Und wie war dein Wochenende?

Von Skeltem

Gesellschaft ist Gewalt, Familie ist die Grundlage der Gesellschaft

Am letzten Wochenende habe ich meinen Freund M. in G. besucht. Es ist immer wieder schön, M. Zu treffen. Leider hat er viel zu tun, so dass wir uns selten sehen.
M. und seine Frau H. haben zwei kleine Mädchen, F. und N. Beim Frühstück am Sonntag wurde ich Zeuge einer Szene, die wohl jeder kennt, der Kinder hat. Die Mädchen sollten sich anziehen. H. hatte für beide Kleider heraus gelegt. N., die jüngere zog sich artig das Sonntagskleid an, das ihre Mutter heraus gelegt hatte. F. dagegen schien plötzlich von einem Schlag getroffen. Sie schrie auf und rannte laut heulend aus ihrem Zimmer in das Wohnzimmer, H. hinter ihr her. H. redete auf sie ein, aber F. war untröstlich. Dann verschwanden beide wieder und ich bekam nur Geschrei mit.
Während dieser ganzen, für mich höchst beunruhigenden, Szene saß M. ungerührt am Tisch und aß sein Brötchen.
Etwas irritiert fragte ich ihn: „Was ist denn da passiert? Hat F. sich verletzt oder so etwas?“ Resigniert antwortete er: „Nein, sie mochte das Kleid nicht, das H. für sie raus gelegt hat.“
„Und das geht jedes mal so?“
„Ja.“
Kurz darauf kam F., nun versöhnt, mit einem anderen Kleidchen ins Esszimmer. H. war sichtlich erschöpft.
Ich musste daran denken, dass Maurice Bloch geschrieben hat, dass bestimmte Gesellschaften sich auf ritualisierter Gewalt gründeten. Ich frage mich, ob er Kinder hatte.

Ich will ihn nicht im Gesicht haben!

Auf der Rückfahrt waren die Züge wieder einmal übervoll. Meine Agoraphobie muckte hin und wieder auf und ich versuchte, so gut es ging, die qualvolle Enge im Abteil zu ignorieren. Einatmen – was hat der denn gegessen? Ugh – Ausatmen – Einatmen – Moment, ist das mein Hintern? – Ausatmen – einatmen – He, das Deo wurde schon erfunden! – Ausatmen.
Auf der Strecke nach Saafeld hatte ich Glück und ergatterte einen Sitzplatz. Der Zug war einer dieser neuen Großraum-Nahverkehrszüge, die aussehen wie übergroße Straßenbahnen. Vielleicht kennst ihr die? Mit viel Platz über den Köpfen (meine Agoraphobie atmete auf) und großer Stellfläche für Fahrräder. Am letzten Sonntag war einigermaßen schönes Wetter, deswegen waren viele mit dem Fahrrad unterwegs und die Stellfläche füllte sich. Genau vor mir. Nun gut, der Zug war nicht so voll wie der letzte und in Saalfeld war eh Endstation, also keine Panik. Dann kamen die Profifreizeitradler mit ihren Mountainbikes.

Die Bikes waren wahre Monster von Fahrrädern. Wenn Mad Max je das Benzin und das Testoteron ausgegangen wären, würde er so etwas fahren. Und dreckig! ‘Schaut her’, sagten sie,’wir haben heavy action gesehen. Wir sind die Veteranen jeder Pfütze des Thüringer Waldes. Don’t mess with us, Fußgänger.’ Ich vermute, ihre Besitzer kultivieren den Schlamm irgendwie. Die waren dann auch sehr professionell angetan in Fahrradhelm, gelben Trikots (lol) und Radlerhosen.
Um, Radlerhosen. Enge Radlerhosen. Direkt .. vor .. meinem .. Gesicht. Und es stiegen immer mehr Leute ein. Die Hosen kamen immer näher. Um.
Ich bin mir meiner Sexualität ziemlich sicher. Und nach Sonntag war ich mir noch viel sicherer. Das nächste Mal stehe ich lieber.

Spass mit der Bahn, die 23526.

Wann verübt jemand endlich einen Anschlag auf die „Bitte Durchsagen beachten“-Schilder? Ich habe ja nichts gegen ein wenig Adrenalin. Aber dieses dauernde Raten, was das Geplärre bedeutet, dann das Lesen der entsetzten Hörer-Gesichter und die Entscheidung, ob ich mich jetzt der Stampede anschließe oder ob die einem völlig anderen Zug gilt geht mir langsam auf den Sack. Schon für den normalen Bahnkunden ist Zugfahren ja ein Glücksspiel geworden. Für Behinderte ist es wie Russisches Roulette.
Vielleicht können sie von der nächsten Preiserhöhung mal ein bisschen mehr Plan kaufen. HAHAHA.