Treblinka • Das wenig bekannte Arbeitslager I

Mitte 1941 wurde das Arbeitslager Treblinka für ‚Rädelsführer’, unliebsame Personen, russische Kriegsgefangene und Juden erbaut. Das Lager lag ungefähr 100 Kilometer nordöstlich von Warschau in der Gemeinde Małkinia Górna. Verwaltungsbezirk der Treblinka • Das wenig bekannte Arbeitslager INationalsozialisten war das ‚Generalgouvernement’, das dem Generalgouverneur Hans Frank mit Sitz in Kraków unterstand. Dem Generalgouvernement unterstanden die Gebiete der früheren Zweiten polnischen Republik, dieses Gebiet umfasste eine Fläche von 95 000 Quadratkilometern, nach dem Angriff auf die Sowjetunion wurde das Gebiet um den Distrikt Galizien erweitert. Im Arbeitslager, Treblinka I genannt wurden ständig zwischen 1.000 und 1.200 Häftlinge als Arbeitskommando gefangen gehalten und in einer benachbarten Kiesgrube und diversen Werkstätten auf dem Gelände zur Zwangsarbeit eingesetzt. Das Arbeitslager war vom Sommer 1941 bis Ende Juli 1944 durchgehend in Betrieb. Der Urheber und Organisator war Ernst Gramß, ein Mitglied im Kreisrat von Sokolow Podlaski. Gramß, 1899 in Augsburg geboren, ist akademisch ausgebildeter Landwirt. 1923 nimmt er am Hitler-Putsch in München teil und schließt sich früh SA und SS an. Bevor er sich für den Dienst ‚im Osten’ bewirbt, hat er im Reichsnährstand, der NS-Landwirtschaftsorganisation, Karriere gemacht. Als er 1939 ins Generalgouvernement kommt, findet sein Judenhass sofort neue Nahrung. „Die Judenviertel,“ schreibt er aus Warschau an seine Frau, „sind eine Schande, 300 000 Juden, was hier an Verbrechergesichtern sich zeigt in solchen Massen – nur ein Gedanke: ausrotten, es wäre ein Segen für die Menschheit.“ Von solchen ‚Gedanken’ ist es nicht weit zu den Taten. Die ersten Juden lässt Gramß gleich 1939 unter dem Vorwand des Schwarzhandels hängen. In den folgenden Jahren überzieht er seinen Kreis (Sokołów) mit Terror, der sich allerdings nicht nur gegen die Juden richtet. Das besondere Augenmerk Treblinka • Das wenig bekannte Arbeitslager Ides Diplom-Landwirts von der Hochschule Weihenstephan gilt der Ausbeutung der polnischen Bauern. Früh schon müssen diese in ganz Polen hohe, oft völlig unrealistische Kontingente ihrer Ernten abliefern. Als diese Zwangsabgaben nicht mehr geleistet werden, ziehen die meisten Kreishauptleute die Gewaltschraube an. Einer der Brutalsten ist Gramß. Kaum zwei Wochen im Amt, führt er eine ‚Strafexpedition’ gegen ‚säumige’ Bauern durch, gnadenlos werden die Menschen verprügelt. Wenig später ist dies gängige Praxis. Gramß rechtfertigt sich mit dem angeblichen Bedürfnis der slawischen Bevölkerung nach einer ‚harten Hand’: „An sich sind die Menschen gutartig. Wenn sie wissen, dass harte Zucht herrscht, wenn der Pan Starost, so nennen sie mich, sie prügelt, ist er ein guter Pan, der was taugt, ist man locker, ist er ein schlechter Pan, der kein Maß hat…“ Dieser Mann plante zusammen mit der dort tätigen SS das Konzentrationslager Treblinka. Kommandant über den gesamten Zeitraum war Theo van Eupen. Der deutsche Trupp von Bewachern bestand aus ungefähr 20 Leuten. Zur Unterstützung hatten sie eine Kompanie von circa 100 Wächtern, hauptsächlich Ukrainer, so genannten Trawniki. Im oben genannten Zeitraum litten 20.000 Häftlinge im Arbeitslager, von denen ca. 10.000 verstarben oder erschossen wurden. Nach Innen war das Lager in zwei Teile geteilt: in das der Häftlinge und das der Hausverwaltung. Der Teil der Häftlinge war zusätzlich mit einer zweifachen Umzäunung aus Stacheldraht begrenzt. Ebenfalls gab es noch Abgrenzungen innerhalb des Häftlingslagers, um sie von Geschlecht und Nationalität zu trennen, in diesem Fall Polinnen, Polen und Juden. Ein Teil der Häftlinge nahm ein Viertel des Lagers ein, hier befanden sich Wohnbaracken, Küche, Wäscherei, Werkstätte sowie eine Umschlagstelle. Dieser Teil hatte jedoch keine Kanalisation. Vor den Baracken befanden sich Wasserschalen, die man nur während des Tages nutzen durfte. Die Baracken hatten Ausmaße von 12, 5 m x 40 m, in der Mitte befand sich ein Gang, an dessen beiden Seiten sich die mehrstöckigen Pritschen befanden, die jeweils 170 cm x 300 cm groß waren. Die Lagerbestandteile lieferte das Konzentrationslager Auschwitz I. Die Böden der Baracken waren betoniert. Die Häftlinge lagen auf nackten Brettern in ihrer eigenen Kleidung. Nach 22 Uhr mussten die Häftlinge ohne Schuhe zu ihren Pritschen laufen. Das Liegen mit Schuhen wurde bestraft, weil dies als Ausbruchsversuch galt. An der Nordseite befand sich die Umschlagsstelle. In dieser arbeiteten ungefähr 100 Polinnen unter anderem mit Stopfen, Knöpfe annähen, Anlegen von neuen Brillen an Gasmasken, diese wurden in zehner Systeme Treblinka • Das wenig bekannte Arbeitslager Igepackt und an die Ostfront geschickt. An der Südseite dagegen befand sich ein Gemüsegarten, der von den Häftlingen bestellt wurde und nur von der Besatzung genutzt wurde. Auf dem Lagergelände befand sich der Holzplatz, ein Ort an dem schrittweise Bauholz bearbeitetet wurde, das weitere Holz wurde zu Heizmaterial zerhackt und gestapelt. Auf dem Platz führten Untersturmführer Franz Schwarz und Gruppenwachmann Franz Swidersky Exekutionen aus, indem sie mit hölzernem Hammer auf die Köpfe der Häftlinge einschlugen, die sie zuvor gezwungen haben diese auf einen Baumstumpf oder Stein zu platzieren. In den Werkstätten, der Tischlerei und der Schneiderei fertigte man Kleidung an, auch Pelze. Die Küche wurde ebenfalls von Häftlingen ausgeführt, unter ukrainischer und deutscher Aufsicht. Im Hausverwaltungsabschnitt befanden sich Wohnanlagen für Deutsche und Ukrainer, sowie wirtschaftliche Anlagen. Das wichtigste Gebäude war das Büro des Lagerleiters und der deutschen Besatzung, zusammen mit dem Wohnraum des Kommandanten. Der Teil des Lagers hatte eine Kanalisation und war vollkommen mit Strom versorgt. Man baute sogar riesige Schwimmbäder für die deutsche Besatzung sowie ein nicht allzu kleineres Erholungsbad für den Kommandanten. Der große Bereich der wirtschaftlichen Gebäude bestand aus Pferde-, Schweine- und Hühnerstall, einer Fuchsfarm sowie einer Bäckerei, Molkerei und Fleischerei. Zwischen dem Kommandantenquartier und der Fuchsfarm befand sich ein tief gelegter Bunker für die Häftlinge, in dem der Aufenthalt tödlich endete oder durch Erschießen im nahe gelegenen Wald. Über den gesamten Zeitraum des Lagerbetriebs war SS-Hauptsturmführer Theodor van Eupen der Kommandant des Arbeitslagers Treblinka I. Der Adjutant des Lagerkommandanten war SS-Untersturmführer Lundecke. Der Befehlshaber der Wache war SS-Untersturmführer Herbert Stumpe mit dem viel sagendem Pseudonym ‚Smiejaca sie smierc’ (der lachende Tod). Durch einzelne Grausamkeiten hob sich SS-Untersturmführer Franz Schwarz hervor, genannt ‚Katem’ (Henker). Er führte die Selektion der Häftlinge aus und verhängte oft den Tod, indem er sie mit Spitzhacke oder einem Holzhammer erschlug. Der Leiter der Handwerkswerkstätten war SS-Unterscharführer Franz Leopold Lanz. Er schulte ebenso die Wachmänner. Für wirtschaftliche Lagerangelegenheiten war SS-Unterscharführer Hagen zuständig. Besonders berüchtigt war er für das misshandeln von Frauen. Hans Heibusch war für den jüdischen Teil des Lagers verantwortlich. Er führte täglich eine Selektion durch, teilte die Leute in entsprechende Gruppen ein und quartierte sie in die Baracken. Die Wächter des Lagers waren größtenteils Ukrainer, jedoch waren auch einige aus Litauen und Lettland. Sie alle führten ihre Pflichten ‚gewissenhaft’ und zur ‚Freude’ des SS-Stabes aus, in dem sie übermäßige Gewalt gegen Häftlinge ausübten. Geschult waren diese im so genannten Ausbildungslager Trawnik in der Nähe von Lublin, da der Lagerdienst einen besonderen Charakter besaß und eine ‚dementsprechende’ Vorbereitung verlangte. Die Deutschen liefen mit einer Handfeuerwaffe bewaffnet im Lager umher, dienstlich waren sie zusätzlich noch mit Maschinenpistole ausgerüstet. Die ukrainischen Wächter trugen im Dienst ein Gewehr und ein Bajonett. Zu Beginn des in Betrieb genommenen Lagers, verweilten dort nur Polen, Einwohner aus dem Sokolow Kreis. Ab Herbst 1941 begann man ebenfalls Menschen aus dem Warschauer Distrikt einzubringen. Ab 1943 erfüllte das Lager offiziell die Funktion eines strafenden Arbeitslagers für die Menschen des Warschauer Distrikts innerhalb des Generalgouvernements. Zunächst wurden die Polen zu einem grundlegenden Gutachten der verwaltenden Mächte geführt, folglich der Kreisverwaltung, zum erwähnten Ernst Gramß und seiner Behörde. Dieses Gutachten wurde in der Regel dem Verurteilten nicht ausgehändigt, jedoch direkt zum Kommandanten gereicht, wenn der Verurteilte zu einem bestimmten Zeitpunkt abgeführt wurde. Wobei der Verhaftete nicht über die Haftdauer oder den Haftgrund informiert wurde. Im Jahre 1941 gab es noch keine eindeutige Trennung von polnischen und jüdischen Häftlingen. Diese trat erst 1942 in Kraft. Ab Juli 1942 stieg die Zahl der hierher abgeführten Juden, hauptsächlich Fachkräfte und Handwerker, vor allen Dingen für die Pelzwerkstätten. Hauptsächlich ging es darum, junge, starke jüdische Männer heraus zufiltern, damit diese nicht zur Bedrohung für die SS wurden, Ziel war es sie durch die harte physische Arbeit zu vernichten. Nützliche Arbeitskräfte zu ‚organisieren’ war ein Bestandteil einer Einsatztruppe, sie veranstalteten Razzien und wahre Treibjagden in den umliegenden Treblinka • Das wenig bekannte Arbeitslager IDörfern und Städten. Diese Arbeitskräfte wurden in den Kiesgruben benötigt, da sie damit Straßen für den Angriffskrieg gegen die Sowjetunion bauten. Schlechte Hygienebedürfnisse und die zunehmende Fülle in den Baracken waren Gründe wieso die Häftlinge verlausten. Dadurch konnten sich Infektionskrankheiten besser verbreiten, die durch Unterernährung und physischer Überbelastung zu zahlreichen Ableben führten. Im Herbst 1942 brach epidemieartig das Fleckenfieber aus. Die Kranken isolierte man zunächst, worauf man sie dann größtenteils erschoss. Doktor Paciorek beschäftigte sich mit den Kranken im Lager. Die Deutschen, die Angst vor der Ausbreitung der Krankheit hatten, wiesen einen Teil der Häftlinge ins örtliche Krankenhaus nach Wegrow. Eine andere Krankheit die sich unter den Häftlingen breit machte war Krätze. Wer nicht schnell wieder arbeitsfähig wurde, galt als ‚unnützer Esser’ und wurde liquidiert. Die die im Lager I über längeren Zeitraum blieben, hatten keine Möglichkeit sich gründlich zu waschen und ihre Kleidung zu reinigen. Trotz des Vorhandenseins der drei Brunnen und der zwei Schwimmbäder, war es den Häftlingen nicht gestattet das Wasser zu nutzen. In vielen Erinnerungen der Überlebenden erscheint als erstes der ständigen Durst, abgesehen natürlich vom immensen Hunger.

Die besonders hohe Todesrate unter den Häftlingen war der Zwangsarbeit und der geringen Verköstigung geschuldet, doch darüber hinaus den Grausamkeiten des Wachpersonals.

An das berüchtigte Arbeitslager I wurde, nach dem Baubefehl von April 1942 zur Errichtung eines Vernichtungslagers  von Reichsführer-SS Heinrich Himmler, begonnen …

Weiterlesen:

➼ Vernichtung in Treblinka • Ort des unvorstellbaren Grauens

➼ Trawniki • SS-Hilfskräfte

Bild 1: Anordnungen im Arbeitslager I Treblinka · Bild 2: Veröffentlichung · Bild 3: Luftbild Arbeitslager Treblinka · Bild 4: Skizze Arbeitslager – alle Bilder: Quelle: deathcamp.org


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ARTIKEL 13 – Jetzt sind wir dran! – Auf die Straße.