Zwei Beispiele:
Seinem Fazit, dass die Schwulenbewegung dann ja fast überhaupt "nichts gebracht" habe, konnte ich eine Schilderung des schwulen Lebens Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre entgegensetzen. Ungläubiges Staunen, als er hörte,
- dass es in den Jahren vor 1969 anonymer Sex zwischen schwulen Männern, vor allem wegen der Angst vor Strafverfolgung, eher die Regel als die Ausnahme war,
- dass die wenigen Schwulenkneipen die es in dieser Zeit gab nicht mit bunten Regenbogen und blinkenden Lichtern auf sich aufmerksam machten, sondern dass man schwach beleuchtete Türen mit vergitterter Luke, zwecks Einlasskontrolle und Schutz vor Polizei und Schlägertrupps, suchen musste,
- dass erst ab 1970 schwule Gruppen gegründet wurden, in welchen es Mitglieder mit echten Namen gab,
- dass die Demonstrationen und Informationsstände von Schwulen in den Jahren 1972/1973 die erste Gelegenheit waren, bei denen man Schwule außerhalb von Polizeiwachen und Gerichtssälen öffentlich wahrnahm.
Wurde es denn nicht aufgeschrieben wie es "früher" war? oder wird es nur nicht gelesen oder verstanden?
Ich hoffe ich konnte helfen das Wissen zu mehren.
Der zweite Fall ist fast schon lustig, wenn er nicht auch traurig wäre.
Mein ungläubiges Staunen bemerkend, erzählte er von seiner Großmutter, die früher Schwule nicht mochte und sie erst akzeptieren kann, seit sie heiraten dürfen.
Mein Versuch, ihm zu schildern, dass nicht das Heiraten unser dringendstes Bedürfnis war, als wir nach 1969 schwul sein durften wenn wir älter als 21 waren, traf auf Unverständnis.
Mein abschließender Vergleich, dass nach der Sklaverei immerhin in der Apartheit auch Sitzgelegenheiten für Schwarze gekennzeichnet und zur Verfügung gestellt wurden, führte dazu, dass er bis heute nicht mehr mit mir spricht.