Urban Priol: Tournee-Auftakt an Algarve

Mit drei Auftritten in Lagoa, Lissabon und Porto hat Kabarettist Urban Priol gerade die neue Tournee nach seinem 35. Bühnenjubiläum gestartet. „Algarve für Entdecker" berichtete er über seine besondere Beziehung zu Portugal. Hier einige der besten Gags und Pointen aus seinem Auftritt an der Algarve.

„Oh, Sie waren ja beim Friseur!", entfährt es mir, als sich Priol nach der technischen Probe im Auditório Municipal in Lagoa mit mir zum Exklusiv-Interview trifft. Das schütter werdende Haar steht nicht ab, als hätte er wieder einmal mit den Fingern in die Steckdose gelangt, sondern ist sommerlich gekürzt.

Priol hat drei Wochen Camping hinter sich

Das passe einfach besser zum Campen, meint der Main-Franke Priol. Er sei drei Wochen lang mit dem Land Rover von daheim aus an Portugals Südküste gefahren, von Campingplatz zu Campingplatz. Das sei eine Art Retro-Tour für ihn, denn schon in den achtziger Jahren, nach dem Abitur, habe es ihn auch in einem angemalten VW-Bus in das Land gezogen, dass ein paar Jahre zuvor die Nelkenrevolution erlebt habe.

Vor dem Auftritt an der Algarve hat der mittlerweile arrivierte Kabarettist Priol allerdings ein 5-Sterne-Hotel in Porches dem Campingplatz vorgezogen - auf Einladung des Veranstalters, der deutschen Botschaft in Lissabon. Nur knapp hat Priol dort das spanische Schauspieler-Paar Penélope Cruz und Javier Bardem verpasst, die im dortigen Resort mit Atlantik-Blick einige Urlaubsnächte verbrachten.

„Gesternheutemorgen" - diesen Titel hat Priol seinem „Best of..."-Programm verpasst und unter dem Motto „Gönn' dir was" einfach ein paar alte Nummern eingebaut. „Als ich dazu viele meiner alten Texte durchblätterte, war ich zunächst überrascht und dachte: Was, das hast du schon vor 25 bis 30 Jahren geschrieben?", verrät er. Dann sei ihm klar geworden: „Das kannst du auch heute wieder eins zu eins bringen...".

Priol: Fing mit Kohl an, Kabarett zu machen

Er habe ja damals, 1982, gemeinsam mit Helmut Kohl, „dem Dicken", zusammen angefangen Kabarett zu machen, sagt Politsatiriker Priol, die spärlicher zur Verfügung stehenden Haar auf Abstand gegelt, und erntet den ersten großen Lacher der 300 Zuhörer in Lagoa. Weit vor dem Dicken habe ihn Ronald Reagan für die Politiksatire „sensibilisiert". Dann beginnt Priol, sich an den noch lebenden Mächtigen abzuarbeiten. Als erste ist Angela Merkel dran, als „Chef-Anästhesistin" die beliebteste Zielscheibe seines beißenden Humors.

Das Wort „alternativlos" beziehe sie hauptsächlich auf sich. Vermutlich bleibe sie noch bis 2033 im Amt, die „Lady Pattex". „Dann könnte man auch gleich noch 100 Jahre Ermächtigungsgesetz feiern", spottet Priol über die Pastoren-Tochter, die „systemisch wie eine Bank" geworden sei.

Dann nimmt Priol US-Präsident Donald Trump aufs Korn. Er sagt, dazu habe er nur ein paar alte Texte über Reagan nehmen und dessen Namen durch Trump austauschen müssen. „Trump - dagegen war Reagan ja ein Links-Liberaler und George W. Bush ein kiffender Alt-68er", ätzt der Aschaffenburger. Der „Voll-Honk im Weißen Haus", der „irre" ehemalige britische Außenminister Boris Johnson und der „rechte Sack in den Niederlanden", Geert Wilders, hätten als „die drei durchgeknalltesten Politiker derzeit" identische Frisuren: „... so ne tote blonde aufgeplatzte Katze".

Priol - wie ein überdrehter Clown

Er rechne mit einer zweiten Amtszeit Trumps, sagt Priol, wie ein überdrehter Clown auf der spärlich mit Requisiten bestückten Bühne (Pult, Tisch, Stuhl) des Auditoriums in Lagoa nervös auf und ab laufend in seinen Turnschuhen. Die brauche er aber auch, „damit er überhaupt mal eine Regierung hinkriegt", angesichts der vielen Demissionen im Kabinett.

Meisterhaft bedient sich der kurz geratene Kabarettist Priol aus dem bayerischen Aschaffenburg des Stilmittels des abgebrochenen Satzes, des Wort-Fragments, des Dialekt-Gebabbels. Sein Algarve-Publikum dankt mit vielen Lachern, kräftigem Applaus, Gejohle. Vor allem, wenn Priol bei Charakterisierungen von Politikern und Institutionen kräftig austeilt. Ein paar Beispiele:

Urban Priol: Seine Gags und Pointen an der Algarve

Donald Trump: „Jetzt ist das dritte Enthüllungsbuch da. Man hat es ihm gegeben. Da war er wieder sauer - nix zum Ausmalen drin..."

Angela Merkel: „Die Erstwähler kennen ja nix anderes. Die sind mit ihr groß geworden. Für die ist sie so eine Art Haustier."

Jean Claude Juncker: „Der Zauberer, der Magier: Der hat in Luxemburg aus Briefkästen und Schließfächern ein ganzes Land geformt."

Joe Kaeser, Siemens-Vorstandsvorsitzender: „Der hat sich so an Donald Trump herangewanzt, das war zum Fremdschämen."

Sebastian Kurz: „Vor ein paar Jahren hat man ihn bei IKEA noch im Bälle-Bad abholen müssen."

Viktor Orban: „Halb-Fascho und Antisemit", „Buddy von Horst Seehofer".

Horst Seehofer: „Horst Saddam Hussein Seehofer" (wegen der Wortwahl „Mutter aller...")-

Alexander Dobrindt: „Alexander Che Guevara Dobrindt" (wegen seiner Forderung nach einer konservativen ‚Revolution').

Markus Söder: „Man darf mit Fug und Recht behaupten, dass Leute wie Markus Söder und Lothar Matthäus Mittelfranken mit nordafrikanischem Migrationshintergrund sind". (wegen des „interlabialen Ls" im Dialekt, das es sonst nur noch in einer kleinen Provinz im nordafrikanischen Maghreb gibt).

Günther Oettinger: „Albtraum eines jeden Logopäden".

Edmund Stoiber: „Der Schabowski hat mit ein paar Ähs Weltgeschichte geschrieben. Das ist dem bayerischen Meister der Ähs bisher verwehrt geblieben. Edmund Stoiber ist offiziell immer noch Entbürokratisierungs-Beauftragter in Brüssel".

Martin Schulz: „Die älteren unter uns werden sich noch an ihn erinnern..."

Alexander Gauland: „Der hat seine AfD mal einen ‚gärigen Haufen' genannt. Das habe ich sofort gelten lassen - das ist sogar einer, der noch dampft. Und gärig bedeutet laut Synonym-Wörterbuch so viel wie alt, altbacken, dumpf, faul, faulig, ranzig, schimmelig, schlecht, übelschmeckend, ungenießbar, verdorben, verfault, vergammelt, verrottet, verschimmelt, verwest und wurmstichig. Besser kann man die Führungsriege der AfD wirklich nicht beschreiben..."

BAMF: „Diese Behörde arbeitet so, wie man sie ausspricht".

Frauen und Wirtschaftslenker beim Weltwirtschaftsforum in Davos: „10 Tonnen Silikon und 1.000 Jahre Knast auf einem Haufen".

Papst Johannes Paul II: „Polen-Paule JP Two"

Deutsche Bundespräsidenten der vergangenen 14 Jahre: „angeglichen wie korrespondierende Weine zu einem faden Regierungs-Gericht, nahtlos eingefügt in die blutleere, leidenschaftslose Bräsigkeit, die sich in all den Jahren wie Mehltau über unsere politische Streitkultur gelegt hat".

Privatfernsehprogramme: „...die ganzen Unterschichten-Ruhigstellsender".

Influencerinnen auf YouTube: „Bonsai-Paris-Hiltons, die im Netz Body Lotions für Barbie-Püppchen oder billige Schmuck-Imitate von Bijou Brigitte anbieten".

Und dann verrät Urban Priol noch das bislang gehütete Geheimnis seiner bizarr-schönen Haarpracht. Sie heißt Ilonka und war „lernunwillige jugendliche Spätaussiedlerin aus Kasachstan" - wohnhaft in einem Nachbardorf Aschaffenburgs und mit Händen gesegnet, die in einem Ausbildungsbetrieb so kräftig seine Kopfhaut bearbeiten konnten, dass „die vermutlich auf der Kolchose keinen Pflug gebraucht haben".


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