Touristen

Von Wellenklang

“Freitags mittags an einem verregneten Tag im Sommer geht niemand in die Inselhauptstadt ,um seine Einkäufe für das Wochenende zu erledigen.” Pauls mahnende Worte klingen in meinem Kopf nach, als mir eine Flasche Mineralwasser die Sahne auf dem Kassenband zerdeppert. Reines Fett ergiesst sich auf das schwarze Band, läuft an den Seiten entlang, verziert die Auberginen und Gurken. Gerade noch haben die beiden gut trainierten Touristen hinter mir, mit unüberhörbarem Akzent, darüber gerätselt, ob es auf unserem Eiland einen Bankomaten gibt oder nicht. Jetzt schwimmt mein Gemüse in süsser Sahne- das sollte doch erst heute abend der Fall sein, wenn ich die Spätzle auf den Tisch bring….Innerlich verdrehe ich die Augen, schimpfe im Geiste ‘Ja ne is klar- wir lassen unser Geld stets mit der Brieftaube einfliegen’ . Die Strafe meiner Lästerneigung folgte ungebremst.  Das taumelnde Plastik fand allzu prompt den Weg auf meine Sahnebecher.

Jedes Jahr ist es dieselbe Nummer. Einer legt den Schalter um. Erst merke ich es gar nicht. Im Januar nach den Feiertagen schläft die Insel ein. Zuerst öffnen ein paar Supermärkte im Februar auch Sonntags wieder. Im März wechseln an der Eisdiele die ersten Waffeln mit leckerem Straciatella, Haselnuss, Vanille oder Schokoladeneis über den Tresen. Unser Lieblingsgrieche am Orther Hafen empfängt uns endlich wieder mit leckerem Gyros, Fisch und gefüllten Weinblättern. Die Surfshops entstauben den Verkaufstresen. Der inseleigene Wellnesstempel begrüsst die wintermüden Meermenschen mit frisch polierten Fliesen und neuen Duftkompositionen in der Panoramasauna. Die Fenster für den Blick auf weiß beschaumkrontes Meer sind geputzt. Mit Spannung wird das Frühjahr erwartet und mit ihm entspannungswillige Urlauber. Bunte neue Flaggen werden gehisst. Das Tor an der Brücke zum Festland schwingt weit auf und in Scharen strömen sonnenhungrige Touristen auf die Insel. Ostern ist der Schalter umgelegt. Gestern noch Dornröschenschlaf fegt am Gründonnerstag der GrossstadtStressorkan einmal über den Sund.

Touristen wohin das Auge blickt. Der Bäcker backt die dreifache Menge an Brötchen und spätestens um 08.30 bekommen verschlafene Insulaner nur noch den verschmähten Rest. Scheinbar kennt der gemeine Tourist das Wort Ausschlafen nicht. Zumindest stellt er keine Assoziation zwischen den Worten Ausschlafen Urlaub und Erholung her.
Radelte ich im März verträumt morgens zur Arbeit, ist es mit der frühen Ruhe auf einsamen Wegen spätestens dann vorbei, wenn das Thermometer in Richtung zweistellige Werte klettert. Schludereien und Sich Hängenlassen werden bei einigen Exemplaren der Gattung Erholungssuchender nicht geduldet. Sie Joggen was das Zeug hält und schmettern das ‘Moin,Moin’ schon hunderte von Metern entfernt in meine Richtung. Aus mit der Friedfertigkeit morgens um 06.00 auf dem Rad. Im Sommer teile ich mir den bezaubernden Anblick von Bodennebel, der sich langsam in die Höhe zwirbelt mit gefühlten Horden an Marathonläufern. Bin ich abends auf dem Heimweg verstopfen hunderte Fahrradfahrer Deich und Feldwege. Ein ungewohntes Bild. Im Winter an klaren Tagen begegnet einem über Stunden keine Menschenseele und jetzt in der Saison erschrecken einen ältere Herrschaften mit Elektromotor betriebenen Fahrrädern. Nicht selten habe ich Angst das sie mich eines Tages in meinen Tagträumen einfach über den Haufen fahren. Dennn der elektrofahrende Rentner bedient keine Klingel, sondern brüllt neben einem einfach los ” Entschuldigen Sie Fräullein…” Während ich mich also erschreckt nach einem vermeintlichen Fussgänger umdrehe, saust der Opa mit weißen Shorts und passender Kopfhaube, samt schwer beringter und geschmückter Ehefrau in MofaGeschwindigkeit an mir vorbei. Nicht ohne mich anzumotzen das mir der Radweg nicht alleine gehört, ich doch bitte vorschriftsmässig am Rand zu fahren hätte. Ja ich weiß! Es liegt in der Natur der Dinge das Rentner und Pensionäre mit weißen Kappen auch im Urlaub für Recht und Ordnung sorgen müssen und Nein! Ich habe nicht grinsen müssen, als ich sie wenige Kilometer weiter überholen musste, weil der Strom alle war. So ein Elektrofahrrad ist dann schwerer als jedes Nostalgierad zu bewegen. Das war dann zuviel für den Kappenheini und seine mit Goldringen klimpernde Frau. Zu dumm auch das ich genau an dem Tag kein Handy dabei hatte, um den Fahrradservice anzurufen.  Wenig Schlaf, gesunde Kost und Sport sollen den nötigen Ausgleich zu Fast Food, schlechter Luft, Büromief und dem Gerangel um den besten Sitzplatz in den Öffentlichen schaffen. Der gemeine Tourist an sich ist ein Phänomen. Erschöpft, müde mit fahlem Teint kommt er an und anstatt sich mal eine Auszeit und Ruhe also einen Tag ‘chillig ankommen’ zu gönnen, zieht er von Null auf hundert das Urlaubsprogramm durch. Nicht nur auf der Insel legen sie den Schalter um, in den eigenen Köpfen auch. Ab Freitagabend sind Ferien, also leben wir das auch. Egal was der Körper will- der Geist und das straffe Programm halten dagegen. Erholung definiert sich am Bräunungsgrad, verlorenen Pfunden sowie am Fitnessvermögen.

Der gemeine Urlauber. Würden wir alle hier nicht von ihm und durch seine zahlreich auf das Eiland und in die Kassen der hiesigen Unternehmer fliessenden Euros leben, wir hätten ihn schon lange gemeinschaftlich von der Insel und den Stränden verbannt. Oder besser noch- die Brücke 1963 gar nicht erst fertiggestellt.

Mit den ersten wärmenden Sonnenstrahlen schieben sich die Blechkarawanen, Busse, Wohnmobile, Autos vollgestopft mit Zelten, Schlafsäcken und Sandkastenfiguren für die Kinder auf die Insel. So als hätte jemand einen Startschuss zur Invasion gegeben. Vor den Campingplätzen füllen sich die Warteschleifen an den Rezeptionen und Anmeldungen. In den Cafes werden die Tische und Stühle nach draussen gestellt. Darin tummeln sich sorgfältig gestylte Grossstädter.

Der Urlauber. Ist er hier benimmt er sich doch irgendwie wie zu Hause. Im Supermarkt höre ich klagend den Satz: “Noch nicht einmal eine Franfurter Allgemeine haben die hier.” ‘Ne ist velleicht auch besser, damit die Horrormeldungen abstürzender Aktien nicht den Herzinfarkt Deines Gatten provozieren. Auf unserer Insel gibts ja kaum ein kardiologisches Leistungszentrum, das Deinen Ansprüchen gerecht würde. Und ob Du unserem Doktor in der neueröffneten Inselklinik traust, vage ich zu bezweifeln. Vor lauter Skepsis kriechst Du wahrscheinlich unter den Schreibtisch und schaust ob der Gott in Weiß Gummistiefel unter dem Kittel versteckt. Ausserdem hört das mit der Bildung und so vor der Brücke auf. Wir hier auf der Insel leben noch mit Plumpsklo und Atennenfernsehen.’ Ich rufe mich zur Raison! ‘Nicht lästern, sonst kauft die Dame in der Schlange vor mir zur Revanche noch das letzte Vollkornbrot im Bäckerregal weg. ‘ Ja es ist schon schwer den Tag ohne Feuilleton beginnen zu müssen. Am liebsten täschelte ich ihre Hand und würde ihr Mut zusprechen. ‘Wir haben noch nicht mal ein Theater auf der Insel- sie brauchen in ihrem Urlaub keine Kritiken. Und unser Tageblatt ist auch höchst interessant zu lesen. Wer wird konfirmiert, wer heiratet und wo ist die Kuh von der Weide verschwunden. Wichtige elementare Neuigkeiten im Inselalltag, ganz zu schweigen von den Tipps, wo das Regenwetter das mal wieder in den dritten Tag startet am meisten Spass macht auszusitzen.Und stellen Sie sich vor! Es macht nicht dumm.’ Nicht das wir Kulturbanausen wären hier. Wir machen einen Grossstadtausflug und verbinden das Shoppingereignis mit kulturellem Input. In meiner Hamburger Zeit habe ich weniger Opern und Dramen auf deutschen Bühnen verfolgt als jetzt.

Urlauber sind wirklich komisch. Sie gönnen sich keine Pause, folgen ihren Ritualen. Oft behandeln sie uns Insulaner wie kleine Kinder.

“Na? Auch schon die ersten Urlaubstage genossen?” – fragt mich eine Mutti mit einem kleinen Jungen, der seit Stunden eifrig Kleckerburgen am Strand baut, als ich an einem meiner freien Nachmittage unser Lieblingsbadeplätzchen belege.

“Urlaub? Habe ich erst im Herbst. Ich wohne hier.!”

“Ach das ist ja spannend. Sie sehen ja gar nicht so aus. Haben sie denn überhaupt Zeit hier so faul am Strand herum zu liegen?”

Ihre Antwort überrumpelt mich derart, das meine ohne jegliche Spitzen ausfällt.

“Ja- naja ich zwacke mir mühsam hier oder da einen Nachmittag oder ein StündChen ab.” übertreibe ich masslos. Die nächste Stunde unterhält mich die Dame, wie wunderbar unsere Insel ist, wie freundlich die Menschen, so toll das Wetter- nur das Internet geht auf dem Campingplatz nur schleppend. Das ist nicht so komfortabel, kann sie ihre Emails gar nicht abrufen, ganz zu schweigen davon das sie bei Facebook gar nicht mehr auf dem laufenden ist.

“Wie machen sie das nur, mit der Unterversorgung mit Internet hier?”

“Entspannen, lachen und das Meer geniessen. Ich muss jetzt aber wirklich los. ” verabschiede ich mich schnell, bevor mir noch rausrutscht das diese Insel so gar nicht unterversorgt ist, wie die junge Mutter denkt.

Viel zu spät fällt mir ein das ich hätte eroieren sollen, wie denn der gemeine Insulaner ihrer Meinung nach ausschaut. Ein Tourist ist sehr leicht als solcher auszumachen. am Strand führt er die neueste Haute Couture der Modewelt vor, schick oder kleidsam ist egal. Der letzte Modeschrei ist wichtig! Der erholungssuchende Festländer verschanzt sich hinter bunt geblümtem Windschutz, entert mit dem Bollerwagen den feinen Sand, ist bestens ausgestattet mit Kühltasche, Volleyball und allem was den Tag am Meer bequem macht. Bis zum ersten schmerzhaften Sonnenbrand vertraut er hier im Norden irrtümlicherweise dem Lichtschutzfaktor unter 10. Danach wagt er sich nur noch langärmelig nach draussen. Bei Sturm und Regen ist er mit einem Regenschirm bewaffnet, dessen Lebensdauer noch die Minuten bis zur nächsten Sturmbö beträgt. Sehr schön ist auch immer wieder der Anblick dem Wetterbericht entsprechend gekleideter Neuurlauber. Nach dem dritten Tag, an welchem sie in Gummistiefeln und Rollkragenpullover am Strand schwitzen, beginnen sie zaghaft auf die Aussagen Ihres Vermieters zu hören, das moderne Telekommunikation eben nicht bedeutet das es auch wirklich so stark regnet, wie in den Nachrichten angekündigt. Andersherum bedeuten sommerliche 25 Grad Celsius in Berlin oder Düsseldorf oder 30 Grad in München nicht, das es hier auch so ausschaut. Erfahrungsgemäss regnet es hier einfach später, dafür weniger als auf dem Festland und bei 25 Grad Celsius setzt der Seewind ein, der das Inselklima wieder runterkühlt. Werden vor der Brücke die Röcke kürzer und die Sandalen luftiger ist das nicht Massstab für die Urlaubsklamotte hier im Norden. Nach der dritten Erkältung lernen es die normalen Urlaiber, hartnäckige Fälle erst nach einer Lungenentzündung. In jeden vernünftigen NordinselSommerUrlaubskoffer gehören die Stricksocken von Oma, genauso wie die Mütze aus dem letzten Skiurlaub, ein Schal und die Fleecejacke. Sicher- das sieht hinter der Brücke alles anders aus, aber was hat das den Strandbesucher schon zu interessieren? Hier herrschen eigene Gesetze. Und die bieten die bunteste Wetterpalette überhaupt. Nichts gibt es bei uns nicht!

Touristen an sich sind echte Spassgaranten- jeden Sommer, wenn der Südwestwind mal wieder das Wasser von den Stränden wegdrückt, finden sich welche , denen wir erzählen können das dieses so ist , weil die Insel kippt.’ Sie glauben das. Wir ernten ‘AH’ und ‘OH’ und ‘Ist ja interessant.’ Einige wollen sogar den Namen des geologischen Phänomens kennen, kommen nur gerade nicht drauf. Die netteren unter den Urlaubern klären wir über unseren kleinen Spass auf. Die weniger netten natürlich nicht. Denen tischen wir zusätzliche Horrorgeschichten auf. Wie bespielsweise das die Brücke nicht exakt und sicher ist und bei jedem Sturm vom Festland abreissen könnte. Immer wenn ein Stromausfall ist, dann reisst eines der Kabel die mit dem Brückenbau unter dem Sund verlegt wurden. Klarer Beweis für echte Schlamperei!

Viele Urlauber plagt ab und an das Heimweh. Weswegen sonst stellen sie sich jeden Mittag auf dem Weg durch die Stadt in einen Stau wie ihn Hamburg nur alle zwei Tage erlebt? Der Weg an den Strand ist mit Hindernissen gepflastert. Der Junior will noch eine Schaufel für die Kleckerburg, die Mama braucht eine Gesichtsmaske und…‘Ach Schatz lass uns doch schnell mal bei Strolz schauen, ob es wieder diese schicken Badeschuhe gibt.’ Flugs ist Familie Schulze aus Hintertuchenhausen bei Ennepe im Vormittagsgewühl der Stadt verschwunden. Irgendwann haben sie den Strand erreicht und abends auf dem Rückweg meint Mama Schulze das ein TV Krimi ohne Chips mal gar nicht geht. Dabei wird dann noch das eine oder ander Schühchen, Blüschen und was weiß ich noch alles erstanden. Es ist jeden Tag dieselbe Leier. Es ist jeden Tag schlimm. Katastrophal, geradezu unerträglich wird das Ganze bei Regen. Chaotisch und Endzeitstimmungsangelehnt ab dem zweiten Regentag. Übertrumpft wird die Misere in der Innenstadt eigentlich nur noch, wenn die Temperaturen den Bereich um 20 Grad verlassen und zwar in Richtung 15. Dann wechselt die Stimmungslage der Urlauber von heiter über ‘ist halt so’ bis ganz schlecht. Die Laune hat bei den meisten männlichen Vertretern der Spezies Tourist den Tiefpunkt erreicht,wenn die Mutti die Kreditkarte ausgereizt hat. Gemessen an der Staukarawane, welche sich tagtäglich im Schritttempo über die Insel quält sind  Abgaswerte unserer Insel  in den Stosszeiten der Hauptsaison sicherlich nicht besser als die an der Sternschanze in Hamburg oder am Alex im Berlin.

Urlauber kaufen neben dem Sonnenbaden gerne ein. Vor dem Strand, währenddessen muss noch schnell im Supermarkt was besorgt werden und danach. Nach dem Strand ist besonders wichtig. Dank Brücke haben sich einige Kaufhäuser auf der Insel etablieren können. Sie bieten nicht unbedingt den teuersten Designer an, aber Geld loswerden geht trotzdem. Wer denkt im Sommer in der Mittagszeit mal schnell was in der Inselhauptstadt zu besorgen , lernt, so wie ich, auf die harte Tour das es egal ist ob es regnet oder 30 Grad Hitze herrschen. Immer sind überall irgendwelche Urlauber, die das schnell mal eben, schnell in eine langwierige Prozedur verwandeln. Das ist gewöhnungsbedürftig und durch nichts zu toppen wenn es regnet. Am ersten Tag nutzen viele zu einem Bummel durch die Regale. Am dritten, vierten oder fünften Tag steigert sich der Frust, welcher ungefiltert die Schultern der KassiererInnen trifft. Am sechsten Tag Regen verlassen die ersten genervten Camper die Insel. Meistens kommen sie bis zur Brücke. Diese ist während solch langanhaltender Schlechtwetterphasen quasi fast nonstop gesperrt. So wird der Campingplatz gegen den Ausweichparkplatz getauscht. NAch 24 Stunden kommt das THW mit Tee, Suppe und warmen Decken. Die Gefrusteten schwören sich nie wieder einen Fuss auf dieses Eiland zu setzen. Glücklicherweise scheint spätestens am siebten Tag wieder die Sonne und glücklicherweise gibt es so richtig schlechtes Wetter hier nur in Ausnahmesommern. Andernfalls wären alle 13.000 Inseleinwohner wirklich zu bemitleiden. Denn von wem sonst lässt es sich so gut leben, wie von den Touristen?

Für manch einen Erholungssuchenden beginnt mit dem Passieren der Brücke eine Reise in ein Abenteuer, denn so ein Insulaner kann ja nur grobschlächtig, unhöflich unmodern und durch jahrhundertelange Inzucht verdorben sein.

Sind wir. Wir haben alle einen Tick hier und wenn es nur der ist, das wir Touristen am lebenden Objekt studieren und klassifizieren.

Der normale Tourist kommt auf die Insel und denkt mit Bezug des Appartements, dem Aufstellen des Wohnwagens auf dem Campingplatz oder dem Festzurren des Zeltes, das von nun an in den folgenden 14 Tagen die Insel ihm gehört. Er nimmt die Familie samt Anhang mit an den Strand. Das Familienoberhaupt schreitet voran auf der Suche nach dem besten Sonnenplatz.

“Hier Mutti- hierher. Hier bleiben wir jetzt den ganzen Urlaub!” tönt es über den Beach. Und der Beppo baut uns eine schöne Sandburg, die wir mit unserem Namen verzieren, so dass uns niemand mehr vertreiben kann. Das arme Kind wird also früh geprägt und auf totalen Besitzerhalt getrimmt. Das er dafür Muscheln sammeln muss, um den Namen an die Burgwand zu bringen, ist nebensächlich. Spätestens wenn der Tom von nebenan auf der Mauer rumtrampelt ist das Geschrei gross und der Nachbarschaftsstreit entbrannt.  Geht ja schließlich nicht ohne Zaun und Zoff im Sommerurlaub. Es wäre auch vermessen das sich der Fehmarnfahrer dahingehend von seinen mallorquinischen Kollegen unterscheidet. Warum auch. Wem die Finca auf Mallorca zu teuer ist, kann auf den deutschen Ostsseeinsel mächtig aufdrehen. Gerne fallen Dortmunder Familienoberhäupter samt Sippe, Motorboot, Beiboot mit starkem Aussenborder, begleitenden Spassuntensilien wie Banane und Co sowie frisch operierten Töchtern nebst deren Goldkettchen behangenen Begleitungen an den hiesigen Stränden ein. Dabei teilt die werte Ehegattin bei Ankunft am Strand dem geneigten ‘Zuhörer’ ungefragt mit, das sie den ganzen Herweg mit offenem Hosenstall auf dem Fahrrad zurücklegte und der Papi vor zwei Tagen in der Eisdiele noch nicht so braun wie aktuell war.  Die Spezies dieser Art Urlauber hat sich zum Ziel gesetzt dem normalen Ökopapa im Strandkorb nebenan mal klar zumachen wie Urlaub an der Ostsee geht. Hier zählen nicht mein Haus und mein Pferd- nein hier wird gerechnet nach mein Zelt, mein Wohnwagen und meine Wasserspielzeuge.

Neuhinzugezogene lernen nur auf die harte Tour. So wie ich, an einem verregneten Freitagmittag im überfüllten Supermarkt. Die Sahne tropft auf das Förderband und ich kann nur entnervt laut und hörbar ausatmen. Paul hat recht. Ich sollte mir angewöhnen mich den Ritualen der Urlauber zu unterwerfen und im Sommer ebenfalls ganz früh in den Tag starten. Und nicht nur das. Mit dem Aufstehen sollte die Struktur und Planung des Tages abgeschlossen sein. Jede noch so kleine Vergesslichkeit straft die Routine der Touristen.

Trotzdem mag ich den Sommer- wäre viel zu langweilig, wenn wir uns hier auf der Insel nicht wenigstens im Sommer aufregen könnten. Und es ist doch immer wieder schön und so einfach die eigenen Unzulänglichkeiten dem gemeinen Nordrhein Westfalen in die Schuhe zu schieben.