Travel Blog: Staubig grauer Tag – Strahlend helle Nacht

Hallo liebe Leute,

es ist 22:00 Uhr abends in Qingdao, China. Die Sonne ist vor etwa zwei Stunden unter gegangen. Von der leichten Anhöhe aus, auf der mein Wohnheim liegt, habe ich einen guten Blick auf den Nachthimmel. Ich sollte jetzt die Sterne sehen können. Sollte. Statt einzelner kleiner Lichtpunkte auf Dunkelblau glimmt um mich ein diffuses oranges Leuchten. Es ist das Leuchten tausender Straßenlaternen und Werbetafeln, es dringt aus Wohnungen und Geschäften, von Büros und Industrieanlagen. Trotz später Stunde ist der Himmel von orangem Licht erfüllt. Das Phänomen nennt sich „Lichtverschmutzung“.

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Der Nachthimmel über Qingdao 1

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Der Nachthimmel über Qingdao 2

Ich habe mich inzwischen an diese besondere Art der Umweltverschmutzung gewöhnt. Meine Schlafmaske, die mir meine Freundinnen in weiser Voraussicht vor der Reise geschenkt haben, ist zu meinem wichtigsten Accessoire geworden. Doch welchen Effekt hat die Dauerbeleuchtung auf Lebewesen, die sich nicht einfach eine Schlafmaske überziehen können? Wie wirkt die Lichtverschmutzung auf das Verhalten von Pflanzen und Tieren?

Garantiert mir einen ruhigen Schlaf: Meine Schlafmaske

Garantiert mir einen ruhigen Schlaf: Meine Schlafmaske

Lichtverschmutzung stört die Tierwelt

Dazu habe ich vor einiger Zeit einen spannenden Artikel in der FAZ gelesen. Er bezieht sich auf eine Studie der University of Exeter (GB), in der der Einfluss von künstlichem Licht auf Meereslebewesen untersucht wurde. Dazu haben die Wissenschaftler einen Balken im Meerwasser treiben lassen, der in drei Abschnitte mit unterschiedlich starker Beleuchtung eingeteilt war. Nach zwölf Wochen wurden die gewachsenen Kolonien untersucht. Unter anderem hatten sich Würmer und Muscheln auf dem Balken angesiedelt. Ein Einfluss der Lichtstärke auf das Wachstum konnte bei 40% der Arten nachgewiesen werden. Manche wuchsen bei Licht besonders gut, andere wurden durch die Bestrahlung gehemmt. Insgesamt lässt sich sagen, dass die künstliche Beleuchtung das Potential hat das natürliche Gleichgewicht der Arten in einem Ökosystem durcheinander zu bringen.

Die Welt strahlt um die Wette

Nicht nur in China oder Großbritannien ist Lichtverschmutzung ein Problem. Die gesamte industrialisierte Welt strahlt nachts ins All hinaus. Einen guten Überblick bietet in dieser Hinsicht der „World Atlas of the Artificial Night Sky Brightness“. Die dort verfügbaren Karten zeigen das Verhältnis der künstlichen Helligkeit des Nachthimmels zu seiner natürlichen Helligkeit. Blau und Grün bedeuten eine leichte Zunahme, Gelb und Rot eine starke Zunahme der Helligkeit. Ich zeige euch hier das Beispiel der Weltkarte. Auf der Website könnt ihr auch gesonderte Karten der verschiedenen Kontinente einsehen.

World Atlas of the Artificial Night Sky Brightness (source: P. Cinzano, F. Falchi (University of Padova), C. D. Elvidge (NOAA National Geophysical Data Center, Boulder). Copyright Royal Astronomical Society. Reproduced from the Monthly Notices of the RAS by permission of Blackwell Science.)

Was tun gegen Lichtverschmutzung?

Licht aus! Das ist einfacher gesagt als getan. Schon als Kind hat jeder von uns gelernt: „Sobald du einen Raum verlässt, löscht du das Licht.“. Nur als Erwachsene halten wir uns nicht immer daran. Dazu kommen bei manchen Sicherheitsbedenken: Wenn nachts die Lichter ausgehen, öffnet das nicht einer neuen Verbrechenswelle Tür und Tor? Werden Einbrecher nicht den Schutz der Dunkelheit nutzen, um sich über unsere Habseligkeiten her zu machen?

Das muss nicht sein. Der aktuelle „Einbruch-Report 2015“ des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft hat ergeben, dass sich nur 15% der Einbrüche nachts zwischen 22:00 und 8:00 Uhr ereignen. Die meisten Einbrüche geschehen, wenn die Opfer in der Schule, beim Einkaufen oder bei der Arbeit sind, also zwischen 12:00 – 14:00 Uhr und 16:00 – 18:00 Uhr.

Ich plädiere hier nicht dafür sämtliche Straßenbeleuchtung abzuschalten. Aber vielleicht kann man umweltfreundlichere Lösungen finden: Wege, die nur selten nachts genutzt werden (zB in Parks), könnte man mit sensorgesteuerten Laternen ausstatten. Diese würden sich dann nur einschalten, wenn tatsächlich jemand vorbei geht. Bürogebäude und Geschäfte müssen nicht hell erleuchtet sein, wenn sie geschlossen sind. Hier reicht eine Notbeleuchtung. Wenn Brunnen und andere Kunstwerke nachts angestrahlt werden, sieht das zwar schön aus, ist aber eine Verschwendung von Energie und ein klarer Fall von Lichtverschmutzung. Das gilt im höheren Maße noch für das Beleuchten von Werbetafeln in der Nacht.

Fallen euch weitere Maßnahmen zur Verringerung der Lichtverschmutzung ein? Was kann jeder von uns persönlich dagegen tun? Wie steht ihr allgemein zu dem Thema? Glaubt ihr Lichtverschmutzung ist ein echtes Problem oder nur ein Hype?

Ich freue mich auf eure Kommentare.

Gruß

Grace


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