Unten bleiben oder Absturz vor dem Start

Derzeit schaut die Welt, jedenfalls die deutsche, auf diese Baustelle bei Berlin, die einmal ein Flughafen werden sollte. Von der Dimension der Berichterstattung her fällt mir dazu das Brecht-Zitat von 1945 ein, von wegen dass Berlin dieser Trümmerhaufen bei Potsdam sei. Denn die Berliner kriegen nämlich nicht nur ihre Finanzen nicht auf die Reihe, einen Flughafen bauen können sie auch nicht. Und interessant: Je öfter der Startermin verschoben wird, desto unfertiger wird das Terminal. Hieß es im vergangenen Sommer noch, dass es im Grunde fertig sei und noch ein paar Probleme mit dem Brandschutz gelöst werden müssten, so heißt es nun, dass es eigentlich gar nichts fertig sei, sondern Treppen zu kurz, Versorgungsschächte zu niedrig, Dächer nicht dicht, Gepäckbänder zu wenig, ja überhaupt der ganze Flughafen schon jetzt viel zu klein sei für den zu erwartenden Bedarf und überhaupt alles noch mal abgerissen und neu aufgebaut werden müsse, wenn man es denn richtig machen wolle.

Möwen in Berlin

Lachen sich über menschliche Flugversuche kaputt: Möwen in Berlin

Und April, April, wenn das Ding dann 2030 oder so mal fertig ist, hat Berlin bestimmt den schönsten, größten, teuersten und nutzlosen Flughafen der Welt, weil sich bis dahin eh kein Schwein mehr leisten kann, irgendwo hin zu fliegen, mal abgesehen von den Leuten, die in ihrem Privatjet in der Welt herum fliegen, um ihrem Geld beim Arbeiten zuzusehen. Das sind aber nicht so viele, für die hätte eigentlich Tempelhof gereicht. Wobei, Tempelhofer Feld, grandiose Sache. Natürlich finde ich den Park besser als den Flugplatz. Aber der Privatjet kann ja auch in Sperenberg landen, da ist auch viel Platz für die XXL-Limousinen vom VIP-Shuttle-Service.

Und interessant auch, dass die von den Berlinern mit Hingabe und Inbrunst gebashten Schwaben sich derzeit sehr bedeckt halten – während fast ganz Deutschland mit dem Finger auf Berlin zeigt, dessen Regierungen es im Laufe der Zeit ja tatsächlich zu einer gewissen Meisterschaft im Geldverbrennen gebracht haben, was man je nach Gusto auf die sozialistische Miss- oder die kapitalistische Vetternwirtschaft schieben kann – wobei letztere für die Berliner Finanzmisere eindeutig den größeren Beitrag geleistet hat, Stichworte Bankenskandal und Risikoabschirmung – kein Geläster von der Maultaschenfraktion. Die haben nämlich ihre eigenen Probleme – nur heißen die neuralgischen drei Zeichen dort nicht BER, sondern S21. Während die Berliner es nicht auf die Reihe kriegen, abzuheben, schaffen die Schwaben es nicht, ihren Bahnhof zu versenken. Und so mischen sich in die “oben bleiben!”-Rufe der Schwaben in Berlin schon erste “tiefer legen!”-Forderungen für das Flughafen-Missmanagement.

Wie auch immer die jeweilige Sache ausgeht – sicher ist aber jetzt schon, dass die falschen Köpfe rollen werden, während die Versager oben bleiben. Als Sahnehäubchen habe ich im Handelsblatt noch einige Zahlen zu den jeweiligen Projekten gefunden:

Prognostizierte Kosten in Euro

Stuttgart 21:
1995: 2,45 Milliarden Euro
2008: 2,8 Milliarden Euro
2010: 4,53 Milliarden Euro
2012: 6,8 Milliarden Euro

BER:
2004: 1,7 Milliarden Euro
2008: 2,4 Milliarden Euro
2010: 2,9 Milliarden Euro
2012: 4,3 Milliarden Euro

Quelle : Handelblatt vom 8.1.2013 Kontrollverlust der Kontrolleure



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