Travel Blog: Magerwahn – Noch schlank oder schon krank?

Von Grace O @graceosblog

Historisches Schönheitsideal: Ban Chieyu (source: Hannah & M. de Kievith, schulbilder.org)

Hallo liebe Leute,

was wir als schön empfinden, hängt bekanntlich stark von dem Kulturkreis ab, indem wir aufgewachsen sind.

Was ist schön in Ost und West?

Das chinesische Schönheitsideal unterscheidet sich dem entsprechend deutlich vom deutschen. Hier gilt blasse Haut noch als schick, während du bei uns leicht als Stubenhocker verschrien ist, solltest du dir nicht wenigstens etwas Solariumsbräune gönnen. Jetzt wo die Sonne immer stärker scheint laufen viele Chinesinnen mit Sonnenbrille, Hut und Regenschirm herum, um bloss ihre empfindliche Blässe zu schűtzen.

Des Weiteren wird ein besonderer Fokus auf die Augen gelegt. Je grösser, desto besser. Notfalls wird mit speziellen Klebestreifen oder gar kosmetischen Opertationen nachgeholfen. Ein Schönheitsmerkmal, das uns im Westen völlig unbekannt ist, ist das sog. „Doppelaugenlid“. Fűr uns etwas völlig Normales. Die Chinesen kennen im Gegensatz dazu noch das „Einfache Augenlid“, das als weniger schön angesehen wird. Das Internet wimmelt von Schminktipps mit denen man den Eindruck eines „Doppelaugenlids“ erzeugen kann.

Bedenklicher Magerwahn

Soweit so gut. Was mir allerdings bedenklich vorkommt, ist der Schlankheitswahn von dem alle meine Kolleginnen besessen zu sein scheinen. Ständig kreist das Gespräch darum, wie man am besten abnehmen kann. Nicht, dass eine von ihnen es nötig hätte. Nach meinem Ermessen handelt es sich bei allen um schlanke, teilweise sogar sehr zierliche Frauen.

Trotzdem unternehmen sie die grössten Anstrengungen um weiter abzunehmen. Da wird morgens vor dem Frűhstűck ein nahe gelegener Berg erklommen, in der Mittagspause trainiert und abends Yoga geűbt. „Was soll’s“, denkst du vielleicht, „Sport ist gesund.“.

Das ist richtig. Doch was ich besonders kritisch sehe, ist das Mahlzeiten ausgelassen werden. Etwa die Hälfte meiner Kolleginnen nimmt kein Abendessen zu sich. Zwar heisst es auch bei uns, man solle „Abendessen wie ein Bettelmann“ und sich vor dem Schlafengehen nicht extra vollstopfen. Aber garnichts essen? Nicht einmal ein Butterbrot, eine Schale Műsli oder wenigstens etwas Obstsalat? Das kommt mir ungesund vor.

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Was sind die Grűnde?

Woran liegt es, dass gerade unter jungen Chinesinnen, die wirklich nicht zu dick sind, so eine ausgeprägte Diätkultur herrscht?

Liegt es an falschen Vorbildern? Sieht man sich die chinesischen Schauspielerinnen an, sind sie alle streichholzdűnn.

Liegt es am gesellschaftlichen Druck, auch ausgeűbt vom anderen Geschlecht? Eine Kollegin hat mir offenbart, dass sie gerne auf Bergsteigtouren geht. Auch schon mal mit 50kg Gepäck im Rucksack. Ein Kommentar eines ihrer (männlichen) Freunde soll gewesen sein, sie sei „furchtbar“. Starke Frauen kommen offenbar nicht gut an bei den Chinesen. Mir wurde gesagt, das Ideal sei hier immer noch die schwache, schűtzbedűrftige Frau, die ihrem Mann gehorcht.

Der Magerwahn scheint seine Wurzeln also in einem traditionellen Rollenbild zu haben. Trotz der im Kommunismus propagierten Gleicheit. Noch ist es zu frűh um zu beurteilen, ob hier ein Umdenken stattfinden wird.

Euch mag es vielleicht schizophren vorkommen, dass ich auf meinem Blog einerseits űber Sport und Ernährung berichte, andererseits aber den Schlankheitswahn der Chinesinnen anprangere. Mir ist es wichtig zwischen „gesundem“ und „ungesundem“ Verhalten zu unterscheiden. Sport zu treiben und auf seine Ernährung zu achten ist gesund. Sich jeden Tag bis zur Erschöpfung auszupowern und dabei nur eine Apfelspalte zu essen ist ungesund. Wie bei so vielen Dingen gilt es hier die goldene Mitte zu finden. Wo diese liegt ist individuell verschieden und sollte von jedem selbst festgelegt werden.

Was meint ihr dazu? Welches Mass an Sport und Diäten ist noch gesund? Was haltet ihr vom zur Zeit vorherrschenden Schönheitsideal? Und: Was ist fűr euch schön?

Ich freue mich auf eure Kommentare!

Eure

Grace