Über Grenzen – auf dem hochalpinen Grenzgänger Wandersteig

Werbung* Es nieselt seit dem frühen Morgen und es ist rutschig. Vor uns eine nasse Steinplatte. Rechts geht es steil hinunter, links kaum Möglichkeit sich festzuhalten. Es gibt kein Zurück, da müssen wir rüber! Wir sind auf dem Grenzgänger unterwegs, einem hochalpinen Wandersteig im bayrisch-österreichischen Grenzgebiet. Und wir wagen es schließlich. Vorsichtig und mit Herzpochen bewältigen wir die ausgesetzte Stelle.

Trittsicherheit und Schwindelfreiheit gefordert

Zugegeben, solch kribbelige Stellen gab es nicht oft auf den insgesamt sechs Etappen dieses neu angelegten Wanderweges. Denn am Ausbau und der Sicherung des Weges wird ständig gearbeitet. Doch auch für den Rest der mehrtägigen Etappenwanderung ist Trittsicherheit und Schwindelfreiheit absolute Voraussetzung. Ca. 80 Höhenmeter und über 6000 Aufwärtshöhenmeter wollen unter die Wanderstiefel genommen werden. Aber nicht nur eigene Grenzen gilt es auf dem Grenzgänger zu überwinden. Auf dem Wandersteig in den Allgäuer Alpen überschreitet man mehrfach die Grenze zwischen Deutschland und Österreich.

Steiler Aufstieg aus Hinterstein

Es gibt mehrere Möglichkeiten in den Grenzgänger einzusteigen. Die gebräuchlichste ist wohl die vom österreichischen Schattwald aus. Dort kann man sich die ersten Höhenmeter sparen und mit der Seilbahn den Berg hinauf schweben.

Unsere Variante beginnt allerdings mit einem steilen Aufstieg von Hinterstein. Vorbei am beeindruckenden Zipfelsbachwasserfall, erreichen wir die Zipfelsalpe. Wir sind froh, dass der angekündigte Regen fast ganz ausbleibt. So genießen wir unser alkoholfreies Weizen mit herrlichem Ausblick auf der Sonnenterasse der Alpe. Doch viel Zeit zum Ruhen bleibt uns nicht. Denn es sind noch zwei Gipfel zu bezwingen.

Gipfelglück auf Bschießer und Ponten

Zunächst einmal erklimmen wir den 2000 m hohen Bschießer. Gipfelglück am Gipfelkreuz! Hier haben wir nicht nur einen atemberaubenden Blick in die Bergwelt beiderseits der Staatsgrenze: wir sehen auch, was vor uns liegt: Über einen langen, Respekt einflößenden Grat wird uns der Grenzgänger zum Ponten führen. Um dort zum auf 2045 m stehenden Gipfelkreuz zu kommen, muss man noch ein wenig kraxeln. Und das, obwohl die heute schon zurückgelegten Höhenmeter mir ganz schön in die Beine gegangen sind. Schon seit den Metern des Aufstiegs zum Bschießer kämpfe ich mit Krämpfen in den Oberschenkeln. Aber der Ponten ist die Mühe wert. Und danach fällt es schwer, sich von dieser Aussicht zu lösen.

Die etwas andere Übernachtung auf der Willersalpe

Ziel unserer ersten Etappe ist die Willersalpe. Badewanne, Dusche, Sauna oder gar Whirlpool? Nein, wir schlafen in einem der beiden einfachen Matratzenlager über dem Kuhstall. Strom gibt es nur, solange gemolken wird und eine Dusche sucht man vergeblich. Aber es ist herrlich ursprünglich hier, die Dielen knarzen und es riecht nach Stall. Bestimmt nicht jedermanns Sache - aber ein Erlebnis ist es allemal.

Nichts ist so unbeständig wie das Wetter in den Bergen. Und so erwartet uns der neue Tag mit Regen. Zum Glück aber nicht so heftig wie erwartet. Sollte es zu arg werden, wollen wir den Notabstieg zum Vilsalpsee nehmen. Als wir an der Abzweigung stehen, halten wir das jedoch nicht für nötig. Ein Fehler? Denn kurz vor dem Schrecksee stehen wir an eingangs erwähnter Stelle.

Ein Fehltritt und...

Wir sind uns einig: ein Fehltritt und es bleibt nichts mehr übrig. Aber wir trauen es uns schließlich doch zu. Ich muss zugeben, dass mir danach ein wenig die Knie geschlottert haben. In der Hoffnung, dass es bis zur Landsberger Hütte nicht noch weitere solcher Stellen gibt, setzen wir unserer Wanderung durch den Regen fort. Sicht gleich null - wer weiß wofür es gut ist. Kurz klart es ein wenig auf und wir können doch noch einen Blick auf den wunderschönen Schrecksee erhaschen. Die Landsberger Hütte schließlich überrascht uns mit der Möglichkeit, heiß zu duschen. Nach der unruhigen Nacht auf der Willersalpe fallen wir erschöpft auf unsere Matratzen.

Über dem nebligen Jubiläumsweg zum Prinz-Luitpold-Haus

Die gute Nachricht: das Wetter soll besser werden. Die schlechte: es ist noch neblig! Der Blick auf den Hochvogel, der mit 2592 m alle anderen Berge der Region überragt, sollte eigentlich das charakteristische Merkmal dieser Etappe sein. Doch daraus wird nichts. Wie schnell man sich versteigen kann, erfahre ich in der Nähe des Schänzlekopfes. Der Weg zweigt scharf nach rechts ab. Ich bemerke das nicht und klettere forsch gerade aus weiter. Doch rechtzeitig vorm drohenden Abgrund bemerke ich meinen Fehler und kehre um. Über eine mit einem langen Drahtseil versicherte Stelle geht es nun auf dem richtigen Weg weiter. Die Drahtseile geben uns das Gefühl von Sicherheit. Vorsichtig sein muss man aber trotzdem. Und die heutige Etappe hat noch weitere solche Abschnitte zu bieten.

Über Grenzen – auf dem hochalpinen Grenzgänger WandersteigÜber Grenzen – auf dem hochalpinen Grenzgänger WandersteigTrittsicher und schwindelfrei sollte man am Grenzgänger dennoch sein!

Kurz vorm Ziel ächzen wir die neu angelegten Treppen zur rund 2100 m hohen Bockkarscharte hinauf. Hier oben müssten wir eigentlich wieder den Hochvogel und unser Etappenziel, das Prinz-Luitpold-Haus, sehen. Doch auch diese Ausblicke bleiben uns heute leider verborgen. Wir trösten uns damit, dass wir heute nicht so nass wie gestern geworden sind und freuen uns auf das Abendessen in der Hütte. Die Käsespätzle sind im Prinz-Luitpold-Haus übrigens sehr zu empfehlen!

Sonnige Ausblicke auf die Höfats und den Hochvogel

An den Wochenenden ist das Prinz-Luitpold-Haus meistens sehr voll. Aber in der Woche kann man, so wie wir, Glück haben und ein Mehrbettzimmer bekommen. So war die Nacht doch einigermaßen ruhig und erholsam. Und die Freude ist groß, als wir am Tag 4 auf die Terrasse treten. Denn endlich scheint die Sonne. Die heutige Etappe führt westlich um die Gipfel des "Großen Wilden" herum.

Vorbei an herum tollenden Murmeltieren wandern wir hinauf zu zum Himmelsecksattel. Und dort öffnet sich uns ein beeindruckender Ausblick: steil ragen die grasbedeckten Flanken der Höfats in den Himmel hinauf. Dieser Anblick bleibt uns noch eine ganze Weile erhalten. An einer Hütte vorbei und über eine Almwiese erwartet uns aber auch schon der nächster Anstieg.

Und der hat es in sich. Es geht hinauf zum Hornbachjoch. Dieser Weg war wohl ursprünglich einmal weiß-blau markiert. Das irritiert uns ein wenig, denn so werden die schwierigeren Wanderwege in den Alpen gekennzeichnet. Aber die alten Markierungen sind nun rot-weiß überpinselt und wir erkennen, dass hier schwierige Stellen schon "entschärft" wurden. Trotzdem steht noch ein wenig Arbeit vor uns, bis wir schließlich das Joch erreichen. Wieder eine neue Perspektive. Vor uns liegt die Südflanke des Hochvogels.

Auf dem "falschen" Weg nach Hinterhornbach

Leider passen wir am Hornbachjoch nicht genau auf und folgen der uns logisch erscheinenden Beschilderung Richtung Hinterhornbach. Eigentlich führt hier der Grenzgänger noch über den langgezogenen Rücken des Kanzberges und dann erst hinunter nach Hinterhornbach. Bestimmt sind uns aufgrund unseres Fehlers einige schöne Ausblicke entgangen. Noch dazu ist unser Weg in schlechtem Zustand, teilweise sogar von Wassermassen weggespült. Aber schließlich erreichen wir das schmucke österreichische Örtchen durch das idyllische Seitental. Freundlich werden wir im Landgasthof Adler in HInterhornbach empfangen und nach den Hüttenübernachtungen fühlen wir uns im urgemütlichen Doppelzimmer wie im Paradies! Kellnerin Steffi liest uns jeden Wunsch von den Lippen ab und wir lassen es uns richtig gut gehen.

Der Hochvogel war uns eine Nummer zu hoch

Hinterhornbach war eigentlich schon immer ein klassischer Ausgangsort für Wanderungen zum Hochvogel. Dabei nutzte man allerdings zumeist die heute aufgrund eines möglichen bevorstehenden Felssturzes gesperrte südliche Route (Bäumenheimer Weg). Uns empfiehlt man, vom Fuchsensattel über den sogenannten "kalten Winkel" zum Hochvogel hinauf zu steigen. Angesichts der über 1100 Aufwärtshöhenmeter, die uns heute schon auf dem "Normalverlauf" des Grenzgänger Wandersteiges erwarten, zweifeln wir allerdings schon am Morgen das Gelingen des Vorhabens Hochvogelbesteigung an.

Über Grenzen – auf dem hochalpinen Grenzgänger WandersteigÜber Grenzen – auf dem hochalpinen Grenzgänger WandersteigIm Hintergrund der imposante Hochvogel

Durch den Wald wandern wir also immer stetig bergauf. An den Schwabegg-Hütten machen wir eine kleine Pause und lassen uns die Sonnenstrahlen ins Gesicht scheinen. Am Abzweig des oben erwähnten gesperrten Bäumenheimer Weges vorbei wandern wir über ein großes Geröllfeld in Richtung Fuchsensattel. Auch hier machen wir noch eine kleine Pause. Und dann stehen wir am Punkt der Entscheidung. Drei Stunden zusätzlich solle man für die Besteigung des Hochvogels einplanen. Hoch über uns sehen wir das Schneefeld des "kalten Winkels" und entdecken Wanderer, die sich als kleine schwarze Punkte über den Schnee bewegen.

Nein, wir lassen es. "Wir hatten heute doch schon Abenteuer genug!" sage ich zu Doris und sie stimmt mir zu. In den Bergen gilt mehr denn je: was man sich nicht zutraut, das sollte man lieber sein lassen. Es tut uns schon ein wenig leid, ausgerechnet den höchsten Berg der Region auszulassen. Aber am Ende zählt die Gesundheit mehr als alles andere. Und der Weg über die Balkenscharte zum Prinz-Luitpold-Haus hat auch noch eine schöne Kletterpartie für uns zu bieten. So sind wir gegen 17:00 Uhr am Etappenziel. Wir hätten die Hochvogelbesteigung also auch zeitlich gar nicht mehr bewältigen können. Vielleicht ein Grund zum Wiederkommen?

Extratour zum Finale

Für das Finale hat sich Thilo Kreier, der Projektleiter des Grenzgänger Wandersteiges, noch etwas ganz besonderes für uns ausgedacht. Wir wandern auf steilen Wegen hinunter zur Bärgündele-Hütte und zum Giebelhaus. Von dort und nach dort verkehren regelmäßig Busse nach Hinterstein und so ist das Gasthaus auch Ziel-, bzw. Startpunkt der Grenzgängeretappen 5 und 6. Thilo hielt uns aber wohl für vergnügungssüchtig und sein Wandervorschlag schickt uns noch einmal ca. 900 Aufstiegshöhenmeter hinauf zum Engeratsgundsee.

Und so wandern wir, mal wieder, steil bergauf. Bei herrlichem Wetter sind heute einige Wanderer unterwegs. Den Weg zum See hinauf unterbrechen wir für eine Einkehr in der Schwarzenberghütte. Nochmals einige Höhenmeter weiter und wir blicken auf den tiefblauen von Bergen umrahmten Engeratsgundsee. Das Bad im eiskalten Wasser schenken wir uns allerdings und auf einer Etappe der Wandertrilogie Allgäu geht es hinunter nach Hinterstein.

Dort erwartet uns noch eine Überraschung. In der Pension Hochvogel ist das "Alpin-Chalet" für uns reserviert. Nach den Tagen in der "Wildnis" riechen wir bestimmt nicht angenehm und trauen uns kaum einzutreten. Freistehende Badewanne, Holzfußboden, Boxspringbett... alles vom Feinsten. Noch lange sitzen wir auf dem Balkon und denken an eine aufregende Woche in atemberaubender Landschaft zurück. Anstrengend war es, und auch mit einigen Entbehrungen. Raus aus der Komfortzone, wir sind an und über Grenzen gegangen. Unsere Gefühle? Wehmut und auch ein ganz klein wenig Stolz. Wir haben es geschafft!

Unsere Tipps fürs Wandern auf dem Grenzgänger Wandersteig

Auf dem Grenzgänger Wandersteig übernachtet man in Hütten des Deutschen Alpenvereines und in Talorten. Reservierung ist auf jeden Fall empfehlenswert. Für die Hütten genügend Bargeld mitnehmen, denn Kartenzahlung ist dort nicht möglich. Wir haben in folgenden Unterkünften übernachtet und waren zufrieden:
Pension Hochvogel in Hinterstein (unser Start und Ziel)
Willersalpe (Zielort offizielle Etappe 1)
Landsberger Hütte (Zielort offizielle Etappe 2 und unserer Etappe 5)
Prinz-Luitpold-Haus (Zielort offizielle Etappe 3)
Landgasthof Adler in Hinterhornbach (Zielort offizielle Etappe 4)
Über Grenzen – auf dem hochalpinen Grenzgänger Wandersteig

Über Grenzen – auf dem hochalpinen Grenzgänger Wandersteig

Der neue Grenzgänger Wandersteig nutzt ältere, schon vorhandene Wege. Diese sind rot-weiß gekennzeichnet. An wichtigen Wegekreuzungen findet man (fast immer) das Grenzgänger-Logo. In den Bergen kann die Orientierung, gerade bei schlechter Sicht, allerdings schwierig werden und so empfiehlt es sich ein GPS-Gerät oder Smartphone (Achtung, nur sehr selten hat man Internet-Verbindung) mit den heruntergeladenen Tracks oder zumindest eine gute Wanderkarte mitzuführen. Der Rother Wanderführer Grenzgänger-Weg (Affiliate-Link*) ist eine tolle Ergänzung und beschreibt zusätzlich weitere Touren in der Region.
Über Grenzen – auf dem hochalpinen Grenzgänger Wandersteig

Über Grenzen – auf dem hochalpinen Grenzgänger WandersteigWas tun im Notfall?

Wandern am Grenzgänger - unser Fazit

Der Grenzgänger wird als hochalpiner Wandersteig beschrieben. Und so sollte man ihn auch angehen. Die 80 Kilometer und 6000 Aufwärtshöhenmeter verlangen schon einiges an Kondition und alpiner Erfahrung. Obwohl ständig an der Sicherheit des Weges gearbeitet wird, sind Trittsicherheit und Schwindelfreiheit absolute Grundvoraussetzung. Stellt man sich den Herausforderungen, erwartet einen ein atemberaubendes Wandererlebnis mit gigantischen Ausblicken in hochalpiner Umgebung. Wir spendieren dem Grenzgänger den Outdoorsuchtfaktor 5 Sterne!

Der hochalpine Grenzgänger Wandersteig - Diashow und Disclaimer

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Über Grenzen – auf dem hochalpinen Grenzgänger WandersteigÜber Grenzen – auf dem hochalpinen Grenzgänger Wandersteig *Bei dieser Wanderung auf dem Grenzgänger Wandersteig handelte es sich um eine individuelle Recherchereise, zu der ich eingeladen wurde. Dafür meinen allerherzlichsten Dank! Die Einladung hat meine Berichterstattung jedoch in keinster Weise beeinflusst und ich gebe hier ausschließlich und ehrlich meine persönlichen Eindrücke wieder. Transparenz und Offenheit sind mein Credo und somit Verpflichtung bei allem, was ich schreibe, dazu habe ich mich durch das Unterzeichnen des Outdoor Blogger Codex verpflichtet.

Nützliches für Eure Wanderung (Affiliate-Links*)

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