Unschuldsvermutung

„Die Unschuldsvermutung ist eines der Grundprinzipien eines rechtsstaatlichen Strafverfahrens.“ Eine abgewandelte Form dieses Prinzips wird offenbar auch auf Boxer und Boxerinnen angewendet. Immer wenn ein Boxer oder eine Boxerin keine guten Gegner bekommt oder wenn überfällige Rückkämpfe nicht zu Stande kommen, dann ist der Boxer unschuldig. Im gleichen Atemzug mit dieser Unschuldsvermutung wird dann die Schuld dem Veranstalter zugewiesen. Dann wird erklärt: „Den Boxer lässt man keine besseren Gegner boxen“, oder „der Boxer muss tun, was der Veranstalter ihm sagt“ usw. Zum Teil kann ich dieser Argumentation folgen, aber zum Teil halte ich sie schlicht für eine faule Ausrede. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Boxer, der den Mut hat, wenn man ihn denn lässt, mit den gefährlichsten und Furcht einflößendsten Boxern seiner Gewichtsklasse in den Ring zu steigen, um mit ihm seine Kräfte zu messen, nicht den Mut hat laut seine Wünsche zu äußern. Kann man glauben, dass ein vor Selbstbewusstsein nur so strotzender Weltmeister zu einem vor Angst eingeschüchterten Kind wird, das nicht mehr wagt, den Mund aufzumachen, kaum dass ein Mitarbeiter des Managements das Gym betritt?
Was ich damit sagen will, ist, dass ich mich tatsächlich kaum an einen Boxer erinnern kann, der nur halbwegs laut und vernehmlich, einen besseren Gegner gefordert hätte. Gut, es gab Felix Sturm und Zsolt Erdei bei Universum Box-Promotion und Arthur Abraham bei Sauerland Event. Gab es aber noch andere Boxer, die öffentlich bessere Gegner oder sportlichere Herausforderungen gefordert haben?
Es steht wohl außer Frage, wer in der Beziehung zwischen Promoter und Boxer in der Regel das Sagen hat. Aber manchmal habe ich auch den Verdacht, dass die meisten Boxer sich ganz wohl fühlen in der Rolle des unterdrückten und unschuldigen Opfers. Nehmen wir als Beispiel Susi Kentikian: Da ist eine Frau, die nennt sich „Killer Queen“. Sie erzählt gerne, dass sie „sehr willensstark“ ist und „sich durchsetzen kann“. Aber wo bleibt ihr Durchsetzungsvermögen und ihre Willensstärke, wenn es um die überfälligen Rückkämpfe mit Nadia Raoui und Arely Mucino geht?
Wenn man etwas haben möchte, muss man in der Regel auch seinen Wunsch laut und deutlich artikulieren. Das ist im Restaurant so und wohl auch beim Profiboxen. Wieso können Boxer und Boxerinnen nicht einfach klar und deutlich ihre Wünsche äußern? Ich glaube nicht, dass sie es unterlassen, weil sie solch eine existenzielle Angst vor ihren Veranstaltern haben. Vielmehr äußern die meisten Boxer deshalb keine Gegner-Wünsche, weil sie mit ihren Gegnern zufrieden sind. Wieso auch sollten sie gegen Stärkere boxen wollen? Dadurch erhöht sich doch nur das Risiko zu verlieren. Ich bin gegen die Unschuldsvermutung, jedenfalls in den beschriebenen Fällen.
© Uwe Betker



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