Umstrittene Pläne für Schatzbohrungen auf dem Ettersberg

Umstrittene Pläne für Schatzbohrungen auf dem Ettersberg

Der Steinbruch nach der Befreiung des KZ Buchenwald 1945. Die Gebäude stehen nicht mehr, das Gelände ist zugewachsen. Foto: Gedenkstätte Buchenwald Der Steinbruch nach der Befreiung des KZ Buchenwald 1945. Die Gebäude stehen nicht mehr, das Gelände ist zugewachsen. Foto: Gedenkstätte Buchenwald

Für neue Pläne, in Buchenwald nach verstecktem Raubgut zu graben, suchte ein Schatzjäger Rückendeckung bei Wolfgang Nossen von der Jüdischen Landesgemeinde. Nach einer Ortsbesichtigung mit Archäologen und Gedenkstättenmitarbeitern sieht man zwar keinen unmittelbaren Handlungsbedarf, die Neugier aber bleibt.

Wolfgang Nossen winkt ab. Ja, er war mit zur Ortsbesichtigung im Steinbruch auf dem Ettersberg, und nein, er glaubt nicht daran, dass dort noch Schätze verborgen liegen, sagt der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde.

Dass er jetzt möglicherweise herhalten musste als neue Trumpfkarte, um den seit Langem umstrittenen Plänen zu Schatzbohrungen auf dem Ettersberg neuen Nachdruck zu verleihen, stört den 80-Jährigen nur wenig. Es habe auch so Gründe für ihn gegeben, den Steinbruch zu sehen. Nach dem Judenpogrom von 1938 musste hier sein Vater schuften. “Ich war bisher noch nie dort, so oder so, für mich ist es ein sehr persönlicher und sehr beklemmender Ort.”

Die nun offenbar erneut ins Gespräch gebrachte Schatzsucherei nach vermeintlichem Raubgold der Nazis bezeichnet Wolfgang Nossen dagegen als “vertane Zeit”.

Tatsächlich hat die Geschichte einen ewig langen Bart. Bei ihren Fahndungen nach dem legendären Bernsteinzimmer richteten Hobby-Ausgraber nach der Wende auch schnell ihren Blick auf das ehemalige KZ-Gelände bei Weimar. Anlass boten schon damals Überlieferungen, denen zufolge die Amerikaner nach der Befreiung des Lagers im Steinbruch Kistenweise Gold und Edelmetalle bargen und abtransportierten.

So weit so richtig, sagt Gedenkstättenhistoriker Harry Stein. Die Funde seien durch zahlreiche Dokumente wie Fotos und einen Film belegt, die im Archiv der Gedenkstätte aufbewahrt werden. Zu sehen sind Kisten voll mit Schmuck, Besteck, Leuchtern, Menoras.

Schatzgräber vermuten insgesamt acht Stollen

Nach Auskunft von Stein handelte es sich um Raubgut, das die Nazi zunächst in Auschwitz auf Wiederverwertbarkeit prüfen ließen. Als das Vernichtungslager im heutigen Polen zunehmend in Bedrängnis durch die vorrückende Rote Armee geriet, verlegte man die Sammelstelle Ende 1944 nach Buchenwald. Im März 1945 wurde schließlich alles im Steinbruch eingelagert, in zwei Stollen, die dort eigens von SS-Pionieren gegraben worden waren.

Alles gefunden, alles gesagt, könnte man meinen. Doch weit gefehlt. Seit den frühen 90ern kursiert in Thüringen eine Zeichnung (siehe Foto), die seitdem die Begierden der Schatzgräber befeuert. Vermutlich handelt es sich dabei sogar um die originale Skizze eines Häftlings, anhand derer die Amerikaner seinerzeit fündig wurden. Wie sie aus den National Archives in die Öffentlichkeit gelangte, darüber gibt es allerdings unterschiedliche Versionen.

Wie auch immer, die Schatzgräber sehen in dem Blatt den Beleg, dass es im Steinbruch insgesamt acht Stollen gab. Zwei hätten die Amerikaner ausgeräumt, bleiben noch sechs. Thüringens bekanntester Bernsteinzimmer-Sucher, der Weimarer Hans Stadelmann, erwirkte 1994 eine Genehmigung, mittels Bodenradar nach Hohlräumen zu forschen.

Man habe, so die Gedenkstätte damals, sich in der eh schon durch Rote-Kapo-Debatten und anderes aufgeheizten Situation nicht nachsagen lassen wollen, der historischen Aufklärung im Wege zu stehen.

Belegt sind Funde von Wertgegenständen durch zahlreiche Fotos und Filmaufnahmen, die im Archiv der Gedenkstätte Buchenwald aufbewahrt werden. Foto: National Archives Belegt sind Funde von Wertgegenständen durch zahlreiche Fotos und Filmaufnahmen, die im Archiv der Gedenkstätte Buchenwald aufbewahrt werden. Foto: National Archives

Stadelmann fand Hohlräume, was aber bei der Muschelkalk-Beschaffenheit des Geländes nichts bedeuten musste. “Der Ettersberg ist wie ein Schweizer Käse”, sagt Harry Stein, Sicherheit hätten nur Bohrungen bringen können.

Dazu aber kam es 1994/95 nicht mehr. Stadelmanns Partner erwiesen sich als dubiose Raubgräber, die wohl auf eigene Rechnung schürfen wollten, was der Weimarer selbst der Gedenkstätte anzeigte. Die ließ daraufhin den Steinbruch bewachen, schließlich gerieten die Bohrpläne in Vergessenheit.

via Umstrittene Pläne für Schatzbohrungen auf dem Ettersberg – thueringer-allgemeine.de.


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