Urlaub mit Kindern – Mehr Alltag, als sonst

Von Reini1973
Jedes Jahr, vorzugsweise im Sommer, aber solange die Kinder noch nicht schulpflichtig sind, auch zu anderen Jahreszeiten macht man Urlaub mit der ganzen Familie. Für den normalen Menschen ist Urlaub ja die Zeit der Entspannung und Erholung. Solange man kleine Kinder hat sieht das aber oft ganz anders aus und Urlaub mit Kindern ist selten wirklich erholsam.

Alle Jahre wieder

Meine beiden Älteren gehen ja schon in die Kita, während ich normalerweise mit der Kleinsten noch zu Hause bin. Mein Tagesablauf ist gut eingespielt. Ich weiß, wann ich was machen kann, wann ich Wäsche waschen darf, wann ich kochen sollte und wann Ruhezeiten sind. Auch wenn meine beiden Größeren bis vor nicht einmal einem Jahr auch noch zu Hause waren, so sieht mein Alltag, wenn sie nicht in die Kita gehen komplett anderd aus. Eigentlich ist mein Alltag dann komplett aus der Spur und das Chaos tobt. Momentan haben wir alle Kinder für zwei Wochen aus der Kita genommen. Mein Mann hat tageweise Urlaub, den er mit und zu Hause verbringt und öfter mal etwas mit den Kindern unternimmt. Manche Tage muss er aber arbeiten und dann bin ich allein mit den drei Kindern. Von eingespieltem Alltag keine Spur. Zeitfenster für Hausarbeit bleiben nicht und Zeit für mich gibt es erst Abends, wenn alle schlafen. So sieht mein Urlaub aus.

Ich bin nicht allein

Der Mensch ist mit einer stark gefilterten Wahrnehmung ausgestattet. All die Reize, die unsere Sinnesorgane wahrnehmen, werden in unserem Kopf einmal geschüttelt und gerührt und kräftig mit Vorstellung und Erfahrung vermischt. Was fehlt wird dazugedichtet und was uns nicht ins erwartete Bild passt, wird gelöscht. Ich bin auch ein Mensch, also lauf ich durchs Leben und sehe mir andere Mütter an. Alle sind sie zufrieden und glücklich. Alle sind sie ausgeschlafen und umgeben sich gerne mit ihren artigen Kindern. Und natürlich genießen alle den Urlaub und die Ferien. Umso schöner finde ich den Aufruf zur Blogparade, den ich bei Babsi auf Chaos hoch 6 gefunden habe. Ich hoffe, sie wir mir nicht böse sein, aber nach dem Lesen ihrer Beschreibung über die letzte Schulwoche und die Augenringe, die bis zum Knie hängen hab ich mich ein bisschen besser gefühlt 😉

Teilen wir also unser Leid

OK, kurz hab ich mich besser gefühlt, dann ist mir klar geworden, dass der „Spaß" in etwas mehr als einem Jahr auch für mich vorbei ist. Da wird die Älteste meiner drei Kleinen nämlich eingeschult und dann ist Schluß mit lustig. Solange alle Kinder in die selbe Einrichtung gehen ist der Aufwand noch relativ gering. Einmal zur Kita gerollt, alle abgegeben und am Nachmittag das ganze rückwärts. Zukünftig heißt es dann, mehrer Stopps so zu planen, dass alle rechtzeitig in der richtigen Einrichtung ankommen. Einen kleinen Vorteil hab ich allerdings gegenüber Babsi: Hier in Wien kann man (fast) alles gemütlich zu Fuß erledigen und ich muss außer den Kindern nicht auch noch das Auto koordinieren.

Kinder stören!

Klingt hart, ist aber so. Wer meint, das stimmt so nicht und das darf man so nicht machen, den lade ich herzlich ein, meine drei Süßen mal ins Büro, oder an den Arbeitsplatz mitzunehmen. Mein Haushalt ist mein Arbeitsplatz und auch wenn mir keiner etwas dafür zahlt und ich eigentlich nur Geld für die Kinderbetreuung bekomme, so fließen doch etliche Arbeitsstunden in die zahlreichen Aufgaben. Meine Tätigkeit bedingt einfach, dass ich mich auch hin und wieder mal auf etwas konzentrieren kann und mehr als zwei Minuten bei der Sache bleibe. Wäsche muss aufgehängt und wieder abgenommen werden. Der Wäschekreislauf muss am Leben gehalten werden, sonst staut es sich irgendwo. Die Bude muss regelmäßig von den verschiedenen Rückständen unseres Lebens gereinigt werden und alle haben ganz oft Hunger und erwarten leckeres Essen, das im Kühlschrank und im Regal auch nicht von selber nachwächst. Mit drei kleinen Kinder im Schlepptau dauert alles etwa drei- bis viermal so lange.

Ich freu mich schon

Heute sind es erst mal zwei Wochen mit allen Kindern. Es könnte aber sein, dass ab dem nächsten Jahr meine Älteste den ganzen Sommer schon daheim bleibt, weil sie im Herbst in die Schule kommt. Danach wird es jedes Jahr das Thema geben, dass eines, oder später mehrere Kinder wochenlang betreut werden wollen. Unsere Kita ist bis auf eine einzige Woche immer offen. Das macht es leichter für mich, aber irgendwann ist damit Schluss. Gut, die Kinder werden größer und vernünftiger und ich muss sie dann nicht ständig im Auge haben, aber Aufwand wird es für die nächsten Jahre immer bleiben.

Urlaub mit Kindern?

Ja, wir machen auch Urlaub. Und zwar so wie jedes Jahr eine Woche am Bauernhof. Wir haben schon mehrer Varianten an Urlaub ausprobiert und es gibt ein paar Kriterien, die erfüllt sein sollten um auch als Elternteil ein bisschen Entspannung und Urlaubsfeeling zu haben.

Flugreisen vermeiden

Flugreisen sind Stress pur. Man muss sich um das Parken am Flughafen, oder einen Transfer bemühen. Am Flughafen steht man beim Check-In mit Koffern bepackt und ist schon wegen Übergepäck und der Größe des Handgepäcks etwas angespannt. Kinder sind da ein zusätzlicher Stressfaktor. Allein den Kinderwagen an der Maschine abgeben und vorher durch die Sicherheitskontrolle damit kommen, ist schon eine Herausforderung. Die ganz normalen Wartezeiten sind mit drei aufgeregten und evtl. auch ängstlichen Kindern noch schlimmer, als Wartezeiten sowieso sind. Im Flugzeug sorgt der Druck für Ohrenschmerzen bei den Kindern und irgendwie ist ein Flug, aus der Sicht der Kinder, ja auch nur Wartezeit. Bis man am Zielort dann im Hotel ist muss man in der ungewohnten Umgebung, bei unangenehm hohen Temperaturen, mit Gepäck beladen, den richtigen Bus finden und nebenbei die Kinder beisammen halten. Nach dem Flug sind die Kleinen voller Bewegungsdrang und kaum ruhig zu halten.

kurze Anreise

Am besten ist es, wenn man nicht mehr als zwei bis drei Stunden anreist. Mit dem eigenen Auto ist das am einfachsten, weil man in der Familienkutsche Ausrüstung für alle Eventualitäten hat. Muss ein Kind sich übergeben, oder hat Durst, dann haben wir alles griffbereit im Auto. Auch ist es angenehmer, wenn man das so sagen kann, wenn das Kind ins eigene Auto kotzt, als in ein öffentliches Verkehrsmittel.

Bei unserem Bauernhof sind es zwar drei Stunden, aber fast die ganze letzte Stunde sind wir auf der Bundesstraße unterwegs und rechts und links grasen Kühe.

riesiges Zimmer

Wir brauchen ein Fünfbettzimmer. Das Problem bei vielen Unterkünften ist, dass das so gelöst wird, dass die einzige Sitzgelegenheit vom Sofa zum Doppelbett umgebaut wird und der letzte Flecken Teppich mit einem Reisegitterbett zugestellt wird. Es bleiben meist etwa 10 cm breits Streifen zwischen den Betten, auf denen man die paar Schritte quer durchs Zimmer machen muss, wenn man irgendwohin will. Wir bekommen im Urlaub immer das selbe Zimmer. Zwei riesige Doppelbetten reichen für uns fünf ganz bequem. Im Zimmer sind zwei Kästen und ein Tisch mit vier Stühlen. Rundherum ist ausreichend Platz zum Spielen. Es ist wichtig, dass man im Zimmer nicht nur im Bett liegen kann. Schließlich verbringt man im Urlaub reichlich Zeit im Zimmer, weil man die Kleinen schlecht allein lassen kann.

Essen am Zimmer

Genauso, wie das Zimmer, schätzen wir die Möglichkeit im Zimmer eine kalte Jause zu essen. Wir haben dort einen Kühlschrank, den wir mitbenutzen dürfen. Im Zimmer am Tisch kann man wunderbar Abendbrot machen und ein paar Brote schmieren. Mehr brauchen die Kinder nicht und ein Besuch in einem Lokal ist meistens deutlich kräfteraubender.

kinderfreundliche Gastgeber

Wir hatten schon Urlaube bei denen wir beim Frühstück schief angeschaut wurden. Auch zur Ruhe und zum sorgsamen Umgang mit den Möbeln wurden wir schon mal in einem Hotel ermahnt. Das ist kein schöner Start in den Tag. Eine kinderfreundliche Unterkunft ist das A&O, wobei es bei unserem Bauernhof ganz natürlich so ist. Unsere Kinder marschieren beim Frühstück gerne rüber in die Küche, wo die Familie frühstückt und wir plaudern gerne mit Marisa beim Frühstück.

simple Ausflüge

In unserem Urlaub bekommen wir immer eine Sommercard. Damit kann man jede Menge Ausflugziele kostenlos nutzen, mit Seilbahnen fahren und kostenlos irgendwo rein. Das ist toll, weil es oft schade ums Geld ist, wenn man für viel Eintrittsgeld irgendwo rein läuft und es den Kindern dann nicht gefällt. Man quält sich und die Kinder dann vielleicht viel zu lange, weil es eben etwas gekostet hat.

Wir laufen auch gern durch die Berge. Von Wandern kann keine Rede sein, aber irgendwo mal eine kleine Runde um einen Gipfel darf es schon sein. Die kinderwagentauglichen Ausflüge sind in der Sommercard-Broschüre separat gekennzeichnet. Wir können also jede Menge Ausflüge machen und geben dafür kein Geld aus.

Auslauf rund ums Haus

Toll an dem Bauernhof ist, dass die Kinder direkt vor dem Haus am Hof spielen können. Es gibt natürlich einen Kuhstall und es gibt eigentlich keinen Verkehr. Man kann einen schönen Spaziergang direkt vom Hof aus machen und einen lauen Abend auch am Hof verbringen, ohne seine Nerven mit Aufpassen und Fernhalten der Kinder von Gefahrenquellen, zu verbrauchen.

Stammkneipe

Fast jeden Tag, wenn wir dort sind fahren wir auf die Alm, direkt am selben Berg und gönnen uns dort etwas zu Essen und zu trinken. Herrlich. Was man besonders auf einer bewirtschafteten Alm zu schätzen lernt ist die Tatsache, dass da, wo Kühe nicht reinkommen, Kinder auch nicht rauskommen 😉 Also können die Kleinen nicht abhauen und wenn sie es versuchen, dann drehen sie rasch aus Respekt vor den freilaufenden Kühen um. Zusätzlich toll ist, dass die Pächter unserer Stammhütte auch eine kleine Tochter haben, das ganze Areal also einerseits kindersicher und andererseits mit Spielzeug übersät ist. Die Kinder fühlen sich wohl und Papa und Mama können auch mal entspannen und es sich gut gehen lassen.

Rituale

Ja, auch im Urlaub gilt der Spruch: Kinder brauchen Rituale. Das klappt nur, wenn man immer wieder ins selbe Quartier fährt, aber kennen die Kinder und man selber den Hausbrauch und die Ausflugsziele, dann ist es deutlich entspannter, als wenn die Freizeitgestaltung für alle Neuland ist. Man ist einfach ruhiger, wenn man weiß was einen erwartet. Auch verbringt man nicht unnötig Zeit mit planen, diskutieren und Wege suchen, wenn man überall ohne Navi hinfindet. Man kennt im Laufe der Zeit einfach die besten Spielplätze, die kinderfreundlichen Restaurants und die kinderwagentauglichsten Wanderwege.

Urlaub mit Kindern ist anders

Wichtig ist auf jeden Fall, dass man beim Urlaub mit Kindern auf die besonderen Bedürfnisse einer Familie mit Kindern rücksicht nimmt. Bei aller Kinderbetreuung in verschiedenen Hotels bleibt doch Zeit, die man sich alleine um die Kinder kümmern muss. Wenn dann etliche Gefahrenquellen im Weg sind und das Zimmer für einen gemütlichen Abend nicht geeignet ist, dann kann so ein Urlaub leicht zum Frust werden. Solange die Kinder klein sind sollte man auf große Reisen verzichten. Ich kann nur empfehlen eine kleine Pension, oder vielleicht, so wie wir, einen Bauernhof zu suchen, wo man sich einfach wohlfühlt. Wenn man dort auch im zweiten Jahr willkommen ist, obwohl sie die Kinder schon kennen, dann ist das eine gute Basis dafür, für ein paar Jahre dorthin zu fahren!