Tugenden als regulative Konzepte in der Ethik

Die Moderne hat insbesondere zwei ethische Konzepte stark gemacht: Die deontologische Pflichten- und Prinzipienethik Kants und den Konsequentialismus – insbesondere im Sinne des Utilitarismus, der auf den größten Nutzen abzielt. Während Kants deontologischer Ansatz von allgemeinen Pflichten und mit diesen Pflichten korrelierenden Rechten ausgeht, die letztendlich über den ethischen Wert bestimmen, bemessen Utilitaristen den ethischen Wert einer Handlung daran, ob die Handlung den größten Nutzen erbringt. Sowohl Konsequentialismus als auch Deontologie haben Vorteile und drücken wichtige ethische Intuitionen aus. Wir scheinen von allgemeinen Recht auszugehen. In vielen Fällen heiligt der Zweck nicht die Mittel. Würde ein ausreichend interessanter Zweck wie der größte Nutzen für alle jedes Mittel heiligen, könnte es theoretisch ein Nutzenmonster geben, das es rechtfertigen würde, andere zu foltern, wenn diese Folter nur dem Nutzenmonster genügend Nutzen bringen würden. Das wäre in hohem Maße ungerecht und absurd. Zugleich führt aber auch eine reine Prinzipienethik oft zu absurden Konsequenzen oder Inkonsistenzen. Wenn wir annehmen, dass jeder das Recht hat, nicht belogen zu werden und dies in strenger Allgemeinheit denken, dann dürften wir, wenn wir während der NS-Zeit einen verfolgten Juden in unserem Haus verstecken, die Gestapo nicht anlügen. Das wäre ebenfalls absurd. Nun kann man diese Problematik umgehen, indem man sich gegenseitig regulierende Regeln aufstellt und dies scheinen wir auch häufig zu tun, insbesondere in der Rechtspraxis, aber dann gelten unsere Regeln oft nur hypothetisch im Sinne konditionaler Abhängigkeiten und es ist dann gelinde gesagt schwierig, ein vollkommen widerspruchsfreies bzw. konsistentes Konzept von Regeln aufzustellen. Sowohl utilitaristische Ideen und deontologische Ideen sind wichtig, um uns ethisch zu orientieren. Zusätzlich können jedoch auch Tugenden bei der Orientierung helfen, denn diese machen es uns einfach, Intuitionen ohne Widerspruch auszudrücken. Nehmen wir beispielsweise den folgenden Tugendenkatalog: Mitgefühl, Selbstachtung, Strebsamkeit, Genügsamkeit, Realismus und Phantasie. Hier haben wir den Vorteil, dass sich die Tugenden gegenseitig regulieren. Anders als bei bestimmten Formulierungen von Prinzipien, die sich oft widersprechen, ergänzen sich die Tugenden. Die Tugenden bezeichnen als Begriffe jeweils eine Menge von Entitäten. Wenn nun mehrere Tugenden angestrebt werden sollen, konzentrieren wir uns auf die Schnittmengen. Es gibt offenbar Menschen, die sind sehr empathisch und vergessen sich dabei fast selbst, so dass sie sich selbst Schaden zufügen, dennoch würde wohl niemand bestreiten, dass Mitgefühl eine der wichtigsten Tugenden ist. Hier reguliert die Tugend der Selbstachtung und diese wird wiederum vom Mitgefühl begrenzt, so dass sie nicht in Egoismus umschlägt. Ebenfalls ist Strebsamkeit eine wichtige Eigenschaft, weil sie uns dabei hilft, Ziele zu erreichen, doch sie kann in Zwang umschlagen, der einem die Lebensfreude nimmt. Hier reguliert die Genügsamkeit. Ähnlich verhält es sich bei Realismus und Phantasie. Wenn wir unsere Kinder zu ethisch bewussten Menschen erziehen wollen, sollten wir Ihnen nicht nur ein Konzept in der Ethik vorstellen, sondern mehrere, insbesondere Deontologie, Konsequentialismus und Tugendethik. Alle diese Konzepte ergänzen sich gegenseitig und führen dann dazu, dass unsere Einzelfallentscheidungen mit unseren innersten moralischen Prinzipien in einem kohärenten Verhältnis stehen. Ethik ist eine Disziplin, in der Hermeneutik eine große Bedeutung hat, weil die einzelnen Werte, Prinzipien und Tugendvorstellungen der Menschen in großer Interdependenz stehen.


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