Tobago Heritage Festival

Tobago Heritage Festival
Afrikanische Tänze, kulinarische Spezialitäten und Theaterstücke – seit 1987 verwandelt sich Tobago von Mitte Juli bis Anfang August jedes Jahr aufs Neue in ein Stück Afrika. Im Rahmen des „Tobago Heritage Festivals“ erhalten und beleben die Tobagonier ihr afrikanisches und koloniales Erbe, denn fast 90 Prozent der Einwohner sind afrikanischer Abstammung. Gestalter und Urheber des Festivals sind die Einwohner selbst – so arbeiten die verschiedenen Generationen Hand in Hand zusammen und leben ihre kulturellen Traditionen gemeinsam aus. In nahezu jedem Dorf zeigen die Tobagonier eindrucksvoll, wie ihre Vorfahren gelebt, geliebt und natürlich auch gefeiert haben.
Viele altehrwürdige Traditionen werden während des Festivals zu neuem Leben erweckt: Bei den so genannten „Courtship Codes“, zelebrieren zukünftige Bräutigame die früher vorschriftsmäßige Werbung der Angebeteten und machen ihr den Hof. Erst nachdem diese Regeln des Anstandes eingehalten wurden, kann die traditionelle Hochzeitszeremonie, „The Ole Time Wedding“, zusammen mit der Dorfgemeinschaft beginnen. Die Zeremonie selbst umfasst viele weitere Rituale, so wird die Nacht vor der Hochzeit, die „Bachelor’s Night“, mit Tanz- und Gesangseinlagen, begleitet von Tamburinmusik, ausgiebig gefeiert. Für die eigentlichen Feierlichkeiten am Tag der Hochzeit kleiden sich die Männer in schwarzen oder weißen Fracks inklusive Zylindern und weißen Handschuhen. Sonnenschirme, die die Braut vor Sonneneinstrahlung schützen sollen, komplettieren das Outfit. Die Bräute tragen viktorianische Kleider, Plateau-Schuhe, weiße Handschuhe und Hüte mit breiter Krempe, die mit Blumen verziert sind. Mit dem traditionellen, weißen Gewand symbolisieren die Frauen ihre sexuelle Reinheit und Unschuld.
Zur Trauung zieht die Hochzeitsgesellschaft an den Zuschauern vorbei in die Kirche ein. Einige Frauen der Gemeinschaft balancieren Truhen voller Kleider auf ihren Köpfen – ein Symbol dafür, dass die Braut bereit ist, den Komfort ihres Elternhauses zu verlassen und in ein neues Leben, gemeinsam mit ihrem Mann, zu starten. Wieder andere Frauen tragen Kohle-Töpfe auf dem Kopf, ein Symbol für die Qualifikationen der Braut in der Küche. Wird die Brotfrucht ebenfalls mitgetragen, bedeutet dies, dass die Braut noch Jungfrau ist. Nach der Trauung wird das Brautpaar mit Kuchen und Wein sowie Tänzen gebührend von der Gemeinschaft gefeiert. Höhepunkt ist der große, traditionelle Empfang, bei dem das Brautpaar ganz im Vordergrund steht. Ein weiteres Highlight ist „The Ole Time Carnival“, bei dem die Wurzeln und ältesten Formen des karibischen Karnevals aufblühen. Im 19. Jahrhundert imitierte und veralberte die Bevölkerung während des Karnevals die Kolonialherren durch extravagante Kostüme wie etwa die „Jab Jabs“ (Teufel), „Burrokeets“ (Esel), „Midnight Robbers“ (Gauner), „Pierrot Grenade“ (Clowns) und „Moko Jumbies“ (Riesen auf Stelzen). Auf keinen Fall sollte man die Wahl zur “Miss Heritage Personality”, verpassen, bei der nicht nur Schönheit zählt, sondern vor allem die Kenntnis um die eigenen afrikanischen Wurzeln.
Neben dem afrikanischen Erbe haben vor allem auch die europäischen Kolonialmächte – insbesondere England - die Geschicke der Insel beeinflusst und zweifelsohne ihre Spuren hinterlassen. Ins Leben gerufen wurde das „Tobago Heritage Festival“ 1987 von Dr. J. D. Elder, einem nicht nur angesehenen Anthropologen sondern auch stolzem Sohn der Insel. Der Grundgedanke dahinter war für ihn, sich durch die Darstellung des kulturellen Erbes selbst zu Bewahrung und Erhalt dessen zu befähigen. Damals begann das Event mit einer einzigen Veranstaltung: dem „ole time wedding“, der traditionellen Heiratszeremonie.
Quelle: Offizielles Fremdenverkehrsamt Trinidad & Tobago