Umweltsünder

Von Beautifulvenditti

Ich hab’s ja gewusst, dass Karlsson eines Tages gegen uns rebellieren wird, aber dass er ausgerechnet mit der Aluminiumfolie anfangen muss, das schockiert mich doch sehr. Da setzt sich unser Ältester frühmorgens seelenruhig an den Frühstückstisch, schmiert sich ein Pausenbrot und wickelt es ohne einen Augenblick zu zögern in Aluminiumfolie ein. Die Folie, die sich irgendwann trotz meiner Wachsamkeit in unsere Küche geschlichen hat und die ich einzig dazu verwende, den Kindern eine warnende Predigt über die böse, böse Folie zu halten, die sie unter keinen Umständen verwenden sollen. “Als ich euren Papa kennen lernte”, sage ich jeweils “schmierte ihm seine Mama jeden Tag ein Pausenbrot und wickelte es in eine halbe Rolle Aluminiumfolie ein. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie viel Einsatz es mich gekostet hat, den Armen aus den Klauen dieser schrecklichen Folie zu befreien. Kinder, haltet die Finger davon, ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie gefährlich sie ist…” 

Ja, und jetzt schlägt der sonst so brave Karlsson alle meine Warnungen in den Wind, schnappt sich die Folie und wickelt sein Brot so dick darin ein, dass es seiner Nonna eine wahre Freude wäre. Und währenddem er noch wickelt, sehe ich vor meinem inneren Auge, wie die Folie am Ende der Pause im Abfalleimer landen wird. Wenn Karlsson sich schon mit Leichtigkeit über mein Alufolien-Verbot hinwegsetzt, dann wird er sich auch einen Dreck um meine Forderung, das Zeug zumindest in unserem Aluminium- und Doseneimer zwischenzulagern, bis ich Zeit finde, zur Sammelstelle zu gehen. 

Als Karlsson schon längst im Schulzimmer sitzt, sinne ich noch immer darüber nach, wie es soweit hat kommen können, dass mein nach fast allen grünen Grundsätzen erzogener Sohn mit Leichtigkeit eines der grundlegendsten Verbote übertritt.