Über die 80er, Berberitzen, Onaniersucht und vertuschte Orgasmen – Jürgen von der Lippe geht unter die Booktuber

Über die 80er, Berberitzen, Onaniersucht und vertuschte Orgasmen - Jürgen von der Lippe geht unter die Booktuber

Über die 80er, Berberitzen, Onaniersucht und vertuschte Orgasmen – Jürgen von der Lippe geht unter die Booktuber

Hallo ihr Lieben! 🙂

Ich bin kein großer Fan von YouTube. Damit bin ich im Zeitalter der digitalen Unterhaltung das Pendant eines seltenen Schmetterlings, der nur im Himalaya zu finden ist. Für mehr als ein paar Tutorials („Wie flechte ich einen Wasserfall-Zopf?" oder „Wie repariere ich meinen Reißverschluss?") reicht meine Geduld gewöhnlich nicht aus. Ich langweile mich extrem schnell und habe oft bereits nach ein paar Sekunden keine Lust mehr, mir ein Video anzusehen. Der Hype um die sogenannten YouTube-Stars, die meines Erachtens nach häufig nicht mit genügend Talent gesegnet wurden, um dieses Prädikat überhaupt zu verdienen, ist für mich vollkommen unverständlich. Stundenlang einen Clip nach dem anderen anzusehen, würde mir nie einfallen.

Tatsächlich empfinde ich auch kein gesteigertes Interesse an meinen Booktuber-Kolleg_innen. Ich erkenne ihre Bemühungen selbstverständlich an, denn mir ist bewusst, dass diese Form der Auseinandersetzung mit Literatur möglicherweise noch mehr Arbeit bedeutet als ein stinknormaler Buchblog, wie ich ihn führe. Ich sehe nur den Sinn dahinter nicht. Sich vor die Kamera zu setzen, um ein Buch zu besprechen, ist für mich einfach abwegig. Das ist keine Kritik, mir mangelt es da lediglich an Verständnis, weil mein eigener Arbeitsprozess für meinen Blog gänzlich anders funktioniert. Das wird sich in Zukunft vielleicht ändern, was ich einem Artikel bei wasliestdu.de zu verdanken habe.

Von 2003 bis 2010 wurde halbjährllich auf dem WDR eine Sendung namens „Was liest du?" ausgestrahlt. Einige unter euch kennen dieses Format sicherlich, doch für diejenigen, die zu jung sind und die Öffentlich-Rechtlichen in den finsteren Gefilden ab Kanalnummer 50 neben Homeshopping-Sendern gespeichert haben, eine kleine Erklärung. „Was liest du?" wurde von dem deutschen Komiker Jürgen von der Lippe moderiert. Gemeinsam mit prominenten Gästen (z.B. Carolin Kebekus, Hape Kerkeling und Dirk Bach) stellte er zur Sommer- und Winterzeit Bücher vor, die meist von eher unbekannten Autor_innen stammten und einen humoristischen Tenor hatten. Nicht nur Neuerscheinungen, gern auch mal Werke, die nur noch in einem Antiquariat zu finden sind. Es wurde vorgelesen, berichtet und viel gelacht. Der WDR setzte die Sendung 2010 ab, obwohl der Zuschauerzuspruch groß, die Produktionskosten gering und der öffentlich-rechtliche Bildungsanspruch erfüllt war. Jürgen von der Lippe liebte das Format. Er kämpfte wie ein Löwe um die Fortführung, der WDR ließ sich jedoch nur auf zwei zusätzliche Ausgaben ein, die 2014 ausgestrahlt wurden. Danach war es lange Zeit ruhig um „Was liest du?".

Über die 80er, Berberitzen, Onaniersucht und vertuschte Orgasmen – Jürgen von der Lippe geht unter die Booktuber

Ich fand „Was liest du?" großartig und habe mir dort gern Anregungen für die Erweiterung meiner privaten Bibilothek geholt. Ich erinnere mich, dass ich bei der Vorstellung von Midas Dekkers' „An allem nagt der Zahn der Zeit" Tränen gelacht und das Buch bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit sofort gekauft habe. Ich war traurig, dass die Sendung abgesetzt wurde, habe sie allerdings - wie ich zu meiner Schande gestehen muss - im Laufe der Jahre fast vergessen.

Umso überraschter war ich, als ich heute morgen meine übliche Runde durch die Buch-Communities drehte. Auf wasliestdu.de sprang mir ein Artikel mit dem spannenden Titel „Jürgen von der Lippe wird Booktuber" ins Auge. Der Moderator Torsten Woywod beschreibt darin, dass Jürgen von der Lippe noch immer so enttäuscht über das (unbegründete) Ende von „Was liest du?" war, dass er beschloss, das Format eigenständig weiterzuführen - auf YouTube.

Gut, es heißt nun „Lippes Leselust", doch das Prinzip ist gleich geblieben. Der BILD gegenüber äußerte Jürgen von der Lippe, dass er nicht einsehe, dass es diese Sendung nicht mehr gibt. Zitat: „Das wunderbare Medium Buch muss überall, wo es geht, beworben werden". Er finanziert die Produktion vollständig selbst, was er als sein persönliches Äquivalent einer Oldtimer-Sammlung betrachtet. Er möchte YouTube zu einer Art „Mehrgenerationenhaus" umgestalten und stört sich nicht daran, dass sich das Projekt höchstwahrscheinlich nicht rentiert.

Die erste Folge, die gestern Abend veröffentlicht wurde und die ich mir heute natürlich sofort angesehen habe, bestreitet Jürgen von der Lippe zusammen mit Jochen Malmsheimer, den die „Was liest du?"-Veteranen garantiert noch kennen. Mit viel Humor und Lust am Lesen stellen die beiden vor Publikum Bücher von Torsten Sträter, Dieter Wischmeyer und Harald Martenstein vor. Ich hatte unglaublich viel Spaß dabei, mich dieser Wiederbelebung von „Was liest du?" zu stellen und möchte euch das Format daher vehement ans Herz legen. So macht Lesen Freude!

Literatur-Fernsehen lebt! Helfen wir dabei, dass es auch überlebt!
Alles Liebe,
Elli ❤


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