern Valerie zur Seite stehen, sie beschützen und nur ihr Bestes wollen, dafür waren sie einfach zu wenig präsent. Eher hatte ich die meiste Zeit den Eindruck, dass Val alleine wohnt und ihre Entscheidungen komplett selbständig trifft. Natürlich sind eigenständige Entscheidungen wichtig, aber die ganze Situation mit ihren Eltern war mir einfach viel zu unrealistisch.

Kyle mochte ich gar nicht. Er tauchte selten in der Geschichte auf und wenn, dann nervte er mit blöden Sprüchen. Ich fragte mich, woher seine Gefühle für Val, die er in manchen Szenen ein wenig durchblicken ließ, kamen. Denn eigentlich haben sie sich nur über ihre unterschiedlichen Ansichten gestritten und Kyle hat zu wenig hinter seine Fassade blicken lassen, um ihn greifbar zu machen. Was ich ihm aber zugute halten muss ist, dass er eine meiner Meinung nach offene Einstellung zum Thema Sex hat und im Lauf der Geschichte auch zur Enthaltsamkeit entwickelt:

„Du träumst von einem perfekten Mann. [...] Was, wenn du auf deiner Suche nach Mr Perfect die Chance auf etwas Großartiges ausschlägst?"

Zitat aus dem Buch „V is for Virgin" von Kelly Oram aus dem ONE Verlag, Seite 294.

„Und zweitens werde ich mich nicht für den Rest meines Lebens an jemanden binden, mit dem ich nicht vorher geschlafen habe. Was ist, wenn wir nicht kompatibel sind?"

Zitat aus dem Buch „V is for Virgin" von Kelly Oram aus dem ONE Verlag, Seite 280.


Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie unsere Lehrerin damals im Biologieunterricht ähnliche Worte verwendete, um mit uns über das Thema „Sex vor der Ehe" zu sprechen. Sie empfand es auch als eher schwierig, mit der körperlichen Liebe zu warten, bis man verheiratet ist, denn auch wenn man sich sonst gut versteht und sich liebt, kann ein unbefriedigtes Sexualleben sich negativ auf die Beziehung auswirken. Vor allem, wenn diese Entscheidung nicht von der betroffenen Person selbst getroffen wird, sondern Eltern, Religion oder anderes darüber bestimmen.

Letztlich muss natürlich jeder selbst entscheiden, was für ihn persönlich das Richtige ist. Dafür liefert das Buch einige gute Standpunkte und Meinungen, die jüngeren Lesern helfen sollen, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Denn letztlich ist Sex ein sehr persönliches Thema und jedem in unterschiedlichem Maße wichtig. Offene Kommunikation und Ehrlichkeit sich selbst und dem Partner gegenüber sind wichtig und entscheidend. Die ganze Thematik hätte im Buch noch viel tiefergehend beleuchtet werden können, dafür hätte der Roman gerne mindestens 100 Seiten länger sein dürfen. Denn wie schon erwähnt, ist einfach zu viel passiert, als dass es auf den wenigen Seiten hätte genügend vertieft werden können.

Eine Person, von der ich mir gern mehr Beitrag zur Geschichte erhofft hätte, ist Isaac. Ich mochte ihn, konnte ihn aber auch nicht so ganz einschätzen. Er öffnete Valerie in mancher Situation die Augen und traf vor allem mit einer Aussage den Kern der gesamten Geschichte:

„Deshalb mag ich deine V-is-for-Virgin-Kampagne so sehr. Es geht gar nicht um Sex. Es geht darum, Entscheidungen für sich zu treffen."

Zitat aus dem Buch „V is for Virgin" von Kelly Oram aus dem ONE Verlag, Seite 175.


Das Ende kam für mich sehr überraschend und hat mir leider so gar nicht gefallen. Es kommt zu einigen Zerwürfnissen und Entwicklungen, die im Raum stehen gelassen und hoffentlich im zweiten Teil der Dilogie aufgegriffen werden. Der Epilog wirkte für mich gezwungen und ein Ereignis, mit dem ich schon viel eher gerechnet hätte, war mir auch wieder zu schnell, zu unrealistisch.

Fazit

Das Buch behandelt sehr wichtige Themen, die für mich aber nicht tiefgehend genug betrachtet wurden. Einige vermittelte Botschaften hätten mehr Unterstützung durch die Handlung gebraucht. Vielleicht bin ich mit zu hohen Erwartungen an das Buch herangegangen oder aber ich bin mit 30 Jahren schon zu alt für eine solche Geschichte. Ich kann mir aber vorstellen, dass jüngere Leser zumindest zum Nachdenken angeregt werden und sich ihre eigene Meinung zu den Themen bilden, wobei sie auf ihr Herz hören und keinem vorgegebenen, vielleicht auch festgefahrenen Standpunkt folgen.

Allgemeines zum Buch

Autor: Kelly Oram
Verlag: ONE Verlag
Erscheinungsdatum: 29.05.2020
Genre: Young Adult / Jugendbuch
Seiten: 321
Erster Band einer Dilogie
Meine Bewertung: 3/5 Sterne

1 Zitat aus dem Buch „V is for Virgin" von Kelly Oram aus dem ONE Verlag, Seite 114.

Unbezahlte Werbung, da ich das Buch kostenfrei als Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten habe, vielen Dank!