Unterwegs mit einem Gelben Engel: Die Patrouille – das Herzstück des Touring Club Schweiz

Unterwegs mit einem Gelben Engel: Die Patrouille – das Herzstück des Touring Club Schweiz

Ein gelber TCS-Engel: Mit Herzblut unterwegs, um Gestrandeten zu helfen

Woran denkt ihr spontan, wenn ich euch “TCS” sage?

Bei mir kommen sofort Erinnerungen an die Sommerferien während meiner Kindheit auf. An diese Fahrten nach Süditalien, die wir damals als Familie mit einer in die Jahre gekommene Familienkarosse in Angriff nahmen. Diese Reisen waren damals immer ein Abenteuer und starteten oder endeten auch mindestens zwei Mal damit, dass uns eine TCS-Patrouille aus der Patsche helfen musste – mal kurz nach der Abfahrt Richtung Süden, mal kurz bevor wir nach Ferienende zu Hause ankamen…

TCS und Pannenhilfe. Diese Assoziation habe vermutlich längst nicht nur ich. Denn: Fast jeder zweite Schweizer Haushalt ist beim TCS – und dies oft bereits in der 3. Generation! Und bestimmt hat jeder darunter schon einmal die Bekanntschaft mit einem TCS-Patrouilleur machen dürfen.

Doch: Wie sieht der Arbeitstag eines TCS-Patrouilleurs aus? Welches sind die häufigsten Pannen, die vorkommen? Wie läuft das Entpannen vor Ort ab und was gehört rundherum alles auch noch dazu?

Ich wollte es wissen und nach etlichen Jahren der Pannenfreiheit – Holz anfassen! – habe ich mich eine halbe Schicht lang neben einen Gelben Engel ins Auto gesetzt und mit ihm ganz gezielt nach Pannen gesucht. Wobei lange suchen musste ich nicht… Aber lest doch selbst:

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Es ist morgens um zehn, als wir uns an diesem klirrend kalten Wintervormittag auf den Weg zur Arbeit machen – Marco Fusco als Patrouilleur, ich als seine Begleiterin und Beobachterin für einen halben Tag. Es ist sehr ruhig um diese Zeit, der morgendliche Verkehr in die Stadt ist längst abgeflacht und Fusco steuert seinen Stützpunkt in Schlieren an. Erhält er beim Antritt seiner Schicht von der Einsatzzentrale in Schönbühl (BE) nicht gleich einen Auftrag zugewiesen, fährt er nicht – wie manche glauben – gelangweilt und ziellos in der Stadt herum und wartet auf einen Einsatz, sondern erledigt in solchen seltenen einsatzfreien Zeitfenstern verschiedene Arbeiten am Stützpunkt.

Marco Fusco hat ursprünglich die 4-jährige Lehre zum Automobilmechaniker absolviert und im Anschluss daran Erfahrungen als Polymechaniker gesammelt. Seit fünf Jahren ist er Patrouilleur beim TCS. Wenn er über seine Tätigkeit spricht, so spüre ich, dass er mit Herzblut dabei ist:

Bei diesem Job musst du Freude haben, jeden Tag überrascht zu werden, immer mit einem neuen, zum Teil nicht klar zu definierendem Problem konfrontiert zu werden. Es muss dir Spass machen, Störungen am Fahrzeug zu diagnostizieren und Fahrzeuge zu entpannen.

Ich muss immer in Varianten denken und möglichst rasch eine Diagnose stellen. Bei der Lösung gibt es keine Vorgaben, ich muss kreativ und auch schnell sein. Als Patrouilleur muss ich sicherstellen, dass der Kunde möglichst rasch weiterfahren kann, als Marco Fusco schaue ich immer auch, dass es für den Kunden stimmt, dass ich ihm die beste individuelle Lösung anbieten kann!

Die Arbeit ist sehr abwechslungsreich, nicht planbar, ein Tag steckt voller Überraschungen. An einem Tag ist das Wetter schön, am anderen regnet oder schneit es. Es macht mir Freude, immer unterwegs zu sein, verschiedene Leute zu treffen und den Menschen aus einer Notlage zu helfen. Ich möchte meinen Job mit niemandem tauschen!”

Auf die Schattenseiten seines Jobs angesprochen, nennt mir Fusco nur zögernd seine unregelmässigen Arbeitszeiten, die vielleicht dann zum Thema werden können, wenn man in einer Beziehung sei oder eine Familie plane. Als eigentlicher Nachteil seiner Arbeit sieht er diesen Aspekt aber nicht. Denn: Unregelmässige Arbeitszeiten haben auch durchaus ihren Reiz und: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“, sagt er und konzentriert sich auf die Strasse.

Ich zweifle keine Sekunde daran, dass sich Fusco nicht nur bei der Arbeit, sondern auch privat von diesem Motto leiten lässt!

Ein Beruf mit High-Tech und Leidenschaft

Alle TCS-Patrouilleure sind fachlich hochstehend ausgebildet. So kennt auch Fusco nicht nur die verschiedenen Automarken, Modelle und Reifenarten, sondern auch deren Merkmale und Besonderheiten. Sollte es ihm dennoch einmal nicht gelingen, das Problem auf Anhieb zu lösen, kann er sich auf seine Kollegen des Technischen Helpdesks in Schönbühl verlassen, die ihrerseits auf eine unerschöpfliche Datenbank mit technischen Daten für Tausende von Automodellen aller Marken sowie den jeweiligen «Schwachpunkten» zurückgreifen können.

So wie alle anderen TCS-Patrouilleure ist auch Fusco ausgebildeter Samariter und kann Nothilfe leisten. Zudem hat er eine Weiterbildung zum Road Ranger Strassenhelfer gemacht, ein neuer Beruf, der seit drei Jahren erlernt werden kann.

Fuscos Vorgesetzter bezeichnet seine gelben Engel “Top-Mechaniker mit Helfersyndrom”!

Das Patrouillen-Fahrzeug: Autowerkstatt und Stube zugleich

Jeder Patrouilleur verfügt über sein eigenes Patrouillen-Fahrzeug. Dies hat den Vorteil, dass ein jeder bereits von zu Hause aus einsatzbereit ist. Der Wagen verfügt über eine standardmässige Grundausrüstung: etliche Autobatterien, Fahrzeugteile wie Zündspulen, Kabelbinder für provisorische Reparaturen, Abschleppseile, Kompressoren oder Kanister mit Benzin und Diesel – um nur einen Bruchteil des ganzen Arsenals an Werkzeugen und Ersatzteilen zu nennen, die in der rollenden Werkstatt auf engstem Raum verstaut sind.

Jeder Patrouilleur ergänzt dieses bereits riesige Standardsortiment mit weiteren Hilfsmitteln, die er aufgrund seiner ganz persönlichen Arbeitsweise und basierend auf seiner Erfahrung oft und gerne einsetzt. So hat Fusco nicht nur grosse und kleine Säckli gefüllt mit Kühlerdeckeln, Schrauben oder Schläuchen, die er auf dem Abbruch holt und die er auch ohne Kostenfolge für den Kunden einsetzen kann, sondern führt mittels einer Spezialkonstruktion am Unterboden seines Fahrzeugs auch leere Kanister mit, mit denen er vor Ort zum Beispiel falsch getankten Treibstoff absaugen und abtransportieren kann.

Das Patrouillen-Auto ist nicht nur eine voll ausgestattete Reparatur-Werkstatt auf Rädern, sondern auch ein eigentliches Refugium für den Patrouilleur. Fusco hat es sich in seiner rollenden Stube gemütlich und zweckmässig eingerichtet: Genügend Getränke sind genau so vorhanden wie Power-Snacks. Sogar eine kleine Kaffeemaschine führt Fusco mit, die gerade an kalten und strengen Einsatztagen wie diesem einen wichtigen Dienst für das Wohlbefinden von Körper und Geist erfüllt!

„Ich fahre gern mit meinem Fahrzeug“, lacht Fusco. „Am liebsten höre ich dabei Musik und geniesse es, einfach für mich zu sein! Mir ist nie langweilig und ich fühle mich auch nicht einsam. Einerseits ist immer etwas los und andererseits stehe ich sowohl mit der Einsatzzentrale in Schönbühl (BE) als auch mit meinen anderen Kollegen aus dem Stützpunkt, die gerade unterwegs sind, via Handy in Kontakt. Und für die Mittagspausen kehre ich, wenn immer möglich, zum Stützpunkt zurück. Da treffe ich andere Teamkollegen und kann mich auch mit meinem Chef austauschen“.

Fusco fährt sein jetziges Auto seit zwei Jahren. In dieser Zeit hat er ganze 70‘000 km gemacht!

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Das Navicom: Wichtig(st)es Arbeitsinstrument

Der Bordcomputer: Des Patrouilleurs bester Freund

Der Patrouilleur arbeitet mit modernster Technologie. GPS und SMS halten ihn auf dem Laufenden und er erhält ein eigenes Notebook mit modernsten Diagnosemöglichkeiten und weiteren hilfreichen Daten.

Eines seiner wichtigsten Arbeitsinstrumente ist das Navicom, das Computer-System, über welches die Patrouilleure mit den Disponenten der Einsatzzentrale in Kontakt stehen. Verzeichnet die Einsatzzentrale eine Panne, weist der Disponent den Auftrag einem freien Patrouilleur im entsprechenden Einsatzgebiet zu. Mit dem Hinweis, dass ein Einsatz auf ihn wartet, erhält der Patrouilleur auch weitere Angaben zur Art der Panne, zum Fahrzeug und zum gestrandeten Kunden.

In der Regel beträgt die durchschnittliche Wartezeit bis zum Eintreffen des Patrouilleurs nur 35 Minuten.

Oberstes Ziel: Weiterfahren statt abschleppen!

Der TCS garantiert das Weiterkommen, das heisst: Die Patrouilleure arbeiten immer mit dem Ziel, dass der Kunde möglichst rasch weiter fahren kann – entweder zur nächsten Garage oder nach Hause, von wo der Kunde dann in Ruhe allfällige nächste Massnahmen selber einleiten kann.

In 8 von 10 Fällen wird dieses Ziel auch erreicht. Wenn es wirklich nicht anders geht, so greift der Abschleppdienst ein.

Einsatz Nr. 1: Der Batterie-Klassiker

Aus Fuscos Plänen, diesen Vormittag mit Arbeiten am Stützpunkt in Schlieren zu starten, wird – einmal mehr während dieser Kälteperiode – nichts. Die Winterkälte sorgt beim TCS für Hochbetrieb: Diesen Januar wurden bisher 47‘600 Hilferufe registriert und 25‘700 Einsätze geleistet.

Via Klingelton meldet sich die Einsatzzentrale über das Navicom mit Fuscos erstem Auftrag, den er sogleich akzeptiert: Nach einer Nacht bei nicht vollständig geschlossener Autotüre und eingeschaltetem Innenraumlicht will heute morgen in Regensdorf ein Auto nicht mehr anlaufen.

„Das ist ein Klassiker“, sagt Fusco und schmunzelt, „der nicht nur in der kalten Jahreszeit häufig vorkommt. Bei so kalten Temperaturen sind es vor allem Batterien und elektrische Systeme, die Probleme machen. Vor allem ältere Batterien können dann halt schon mal abliegen.“

Der Kunde erwartet uns bereits vor der Garageneinfahrt und schildert uns nochmals kurz und äusserst humorvoll, wie es dazu kam, dass sein Auto heute morgen früh – ausgerechnet dann, wenn seine Frau zum Wocheneinkauf fahren wollte – nicht mehr ansprang und dass dieses Malheur beinahe zu einem ehelichen Streit geführt hätte! Erst vor zwei Monaten habe er den Jahrescheck gemacht, von da her müsste die Batterie eigentlich noch gut sein.

Routiniert und schnell überbrückt Fusco die Batterie, misst die Ladespannung und bestätigt dem Kunden, dass diese noch absolut in Ordnung sei, er aber jetzt ein Fährtli von rund 20 Minuten unternehmen solle, damit sie sich vollständig aufladen könne. Fusco kontrolliert auch gleich den Ölstand, nimmt alle notwendigen Daten auf und erkundigt sich beim Kunden, ob alles zu seiner Zufriedenheit verlaufen sei.

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Kälte und Überbeanspruchung durch immer mehr elektrische Systeme setzen der Autobatterie zu

Der gelbe Engel – mit Freude erwarteter Helfer

„Immer, wenn ich ankomme“, erzählt Fusco stolz, „werde ich mit Erleichterung und Freude erwartet. Das ist das Schöne an meiner Arbeit. Der Kunde hat ein Problem, ich komme und kann helfen. Das ist jedes Mal ein gutes Gefühl. Und auch das Feedback, das bekomme ich direkt vom Kunden. Manchmal bedanken sie sich mit einem kleinen Präsent oder telefonieren mir, um mir mitzuteilen, dass auch nach meinem Einsatz alles gut weiter verlaufen sei. Bei uns zählt noch der Mensch und auch wenn wir die Dauer unserer Einsätze möglichst kurz halten sollten, so liegt es doch immer drin, kurz auf den Kunden einzugehen, ein, zwei Sätze noch mit ihm auszutauschen, bevor ich dann weiter muss. Gerade ältere Personen schätzen das sehr.“

Unser erster Kunde an diesem Tag bestätigt den guten Ruf, den die gelben Engel bei allen geniessen: Als langjähriges TCS-Mitglied hat er den Service in all den Jahren zwar im Maximum vier bis fünf Mal in Anspruch genommen, war aber jedes Mal von A bis Z zufrieden mit der Abwicklung.

Mit 95% ist die Kundenzufriedenheitsrate überdurchschnittlich hoch und zeugt von einer Top-Leistung!

Es geht auch hier nicht ohne: Papierkram und Nachbearbeitung

Bevor wir uns wieder auf den Weg machen können, hat Fusco Administration zu erledigen. Flink erfasst er die Fahrzeugdaten, hält die Ursache der Panne fest und notiert einen kurzen Kommentar zum Vorfall. Sollte kurz nach seinem Einsatz beim Kunden wieder ein Problem auftauchen, könnte er oder ein anderer Patrouilleur im Rapport die Historie nachlesen. Die erfassten Daten werden für interne Statistiken und Auswertungen verwendet und können als Führungsinstrument eingesetzt werden. Erst jetzt kann Fusco den Einsatz abschliessen und sich mental auf den nächsten vorbereiten.

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Von A bis Z: Entpannen geht nicht ohne Administration

Einsatz Nr. 2: Der Platten-Klassiker und die Sache mit dem Reserverad

Gemäss Angaben auf dem Navicom wartet eine Frau in der Zürcher Innenstadt auf einem Parkplatz auf Hilfe – sie hat einen Platten und dies an einem Rad mit – wie Fusco mit grossen Augen sagt – „exotischen“ Dimensionen.

Er geht sofort alle möglichen Ursachen und Lösungsvarianten für diesen Fall durch: „Wenn der Reifen einen Randstein erwischt hat, dann kann ich ihn nicht mehr flicken und muss ihn ersetzen“, denkt er laut. „Ich weiss aber nicht, ob die Kundin respektive ihr Auto über ein Ersatzrad verfügt. Viele neue Autos haben nämlich kein Reserve- oder Notrad mehr, sondern nur noch ein Reifenreparaturset. Wir fahren also am besten beim Stützpunkt vorbei und nehmen aus unserem Ersatzradlager gleich eines mit, dass passen könnte. Und vielleicht haben wir Glück und das Rad hat „nur“ eine Schraube oder einen Nagel erwischt. Das kann ich problemlos vor Ort reparieren – immer vorausgesetzt, die Kundin ist mit dem Platten nicht allzu weit gefahren. Im allerschlimmsten Fall muss das Auto aufgeladen und abtransportiert werden, was aber unter Umständen schwierig bis unmöglich für uns werden könnte, je nach dem, wie schwer ein Auto mit solchen ausserordentlichen Raddimensionen ist. In einem solchen Fall müsste ich den Abtransport an ein anderes Unternehmen delegieren, das dafür ausgerüstet ist.“

Fusco spult den ganzen Prozess ab und lässt alle Optionen offen, um für jede Eventualität, die er vor Ort antreffen mag, gewappnet zu sein.

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Klein aber fein: Das Ersatzradlager am Stützpunkt

Vor Ort treffen wir auf eine junge Mutter mit Kleinkind, welche die Panne glücklicherweise sehr gefasst und ruhig nimmt. Das ist gut so, denn leider tritt nicht der Optimalfall auf: Der Platten ist auf einen Riss in der Seitenwand zurückzuführen und ist irreparabel und das vom Stützpunkt mitgebrachte Ersatzrad passt nicht. Um der Kundin dennoch eine Weiterfahrt zu ermöglichen, entscheidet sich der Patrouilleur, das beschädigte Rad behelfsmässig zu reparieren, damit er zusammen mit der Kundin in einem nächsten Schritt ein nahegelegenes Pneuhaus erreichen kann.

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Nerven bewahren, Ruhe ausstrahlen: Das wirkt sich auch auf den Kunden aus

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Plan A: Vielleicht passt das Ersatzrad

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Plan B: Kreativ, am Limit vielleicht, aber wirkungsvoll!

Gesagt, getan: Fusco stopft den Riss so gut es nur geht, presst so viel Luft rein wie nur möglich und bindet alles mit Klebeband fest ab. Jeder Griff sitzt und innert kürzester Zeit sekundieren wir die Kundin zuversichtlich Richtung Pneuhaus. Regelrecht auf dem letzten Zacken zwar, aber schadlos erreicht sie dieses dann auch. Erst nachdem sich Fusco versichert, dass der Pneuhändler der Kundin weiterhelfen kann und diese ihm auch bestätigt, dass sie ab hier alles weitere auch ohne seine Unterstützung in die Wege leiten könne, verabschiedet er sich und schliesst den Einsatz ab.

„Puh, das war jetzt recht abenteuerlich, gell?“ sagt er mehr zu sich selber als zu mir. „Unglaublich, wie cool diese Frau das Ganze genommen hat!“ Ja, unglaublich – ich merke erst jetzt, wie sehr mich dieser Einsatz mitgenommen hat. Weniger wegen des Sachverhalts, sondern viel mehr, weil ich vor Jahren in derselben Situation wie diese Mutter wohl die Nerven und die Fassung vollends verloren hätte…

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Einsatz mit Kopf, Hand und Herz

Zufrieden, einen weiteren erfolgreichen (und wie ich finde: kreativen!) Einsatz geleistet zu haben, stellen wir uns jetzt darauf ein, zum Stützpunkt fahren zu können. Doch wir haben die Rechnung ohne Wirt gemacht: Ein Klingelton und schon macht Fusco rechts umkehrt und fährt bereits wieder zu einem Einsatz!

Einsatz Nr. 3: Der Geräusch-Klassiker

Auf einem Parkplatz in Affoltern am Albis wartet ein junger, ziemlich ratloser Mann. Er sei auf der Autobahn gefahren und habe plötzlich „da vorne“ ein ratterndes Geräusch gehört, das ihm suspekt vorgekommen sei. Er hätte gleich die nächste Ausfahrt gewählt und sei hierher gefahren. Er wolle nicht, dass allenfalls noch mehr Schaden entstehe. Was das denn sein könne, will er von Fusco wissen.

Der Patrouilleur schaut sich zunächst den Motorraum an, dreht ein bisschen da, zieht ein wenig dort und kann auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches erkennen. Kurzentschlossen schlägt er vor, mit dem Kundenauto ein paar Meter zu fahren, um selber Zeuge des Geräusches zu werden. Fusco braucht nicht lange, kehrt zurück und nimmt gezielt das vordere linke Rad unter die Lupe:

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Die Diagnose ist rasch gestellt. Und manchmal ist sie etwas ärgerlich.

Eine Schraube sitzt locker. So locker, dass sie ihm sozusagen gleich entgegenkommt.

„Der Fall ist klar,“ erklärt Fusco dem Kunden und zeigt ihm die Schraube, „das war die Ursache des Geräusches! Haben Sie die Winterpneus selber montiert? Ich ziehe sie jetzt jedenfalls richtig an und kontrolliere gleich auch die anderen Räder. Und dann können Sie bedenkenlos weiterfahren.”

Nein, der Kunde hat die Winterpneus nicht selber montiert, sondern eine Garage damit beauftragt. Natürlich ist der junge Mann froh, dass das Geräusch nun lokalisiert ist und er bedenkenlos weiterfahren kann. Dennoch lässt er seinem Ärger über eine möglicherweise unsorgfältig ausgeführte Arbeit etwas Luft – was menschlich und auch nachvollziehbar ist, oder?

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Manchmal sucht man zu weit…

Einsatz Nr. 4: Der allgemeine Winter-Klassiker und Murphys Law

Viel Zeit, um über eine mögliche Schuldfrage zu diskutieren, bleibt nicht, denn welch ein Zufall – in Affoltern wartet gleich die nächste Kundin auf Hilfe: Ein Kleinfahrzeug, das mehrere Tage „unberührt“ in der Kälte, vom Schnee völlig zugedeckt am Strassenrand stand, zickte heute morgen und wollte nicht anfahren. Dabei hätte es einen jungen Mann dringendst zu einer Prüfung fahren sollen…!

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Lange Tage alleine und verlassen in der Kälte: Klar bockt das Auto ein bitzeli!

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Lernen von den Besten: Was Fusco kann, kann ich auch. Nicht.

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Der Meister am Werk

“Bei solch eisigen Temperaturen und so viel Schnee halten Autos, die lange draussen stehen, nicht einfach alles aus – das ist normal”, muntert Fusco die Kundin auf. “Nebst Batterien, die den Geist aufgeben, lassen sich zudem oft auch eingefrorene Schlösser oder Türen nicht mehr öffnen.”

In diesem Fall ist es „nur“ die Batterie, die Fusco durch Überbrückung wieder zu neuem Leben erweckt. Zu seinem Rundum-Service gehört dieses Mal nicht nur die Empfehlung dazu, eine 20minütige Runde zu fahren, sondern auch das Saubermachen des kleinen Flitzers!

Ende gut alles gut – auch für den Prüfling, der am Morgen gottlob auf das elterliche Auto ausweichen und noch rechtzeitig zur Prüfung antreten konnte!

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So geht das! Der Rundum-Service ist Ehrensache.

Trotz Präventionsmassnahmen: Eine Panne kann jedem passieren

„Viele Leute haben eine gewisse Hemmschwelle, den Pannendienst aufzubieten. Als hätten sie ein schlechtes Gewissen, etwas falsch gemacht zu haben oder uns mit ihrem Anruf unnötig zu stören“, berichtet Fusco. „Natürlich ist es wichtig, dem Auto Sorge zu tragen, es regelmässig in den Service zu bringen, den Ölstand zu kontrollieren, den Reifendruck zu messen, die Innenbeleuchtung abzustellen und auf leuchtende Warnlampen im Cockpit zu reagieren – aber ganz ausschliessen kannst du eine Panne trotzdem nicht.“

Nebst den heute erlebten Pannenklassikern, gibt es weitere typische Pannenformen, die mir Fusco kurz aufzählt: “Im Eifer des Gefechts wird versehentlich Benzin statt Diesel getankt, oder das Auto läuft zwar an, der Motor stellt dann aber während der Fahrt plötzlich ab, weil zum Beispiel der Keilriemen reisst. Aber auch Benzinmangel, verlorene oder im Auto eingeschlossene Schlüssel führen – nebst der allgemeinen Unfallhilfe, die wir auch leisten – die Pannenstatistik des TCS an.”

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Allseits mit Erleichterung empfangener Helfer

Nach diesem 4. Einsatz fährt Fusco wieder Richtung Stützpunkt und zwar zum Mittagessen. Er hat eine Pause mehr als verdient, denn an diesem Morgen hat er bereits vier Einsätze geleistet – im Durchschnitt sind es fünf pro Schicht. Fusco hat aber den zweiten Teil seiner Schicht noch vor sich und kann heute durchaus einen neuen Rekord aufstellen!

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Hat man wie ich lange Zeit keine Panne mehr gehabt, vergisst man fast, dass man dem TCS ursprünglich wohl wegen seiner am häufigsten beanspruchten Dienstleistung beigetreten ist – nämlich wegen der Pannenhilfe der Patrouille.

Nach diesem Blick hinter die Kulissen ist mir der Wert einer TCS-Mitgliedschaft wieder so richtig bewusst geworden. Eine Panne wünsche ich mir trotzdem nicht. Doch für den Fall, dass mich trotzdem eine ereilt, so hoffe ich ab jetzt, dass dann vielleicht gerade Marco Fusco im Dienst und das Wetter deutlich wärmer ist!

Spannende Facts & Figures rund um die TCS-Patrouille in Kürze:

  • Der TCS existiert seit 1896. Es gibt ihn schon länger als 120 Jahre.
  • Der TCS zählt knapp 1.5 Millionen Mitglieder. Fast jeder 2. Schweizer Haushalt ist beim TCS – oft bereits in der 3. Generation.
  • Pro Jahr leistet der TCS rund 420‘000 Panneneinsätze.
  • Alleine diesen Januar wurden bisher 47‘600 Hilferufe registriert und 25‘700 Einsätze geleistet.
  • Dafür sind schweizweit – verteilt auf 20 Stützpunkte – rund 220 Patrouilleure im Einsatz. Davon 2 Frauen.
  • Ein Patrouilleur legt mit seinen Dienstwagen pro Jahr rund 40’000 km zurück.
  • In der Regel beträgt die durchschnittliche Wartezeit bis zur Ankunft des Patrouilleurs nur 35 Minuten.
  • Im Durchschnitt entpannt ein Patrouilleur fünf Fahrzeuge pro Schicht.
  • In 8 von 10 Fällen können die Kunden die Fahrt mit ihrem Auto fortsetzen.
  • Mit 95% ist die Kundenzufriedenheitsrate überdurchschnittlich hoch und zeugt von einer Top-Leistung!

Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit dem Touring Club Schweiz entstanden. Mein besonderer Dank geht an Patrouilleur Marco Fusco und dessen Vorgesetzten, welche mit ihrer Bereitschaft, Offenheit und Kompetenz diese besondere Berichterstattung überhaupt ermöglicht haben!

Weiterführende Links:

  • Pannenprävention