Trommelfest von San Sebastián – das baskische Tamborrada de San Sebastián

Den 20. Januar feiert die in der Provinz Gipuzkoa des spanischen Baskenlandes gelegene Stadt Donostia-San Sebastián jedes Jahr als das sogenannte Tamborrada de San Sebastián (baskisch Donostiako danborrada - dt. Trommelfest von San Sebastián). Was es damit auf sich hat und warum dieser Anlass einen festen Platz in der Sammlung der kuriosen Feiertage aus aller Welt verdient, beleuchten die folgenden Zeilen. Warum trommelt man heute also im Baskenland?

Warum fällt das Tamborrada de San Sebastián auf den 20. Januar?

Im Gegensatz zu vielen anderen der hier versammelten kuriosen Welttage gibt es im Falle des Tamborrada de San Sebastián eine sehr konkrete Begründung für das gewählte Datum. Denn der 20. Januar bezieht sich auf den - allerdings nichtgebotenen - Gedenktag für den Heiligen Sebastian, der zugleich Namensgeber und Schutzpatron der baskischen Metropole ist (siehe dazu auch die Liste der weiterführenden Links unten).

Insofern scheint es hier keine direkte inhaltliche Verbindung zum ebenfalls am 20. Januar gefeierten US-amerikanischen Tag der Pinguine (engl. Penguin Awareness Day), dem Tag der Käseliebhaber (engl National Cheese Lovers Day) bzw. Tag des Camcorder (engl. Camcorder Day) zu geben. Aufgrund des Alters dieser baskischen Tradition wäre eine solche Verbindung allerdings auch eher merkwürdig.

Wer hat das baskische Donostiako danborrada ins Leben gerufen?

Wie immer bei solch traditionellen Anlässen ist es nicht ganz leicht, die genauen Ursprünge herauszufinden. Grundsätzlich gibt es zwei Versionen der Entstehung, die es mit den folgenden Abschnitten zu skizzieren gilt.

Die Volkssage des Bäckers und des Wassers aus dem Brunnen während der Dürre von 1720

Beginnen wir mit einem Exkurs in die lokale Folklore von San Sebastián. Einer städtischen Legende bzw. Volkssage zufolge soll ein Bäcker während einer großen Dürre im Jahr 1720 Wasser aus einem Brunnen geholt haben. Als er vor Freude zu singen begann, fingen auch die Frauen der Umgebung auf ihre Wasserbecken zu klopfen, um ihn zu begleiten. Zu seiner Überraschung floss das Wasser weiter und sie trommelten weiter vor Freude. Bald versammelte sich eine Menge. Wie die Legende erzählt, gab es seither weder eine Dürre, noch hörte die Musik der Fässer in der baskischen Stadt jemals auf zu spielen (siehe dazu auch die Liste der weiterführenden Links unten und den Beitrag zum Weltschlagzeugertag (engl. World Drummer's Day) am 4. April).

Die Wurzeln des baskischen Donostiako danborrada in den Carlistenkriegen des 19. Jahrhunderts

Historiker und Volkskundler gehen demgegenüber heute davon aus, dass die Wurzeln des baskischen Donostiako danborrada in den 1830er Jahre und der Zeit der drei Carlistenkriege im 19 Jahrhundert liegen. Und die Geschichte dazu geht so.

Die Bewohner von San Sebastián sollen während dieser Zeit die in der Stadt stationierten Soldaten mit Eimern und Eisenwaren verhöhnt haben, indem sie ihren täglichen Umzug vom Hauptquartier in San Telmo zum Haupttor an der Stadtmauer („Puerta de Tierra") imitierten. Die vorhandenen Quellen legen nahe, dass dieser komische Umzug in Karnevalsstimmung zugleich auch der Ursprung für verschiedene Musikgruppen war, die heute ein fester Bestandteil des Karnevals von Donostia sind, der traditionell am 20. Januar beginnt und seine Fortsetzung mit dem Caldereros-Feierlichtkeiten Anfang Februar erfährt.

In den ersten Tagen läutete der Umzug auch den Ochsenlauf ein, der am selben Tag stattfand. Zu diesem Zeitpunkt kleideten sich die Teilnehmer allerdings noch in Alltagskleidung und nicht in den heute typischen Uniformen. Diese kamen erst im Jahr 1881 dazu, als man im Hauptquartier von San Telmo unbenutzte Militärkleider entdeckte. Diese wurden dem Stadtrat gespendet, der sie dann an den Club Union Artesana für die Tamborrada übergab.

In den Folgejahren wuchs der Umzug durch die baskische Metropole weiter. Ein wesentlicher Faktor dieser frühen Zeit war die Spende von Fässern, die der lokale Händler Vicente „Txiki" Buenechea als besonders laute Trommeln zur Verfügung stellte. Im Laufe der der Zeit schlossen sich zahlreiche sociedades gastronómicas („Gourmet-Clubs") der Union Artesana an und vergrößerten so die Besucherzahlen des Trommelfests von San Sebastián (siehe dazu auch die Liste der weiterführenden Links unten).

Das Trommelfest von San Sebastián in der Moderne

Die zuvor skizzierte Entstehungsgeschichte spiegelt sich auch heute noch in den Feierlichkeiten des Tamborrada de San Sebastián.

  • Die Veranstaltungen beginnen um Mitternacht des 19. Januar auf der Plaza de la Constitución, wo zum Auftakt des Trommelfestes auch die Stadtflagge von San Sebastiàn gehisst wird.
  • Das Trommeln beginnt mit der Sociedad Gaztelubide und Vertretern anderer Trommelfiguren, die zu Melodien von Sarriegui spielen, und dauert die folgenden 24 Stunden an.
  • Jedes Jahr nehmen rund 14.000 Teilnehmer an den mehr als 125 Trommelzügen durch die Stadt teil.
  • Dabei lassen sich die Teilnehmer in zwei Gruppen aufteilen: die Trommler in Uniformen der Zeit Napoleons sowie die Köche und Wasserträgerinnen (mit Fässern und Melkeimern). Darüber hinaus nehmen aber auch Prasser, Fahnenträger und Kantinenwirtinnen an den Feierlichkeiten teil.

In diesem Sinne: Euch allen ein tolles Tamborrada de San Sebastián. Egal ob in Spanien, in Deutschland oder sonst wo auf der Welt.

Weitere Informationen und Quellen zum Trommelfest von San Sebastián am 20. Januar

Kategorien Historische Kuriositäten, Januar Schlagwörter 20. Januar


wallpaper-1019588
Große Kesselspitze: Skitouren-Klassiker in Obertauern
wallpaper-1019588
Schauen - Legen - Kreativ sein : Das Mini Kugelspiel von SINA Spielzeug & Gewinnspiel
wallpaper-1019588
Erste Bilder zum kommenden Film von Makoto Shinkai enthüllt
wallpaper-1019588
BAG: Verfall von Urlaubsansprüchen zum Jahresende bzw. zum 31.3. des nächsten Jahres
wallpaper-1019588
Geburtstagswunsche 60 geburtstag lustig
wallpaper-1019588
Interior – Trend 2020 Beige – natürliches Wohnen
wallpaper-1019588
Der Assistent: Ganz ohne schlechtes Gewissen
wallpaper-1019588
KOJ: Schwer und schön