Überraschungen am Whisky-Tasting in der Daniele Bar

Von Rwarth

Bequeme Clubsessel in der privaten Lounge der Daniele Bar

Zeitlich früher als gewohnt, begann ich mit meinem mittlerweile traditionellen Whisky-Tasting in der kürzlich eröffneten Daniele Bar in Luzern. Zwanzig interessierte Geniesser aus der näheren und weiteren Umgebung von Luzern kamen in den Genuss der folgenden sechs unterschiedlichen Whiskies:
1. Port Dundas, 37jährig, 1973, 55.4%, Duncan Taylor, 374 FlaschenUnüblich für ein Tasting wurde zuerst ein lang gereifter Grain-Whisky gereicht, dessen Geschmack stark an ebenfalls unterschätzten Armagnac erinnert. So fanden sich in der Nase süsser Sherry, Rosinen und eine leichte Vanille-Note. Die Überraschung folgte im Gaumen und im Abgang: Süsser, intensiver, voluminöser Sherry, der stark an Hustenzückerli erinnert, mit einem sehr langen, wärmenden, cremig angenehmen und trockenen Abgang.

Eine Grain-Abfüllung, die manchen Single Malt zweitklassig aussehen lässt


Nach dem regelrechten Wachrütteln der Geschmacks-Knospen ging es mit dem zweiten Whisky ins Herz der Whiskyproduktion und zu einem wahren Giganten Schottlands: Macallan.
2. Macallan, 19jährig, 1990, 43%, The Whisky Trail - Speciality DrinksMit Macallan werden die schweren sherrytönigen Single Malts der Extraklasse und die leichteren im Bourbonfass gelagerten Abfüllungen assoziiert. Und hier hört die Gemeinsamkeit mit der Abfüllung von Sukhinder und Rajbir Singh auf. Der Whisky lagerte zwar stattliche 19 Jahre in einem ehemaligen Bourbonfass, aber die Geschmacksnoten sind - bei Raumtemperatur - weitaus lieblicher und harmonischer und mit einer stärkeren Vanille-Note versehen als die Fine Oak-Abfüllungen.

Macallan - einmal anders: diskret trocken, sahnig und mit herrlicher Vanille-Note


Nachdem der Sherry-Klassiker der Speyside in einem Bourbonfass aufwartete, wählte ich für Sherry-Anhänger einen Aberlour aus.
3. Aberlour, 16jährig, 1992, 46%, The Single Malts of Scotland - Speciality Drinks, 805 FlaschenDie Destillerie führte bis vor wenigen Jahren ein Mauerblümchen-Dasein, bis sich Pernod Ricard wieder auf die Qualität der Brennerei besann und in der Folge das Marketing verstärkt hat. Das von Speciality Drinks abgefüllte Fass erfüllte mit seiner Sherry- und Sultaninen-Note, dem leichten Honig-, Gras- und Pfeffer-Geschmack im Gaumen und dem weichen, angenehm trockenen Abgang alle Erwartungen.
4. Highland Park, Leif Eriksson Release, 40%, Destillerie-AbfüllungHommages der nördlichsten Destillerie Schottlands an Wikinger ist an sich nichts Neues (siehe Earl Magnus/ Haakon). Bei Leif Eriksson wird aber weniger Orkney als Wikinger-Ort zelebriert, als vielmehr die Entdeckung Amerikas durch eben jenen Wikinger, der deshalb auch als 'der Glückliche' in die Geschichte eingegangen ist. 

Entdecker Labradors und Neufundlands

In der Nase finden sich leichte Pfeffernoten, Vanille, Anflüge von Malz, Bitterorangen und wenig Rauch. Im Gaumen ist der Whisky leicht aggressiv und dennoch malzig süss, mit Vanille und wenig Heidekraut. Der Abgang ist eines Wikingers würdig: Wuchtig, lang, malzig, trocken-klebrig.
5. Spirit of Unity, 46%, Charity-Abfüllung für Fukushima Tragödie, 2'000 FlaschenNach der Jahrhundert-Katastrophe in Japan spendeten sieben unabhängige Destillerien Schottlands jeweils ein Fass, um einen Vatted Malt zu kreieren und den Erlös Japan zukommen zu lassen. Die insgesamt 2'000 Flaschen wurden unter der Bezeichnung 'Spirit of Unity' verkauft. Die sieben Spender waren (in Klammern steht jeweils das Brennjahr des Whiskies):
  • Bladnoch (2002)
  • BenRiach (2001)
  • GlenDronach (2003)
  • Arran (2000)
  • Kilchoman (2006)
  • Springbank (2000)
  • Glengyle (2004)
Wenig verwunderlich ist die Rauch-Dominanz in der Nase, die aber von süsser Gerste und einer leichten Seetang- und Salznote sekundiert wird. Im Gaumen kommen zudem Kräuternoten und eine Schärfe hinzu. Im Abgang voluminös, mitteltrocken, leicht klebrig, aber mit weniger Rauch. Ein gelungenes Experiment!

Das Ziel von GBP 50'000 wurde erreicht und der Betrag an Fukushima überwiesen


6. Bunnahabhain, 12jährig, 1998, 52.2%, C+S Dram, 573 FlaschenEin Grossteil der Bunnahabhain-Produktion fliesst in die 'Black Bottle'-Serie und die Standardabfüllungen. Umso rarer sind Abfüllungen aus ehemaligen Sherry-Fässern. Es ist dem 'The Scottish Liqueur Centre Ltd.' und Andrea Caminecci zu verdanken, dass wir diesen herrlich süssen, nach Früchtekuchen duftenden Islay-Whisky geniessen können. Im Gaumen zeigt der Single Malt seine Herkunft, harmoniert aber bestens mit dem süss-trockenen Sherry. Der Abgang ist lang, intensiv und dennoch massvoll.

Harmonische Kombination: Islay und ex-Sherryfass

Damit habe ich mein Herbst-Tasting mit einer atypischen Islay-Abfüllung aus der C+S Dram Collection beendet.
Die Gelegenheit, nochmals einen der präsentierten Single Malts zu degustieren, stiess nach dem offiziellen Teil des Tastings auf rege Nachfrage. Besonders erfreulich ist die Tatsache, dass sämtliche an diesem Abend präsentierten Whiskies begeisterte Anhänger gefunden haben.
Mein nächstes Tasting in Luzern findet im Rahmen des Whiskyschiff Luzern (30./ 31. März 2012) statt. Weitere Infos folgen jeweils auf diesem Blog.
Besten Dank für die Teilnahme am Tasting und hoffentlich auf bald, Ralph