Unterwegs in der Unterwasser Rohrpost

In Kapitel 5 (ja, so hießen die einzelnen Episoden damals) der Clone Wars Microserie ging es um einen Konflikt zwischen den Mon Calamari und den Quarren auf dem Planeten Dac (aka Mon Calama oder Mon Calamari). Die Quarren hatten sich mit den Separatisten alliiert und bereiteten einen Angriff vor um die Herrschaft über die Wasserwelt zu erlangen. Die Republik sandte Truppen nach Mon Calamari, um ein Wegbrechen des Planeten aus der Republik zu verhindern. Angeführt wurden die Truppen von Kit Fisto.

Unterwegs in der Unterwasser Rohrpost
Der Jedi Meister in 2D

Klingt vertraut, nicht?Nun, damit enden die Gemeinsamkeiten zwischen diesem Kapitel und der Eröffnungstrilogie der vierten Staffel von The Clone Wars aber auch. Die weiteren Beteiligten und der weitere Verlauf der Geschehnisse unterscheiden sich doch recht gewaltig zwischen den beiden Geschichten. Und tatsächlich handelt es sich dabei auch nicht um die gleiche Schlacht. Lt. der “offiziellen” Timeline (die es streng genommen für die Klonkriege ja immer noch nicht gibt) fand die in der Microserie dargestellte erste Schlacht von Mon Calamari rund ein halbes Jahr  vor den Ereignissen statt, die wir in diesem Dreiteiler sehen (und die dementsprechend auch als die zweite Schlacht von MC gilt).

Unterwegs in der Unterwasser Rohrpost

Und woher weis man wer die Guten sind?

Dies wirft natürlich einige Fragen in Bezug auf die Kontinuität auf: haben sich die Quarren und die Separatisten nach ihrer Niederlage in der ersten Schlacht einfach zurückgezogen und hinter den Kulissen weiter intrigiert? Ist die Republik davon ausgegangen, dass mit ihrem Sieg der Friede auf dem Planeten wiederhergestellt ist? Hat man darauf vertraut, dass Yos Kolina – der König und Anführer der Mon Calamari – das wackelige Gleichgewicht zwischen den beiden Völkern wird aufrechterhalten können?

Natürlich lässt sich auch das alles erklären bzw. retconnen, trotzdem ist es seltsam, dass hier ausgerechnet ein Konflikt gezeigt wird, der in recht ähnlicher Form schon anderswo thematisiert wurde…

Appropos Yos Kalina: ich bin gespannt, ob noch gezeigt wird, wer den König ermordet hat, ich denke aber eher nein – und vermutlich ist das auch gut so, denn sonst wären wir wieder bei einer der politischen Episoden und mit denen hat man uns schon in der dritten Staffel genug gelangweilt.

Unterwegs in der Unterwasser Rohrpost

Der König ist tot!

Dieser erste Handlungsbogen (soweit man das eben sagen kann) wird dem “Motto” dieser vierten Staffel  - Battle Lines – durchwegs gerecht. Einmal mehr sind die Bilder und der Ton das absolut Herausragende, einmal mehr ist es wirklich unglaublich wie sehr sich die Serie seit ihrem Start vor rund drei Jahren in Bezug auf das was mittlerweile gezeigt werden kann weiterentwickelt hat. Wem die Folgen um die Schlacht von Geonosis in der zweiten Staffel gefallen haben (so wie mir), der kann hiervon wohl nur hellauf begeistert sein.

Ein interessanter Ansatz ist die Verwendung der Röhren, als Transportmittel zwischen den einzelnen Teilen der Unterwasserstadt. In diesen herrscht eine starke Strömung, was eine rasche Fortbewegung ermöglicht. Und grundsätzlich scheint dieses System auch sicher zu sein, wenn nicht gerade herabstürzende Häuser- oder Raumschiffteile die Rohrpost unterbrechen.

Unterwegs in der Unterwasser Rohrpost

Ackbar guckt in die Röhre

Und noch etwas zeigt sich wieder einmal und dies wiegt umso schwerer, als die Geschichte praktisch komplett unter Wasser spielt: traditionsbedingt sieht man in SW kein bzw. kaum Blut. So auch hier: die Szenen in denen sich Riff Tamson durch die Reihen der Mon Calamari und auch der Klone beisst sind großteils so schnell geschnitten, dass man nur in einem Bild für Bild Vorlauf sieht, welche Zerstörung der Kerl eigentlich anrichtet. Trotzdem sieht man eben kein Blut das im Wasser treibt auch keine abgebissenen Körperteile. Das wäre für ein junges Publikum wohl auch etwas viel gewesen.

Apropos Riff Tamson: zu Beginn hielt ich es nicht gerade für den Gipfel der Kreativität, einen Bösewicht zu entwickeln, der nicht nur aussieht sondern sich auch verhält wie ein großer weißer Hai (mit Beinen) und der einem Volk entstammt (Karkarodon), dessen Name (etwas anders geschrieben) auch genau das bedeutet. Doch angeblich ist der Auftrag eine solche Figur zu entwickeln von GL selbst gekommen und so frage ich mich inzwischen, ob Riff Tamson nicht vielleicht ein Wink in Richtung Steven Spielberg ist. Tatsächlich sind einige der Szenen mit Tamson beinahe identisch inszeniert wie in einem der Jaws Filme. Und da ich ihn - so wie Osi Sobeck – für einen disposable villain (einen entbehrlichen Bösewicht halte) vermute ich, dass er im letzten Teil dieser Trilogie auf irgendetwas beissen wird, das kurz darauf explodiert. Irgendwie finde ich es fast schade, dass in der Musik zu dieser Folge nicht wenigstens ein kleines Zitat des berühmten Themas aus “Der weiße Hai” enthalten ist, aber vielleicht habe ich das auch nur überhört.

Unterwegs in der Unterwasser Rohrpost

Zähneputzen nicht vergessen!

Und weil wir schon bei Kreativität (oder deren Mangel) sind: die riesigen Cyborg-Quallen sehen zwar durchaus bedrohlich aus, sind aber jetzt auch nicht gigantisch originell, zumal sie auch noch Medusas heißen. Nun ja, aber auch Calamari verbindet man auf unserer Erde ja eher mit etwas anderem, also was soll’s? Interessant wäre jedoch zu erfahren, wie die Karkarodons diese Wesen kontrollieren können, denn immerhin schaffen sie es, die Biester durch das Weltall zu transportieren.

Alles in allem ist der Auftakt zur neuen Staffel durchaus geglückt. Dave Filoni hat uns im Vorfeld eine Menge Acion versprochen und die gibt es hier wirklich.

Was es sonst noch zu erwähnen gibt:

  • Die verschiedenen Wasserwesen (Quarren, Mon Calamari…) schaffen es unter Wasser zu reden. Dies ist zwar einerseits seltsam, andererseits hätte es der Geschichte aber wohl nicht gut getan, wenn alle, die keinen Helm aufhaben nur Blubbergeräusche von sich geben würden.
  • Apropos Helm: das Design von Ahsokas Tauchermaske ist durchaus schlau gelöst. Bei Ihrer Kopfform wäre das umgekehrte Goldfischglas, das Anakin und Padme tragen wohl recht groß geworfen und hätte trotzdem doof ausgesehen.
  • Captain Ackbar sagt (Gott sei Dank) nicht: “It’s a trap” – aber er sagt etwas Ähnliches.
  • Einer der Klone sagt, kurz bevor er ins Wasser springt: “Red leader – standing by!”, auch das haben wird irgendwo schon mal gehört.
  • Meena Tills, die Senatorin von Mon Calamari war in Episode III noch ein männliches Wesen. Nett, wenn sich GL jetzt schon selbst widerspricht.
  • Als Ahsoka Anakin seinen Helm zurückbringt hätte ich irgenwie fast erwartet, dass sie so etwas sagt wie: “This helmet is your life!”, so ähnlich wie in AOTC, als Obi-Wan seinem Padawan sein Lichtschwert zurückgibt.
  • Die Mon Calamri verwenden das Höhlensystem tief auf dem Meeresgrund auch in der “Legacy” Comic Serie als Rückzugsgebiet.

Die obigen Bilder und noch viele mehr gibt es wie immer auf meiner Flickr Seite.