Träume ich?

Könnte mich mal bitte jemand in den Arm kneifen, damit ich endlich weiss, ob ich wach bin oder träume? Ich kann einfach immer noch nicht glauben, dass wir heute alle zusammen – sieben Vendittis, ein Au Pair und ein Tageskind – für weniger als hundert Franken einen Tag im Zürcher Zoo verbracht haben. Das Ganze ohne irgendwelche Vergünstigungen vom Grossverteiler oder von der Bahn, ohne an der Kasse frech zu behaupten, „Meiner“ sei erst sechzehn, schliesse im nächsten Sommer die Schule ab und dürfe deswegen noch zum Schülertarif rein. Nein, wir kamen, sahen die Preise und rieben uns die Augen: Wie bitte, die lassen uns für schlappe 76 Fränklein rein? Jahrelang hatten wir ausschliesslich die Tiere im Basler Zolli besucht, weil die Zürcher unser Budget zu sehr strapaziert hatten und jetzt dies: Kinder bis sechs bezahlen nichts, für den Rest der Familie gibt es ein günstiges Familienticket (und es steht an keinem Ort der diskriminierende Zusatz „Gültig für zwei Erwachsene und maximal zwei eigene Kinder“) und ausserdem kann man die Knöpfe noch in eine dieser ungemein hässlichen aber auch ungemein praktischen Karren setzen. Hat sich tatsächlich zu meinen Lebzeiten etwas getan in Sachen Familienfreundlichkeit?

Ich weiss nicht, ob euch die ganze Tragweite dieser Veränderung bewusst wird, wenn ihr das hier lest. Es geht hier nämlich um sehr viel mehr, als um die Frage, wie viel Geld Vendittis nach dem Zoobesuch noch im Portemonnaie haben. Die eigentliche Sensation ist nämlich, dass es hier eine Institution – und zwar nicht die Unbedeutendste- geschafft hat, tatsächlich familienfreundlich zu werden. Nicht nur mit tollen Spielplätzen, interessanten Denkanstössen  für die Kinder und kinderwagentauglichen Wegen. Nein, für einmal fängt die Familienfreundlichkeit schon an der Kasse an und das ist ja bekanntlich der Ort, an dem die meisten tollen Familienausflüge hierzulande scheitern.

Während ich mich über diese Veränderung freue, muss ich unweigerlich an meinen ersten Besuch mit eigenen Kindern im Zürcher zurückdenken. Damals war der Zoo nicht nur schrecklich teuer, sondern auch sonst nicht ganz auf Augenhöhe mit den Jüngsten. Als Karlsson, der damals noch Windeln trug, einmal eine frische Windel brauchte, konnte ich nicht gleich einen Wickeltisch finden. Also wandte ich mich an einen Mitarbeiter im Zoorestaurant. Wo sie denn hier einen Wickeltisch hätten, fragte ich. Der Mann schaute mich verwirrt an, warf einen prüfenden Blick in den Speisesaal und fragte dann zurück: „Einen Wickeltisch? Für Sie, oder für das Kind?“ Dann, als ich ihm sagte, dass ich den Wickeltisch natürlich nicht für mich bräuchte, schüttelte er nur den Kopf und murmelte, so etwas hätten sie hier nicht.

Ist doch schön, dass es nur gerade zehn Jahre gedauert hat, bis die Dinge so ganz anders aussehen…

Träume ich?



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