… und meine Frau mich vor dem Verhungern rettete.

Vor 13 Jahren habe ich mit dem Rauchen aufgehört. Zuerst hatte ich ziemlich heftigen Entzug. Nach zwei Wochen war es besser und nach einem halben Jahr hatte ich sogar den Griff nach der Morgenkippe draußen. Auf Partys konnte ich auch irgendwann wieder gehen und nach einem Jahr war ich dann endlich auch psychisch ‘clean’.

 

„Ein Schwein frisst und schläft in seiner Scheisse. Ich esse kein Fleisch von einem Tier, dass nicht genug Verstand besitzt, sich aus seinen eigenen Fäkalien zu erheben.“


Eingedenk dieser Erfahrung machte ich mich als frisch gebackener Veggie auf allerhand gefasst. Was passierte war: nichts. Fleisch ist, trotz der Propaganda einiger Fundamental-Vegetarier, kein Nervengift. Es macht soweit süchtig, wie man nun mal Nahrung braucht.

Die schlimmsten Entzugserscheinungen spielten sich in meinem Kopf und in meinen Gewohnheiten ab. Wie schon geschrieben, ernähre ich mich nicht gerade gesund. Ok, „nicht gerade“ wie in „Weißrussland ist nicht gerade eine Demokratie“. Wovor es mich gruselte war, dass ich nun jeden Tag irgendwas kochen müsste. Mit Vitaminen!

Aber zum Glück ist es gerade schick, Vegetarier zu sein. Und die Bionade-Bohême steht auch nicht auf Grünkern-Eintopf mit Tofuwurst-Einlage. Die grüne Hausfrau und Mutter hat eine Karriere und kann nicht stundenlang Körner weich kochen. Deswegen gibt es in jedem halbwegs gut sortierten Supermarkt heutzutage vegetarisches Fast Food. Tofu-Schnitzel, vegetarische Bolognese Sauce, sogar Tofu-Gyros und, Gipfel der Dekadenz, vegetarische Currywurst für die Mikrowelle. Veggie-King!

Der schwere Schritt von fleischlicher zu pflanzlicher Ernährung war keiner. Ich war enttäuscht. Irgendwie hatte ich mir vorgestellt, so eine Art „Held der Umwelt“ zu werden. Unter großen Entbehrungen und ständigen Anfechtungen der Fleischeslust mit zusammen gebissenen Zähnen meinen Bratling zu essen*. Ein Antonius der Vegetarier!

Statt dessen gab es in den zwei Monaten eigentlich nur zwei Gelegenheiten, in denen ich nach Fleisch gierte: einmal lief ich an einer Imbissbude vorbei und bekam einen unglaublichen Japp auf Currywurst und Pommes. Ein andermal roch es verführerisch nach kross Gebratenem aus einer Dönerbude.

 

Ich will große Rachetaten an denen vollführen, die da versuchen meine Brüder mit Gammelfleisch zu vergiften und zu vernichten.“


Mein Schicksal ereilte mich, wie üblich, in Form meiner Krankheit. Dazu muss man vielleicht wissen, dass ich sehr dünn bin. Zu dünn. Essen ist schwierig und oft „Arbeit“. Und ab einem bestimmten Punkt, kriege ich wortwörtlich ‘nichts mehr rein’. In der Zeit, in der ich ‘was rein kriege’ muss ich so viele Kalorien wie möglich zu mir nehmen. Chips und Kuchen sind feste Bestandteile meines Speiseplanes. Am liebsten Sahnetorte.

Der Rest der Saga ist also rasch erzählt. Pflanzliche Nahrung hat weniger Kalorien als fleischliche. Ich sehe das an Lapis, die große Mengen Zeug in sich rein schaufelt, aber nicht dick wird. Sie hatte mich auch gewarnt. Sie meinte, dass ich kein Vegetarier sein kann in meinem Zustand. Ich wollte nicht hören (ha!) und nahm in den zwei Monaten fast zwei Kilo ab, was in meiner Lage prekär ist.

Vor zwei Wochen überzeugte Lapis mich, das Projekt „Fleischfrei geht die Welt nicht zu Grunde“ abzubrechen.

Und wieder erwartete ich, dass Schlimmes passiert. Ekel vor der Fleischmahlzeit. Durchfall. Allgemeines Unwohlgefühl. Schreckliche Gewissensbisse. Was war? Nichts war. Wie beim Fleischverzicht war auch der Rückfall total langweilig.

 

Veggie Royal mit Käse“


Ich werde es auf jeden Fall, besser geplant, noch einmal machen. Ich schaue, dass ich die Kalorien irgendwoher bekomme, vielleicht aus Getränken. Denn eines haben mir die zwei Monate als Veggie gezeigt: Man braucht als Normalköstler kein Fleisch mehr. Man muss nicht mehr in Reformhäusern sein Eigenheim zu Brot machen. Das Essen ist nicht fade und langweilig. Es gibt tausende von vegetarischen Kochbüchern. Vegetarische Restaurants schießen wie Pilze aus dem Boden. Selbst Fast-Food Ketten haben die Zeichen der Zeit erkannt. Der VeggieBurger bei McDoof schmeckt besser als die Fleischbuletten. Wovon mich Lapis überzeugt hatte, den ich wäre von alleine nicht mehr in den Laden gegangen.

Nachdem ich die letzte Miszelle veröffentlicht habe, gab es in meinem „Hausforum“ eifrige Wortmeldungen von Leuten, die „nicht auf Fleisch verzichten können“. Das brachte mich in eine komische Situation. Denn einerseits finde ich den vegetarischen Lebensstil richtig und gut und das Essen industriell gezüchteter Tiere unmoralisch und Tiere essen insgesamt destruktiv für unseren Planeten. Auf der anderen Seite esse ich selber seit etwas über einer Woche wieder Fleisch und sicher nicht nur von frei laufenden Rindviechern. Deswegen werde ich noch eine weitere Miszelle zu dem Thema schreiben. Die dreht sich dann um grundsätzliche Erwägungen.

 

*Allein das ist eine Heldentat.

Im Oktober und November war ich Vegetarier. Kein Tier kam über meine Lippen. Ich kaute keinen Kadaver. Statt dessen aß ich Gewachsenes und Tierdrüsenprodukte. Es war … unspektakulär.

 

Meine Frau ist Vegetarierin, was mich auch zu so etwas wie einem Vegetarier macht“

 

Lapis isst seit rund einem Vierteljahrhundert keine toten Tiere mehr. Deswegen kommt bei uns zu Hause auch so gut wie nie Fleisch auf den Tisch. Auf meinem Brötchen lag manchmal Wurst, aber irgendwie verlor die den Reiz und ein leckerer Käse schmeckt besser als eine abgepackte Salami „du Plastique“. Ich war also schon seit Jahren latent Vegetarier. Mit Lapis essen ist praktisch vegetarische Ernährung. Daher weiß ich auch, dass es nicht langweilig ist, auf Fleisch zu verzichten.

Meinen Kadaver-Kick hole ich mir von Außerhalb. Allerdings sind die Fleischtöpfe Coburgs auch nicht so reizvoll. Gut, es gibt das eine oder andere Restaurant, in dem man essen kann. Aber für mich ist eine Mahlzeit immer eine Zeit aufreibende Angelegenheit. Auswärts zu essen ist ein ziemlicher Aufwand. Und vom Geld will ich hier mal gar nicht schreiben. Meine Ernährung ist, man kann es sich denken, ziemlich schlecht. Jedenfalls unter der Woche. Fast Food und Fertigessen.

 

Dass ist ein Bisschen mehr Info, als ich brauchte.“

 

Es gibt einige Gründe, warum ich mich entschlossen habe, auf Fleisch zu verzichten. Natürlich ist das Leben mit einer Vegetarierin ein Anreiz. Zu Beginn unserer Beziehung wollte ich die ein paar Mal „umdrehen“. Fleisch ist immerhin „ein Stück Lebenskraft“. Oma lässt grüssen. Das hat aber (zum Glück) nicht hingehauen und wir sind dann sehr schnell dietär tolerant geworden.

Zum Anderen kam ich gerade aus der Türkei, wo es im All-Inclusive-Hotel jeden Tag Berge toten Tieres zu essen gab. Irgendwann ging mir das auf die Nerven, aber als Alternative blieben nur die Beilagen. Ich hasse Zwangsernährung.

Den Ausschlag hat schließlich mein Gewissen gegeben. Erstens scheint erwiesen zu sein, dass die industrielle Produktion von Fleisch (das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen) für einen Großteil der Treibhausgase in der Atmosphäre verantwortlich ist. Die genaue Prozentzahl ist mir egal, aber es viel zu viel. Man kann nicht „für die Umwelt“ sein und Fleisch essen. Jedenfalls nicht industriell hergestelltes (!). Und anderes gibt es heute kaum noch. Außerdem sind die Bedingungen, unter denen die Fleisch liefernden Tiere gehalten und geschlachtet werden, inakzeptabel für jeden Menschen, der sich einen Hauch Mitgefühl erhalten hat. Und spätestens seit „Tiere Essen“ von J.S. Froer kann man eigentlich nicht mehr sagen, dass man es nicht wusste. Zumindest nicht, wenn man nicht im Koma liegt oder die „BLÖD“ für eine hervorragende Informationsquelle hält.

 

Sag noch einmal ‘Fleisch’! Noch ein einziges Mal!“

 

Auf dem Rückflug von Antalya war es dann soweit. Ich ließ das Hühnchen (?) in der geschmacklosen Mehlpampe liegen und aß nur die Beilagen. Kein totes Tier mehr für diesen Mann, Madam. Und so bleib es. Bis letzten Freitag.

 

Vor 13 Jahren habe ich mit dem Rauchen aufgehört. Zuerst hatte ich ziemlich heftigen Entzug. Nach zwei Wochen war es besser und nach einem halben Jahr hatte ich sogar den Griff nach der Morgenkippe draußen. Auf Partys konnte ich auch irgendwann wieder gehen und nach einem Jahr war ich dann endlich auch psychisch ‘clean’.

 

„Ein Schwein frisst und schläft in seiner Scheisse. Ich esse kein Fleisch von einem Tier, dass nicht genug Verstand besitzt, sich aus seinen eigenen Fäkalien zu erheben.“

 

Eingedenk dieser Erfahrung machte ich mich als frisch gebackener Veggie auf allerhand gefasst. Was passierte war: nichts. Fleisch ist, trotz der Propaganda einiger Fundamental-Vegetarier, kein Nervengift. Es macht soweit süchtig, wie man nun mal Nahrung braucht.

Die schlimmsten Entzugserscheinungen spielten sich in meinem Kopf und in meinen Gewohnheiten ab. Wie schon geschrieben, ernähre ich mich nicht gerade gesund. Ok, „nicht gerade“ wie in „Weißrussland ist nicht gerade eine Demokratie“. Wovor es mich gruselte war, dass ich nun jeden Tag irgendwas kochen müsste. Mit Vitaminen!

Aber zum Glück ist es gerade schick, Vegetarier zu sein. Und die Bionade-Bohême steht auch nicht auf Grünkern-Eintopf mit Tofuwurst-Einlage. Die grüne Hausfrau und Mutter hat eine Karriere und kann nicht stundenlang Körner weich kochen. Deswegen gibt es in jedem halbwegs gut sortierten Supermarkt heutzutage vegetarisches Fast Food. Tofu-Schnitzel, vegetarische Bolognese Sauce, sogar Tofu-Gyros und, Gipfel der Dekadenz, vegetarische Currywurst für die Mikrowelle. Veggie-King!

Der schwere Schritt von fleischlicher zu pflanzlicher Ernährung war keiner. Ich war enttäuscht. Irgendwie hatte ich mir vorgestellt, so eine Art „Held der Umwelt“ zu werden. Unter großen Entbehrungen und ständigen Anfechtungen der Fleischeslust mit zusammen gebissenen Zähnen meinen Bratling zu essen*. Ein Antonius der Vegetarier!

Statt dessen gab es in den zwei Monaten eigentlich nur zwei Gelegenheiten, in denen ich nach Fleisch gierte: einmal lief ich an einer Imbissbude vorbei und bekam einen unglaublichen Japp auf Currywurst und Pommes. Ein andermal roch es verführerisch nach kross Gebratenem aus einer Dönerbude.

 

Ich will große Rachetaten an denen vollführen, die da versuchen meine Brüder mit Gammelfleisch zu vergiften und zu vernichten. „

 

Mein Schicksal ereilte mich, wie üblich, in Form meiner Krankheit. Dazu muss man vielleicht wissen, dass ich sehr dünn bin. Zu dünn. Essen ist schwierig und oft „Arbeit“. Und ab einem bestimmten Punkt, kriege ich wortwörtlich ‘nichts mehr rein’. In der Zeit, in der ich ‘was rein kriege’ muss ich so viele Kalorien wie möglich zu mir nehmen. Chips und Kuchen sind feste Bestandteile meines Speiseplanes. Am liebsten Sahnetorte.

Der Rest der Saga ist also rasch erzählt. Pflanzliche Nahrung hat weniger Kalorien als fleischliche. Ich sehe das an Lapis, die große Mengen Zeug in sich rein schaufelt, aber nicht dick wird. Sie hatte mich auch gewarnt. Sie meinte, dass ich kein Vegetarier sein kann in meinem Zustand. Ich wollte nicht hören (ha!) und nahm in den zwei Monaten fast zwei Kilo ab, was in meiner Lage prekär ist.

Vor zwei Wochen überzeugte Lapis mich, das Projekt „Fleischfrei geht die Welt nicht zu Grunde“ abzubrechen.

Und wieder erwartete ich, dass Schlimmes passiert. Ekel vor der Fleischmahlzeit. Durchfall. Allgemeines Unwohlgefühl. Schreckliche Gewissensbisse. Was war? Nichts war. Wie beim Fleischverzicht war auch der Rückfall total langweilig.

 

Veggie Royal mit Käse“

 

Ich werde es auf jeden Fall, besser geplant, noch einmal machen. Ich schaue, dass ich die Kalorien irgendwoher bekomme, vielleicht aus Getränken. Denn eines haben mir die zwei Monate als Veggie gezeigt: Man braucht als Normalköstler kein Fleisch mehr. Man muss nicht mehr in Reformhäusern sein Eigenheim zu Brot machen. Das Essen ist nicht fade und langweilig. Es gibt tausende von vegetarischen Kochbüchern. Vegetarische Restaurants schießen wie Pilze aus dem Boden. Selbst Fast-Food Ketten haben die Zeichen der Zeit erkannt. Der VeggieBurger bei McDoof schmeckt besser als die Fleischbuletten. Wovon mich Lapis überzeugt hatte, den ich wäre von alleine nicht mehr in den Laden gegangen.

Nachdem ich die letzte Miszelle veröffentlicht habe, gab es in meinem „Hausforum“ eifrige Wortmeldungen von Leuten, die „nicht auf Fleisch verzichten können“. Das brachte mich in eine komische Situation. Denn einerseits finde ich den vegetarischen Lebensstil richtig und gut und das Essen industriell gezüchteter Tiere unmoralisch und Tiere essen insgesamt destruktiv für unseren Planeten. Auf der anderen Seite esse ich selber seit etwas über einer Woche wieder Fleisch und sicher nicht nur von frei laufenden Rindviechern. Deswegen werde ich noch eine weitere Miszelle zu dem Thema schreiben. Die dreht sich dann um grundsätzliche Erwägungen.

 

*Allein das ist eine Heldentat.



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