Tiergeschichten:

Erstellt am 29. Juli 2010 von Julius Hensel
Quelle: “Das Leben” von Julius Hensel, ISBN 978-1-4461-3277-7, Seite 375: - …Von befreundeter Hand ward mir No. 23 der Geflügelzeitung von Kaiserslautern (6. Juni 1885) übersandt, in der folgende Notiz enthalten ist: - „Ein Bekannter meines Onkels grub Ende Februar bei Havre 4 junge Füchse aus und zwar konnten die Tierchen höchstens 2 – 4 Tage alt sein, da sie noch blind waren. Er nahm sie, nachdem er die alte Füchsin beim Ausfahren erlegt, mit nach Hause. Auf seinem Wege passierte er die Wohnung meines Onkels, vor welcher die Kinder desselben standen, denen er die kleinen niedlichen Füchschen zeigte. Der Wunsch, einen solchen kleinen Fuchs zu besitzen, wurde in dem kleinen Fritz rege und er erhielt auch dann einen solchen, mit dem er froh zur Mutter lief. Nun muss ich erst noch mitteilen, dass auf dem Gehöft meines Onkels eine Katze war, welche etliche Tage vorher Junge gehabt, die aber alle ertränkt wurden! Als nun die Kinder im Garten den kleinen Fuchs betrachteten und mit ihm spielen wollten, fing das kleine Ding an zu jammern und zu quieken, dies hörte die Katze und im Glauben, sie hörte ihre eigenen Jungen, kam sie hinzu und nahm den kleinen Schreihals aus den Händen der Kinder und trug ihn in ihr Nest, in welchem ihre eigenen Jungen gelegen hatten und säugte denselben von diesem Augenblick an! Der kleine Fuchs ließ es sich ruhig gefallen und trank munter los! Die anderen drei Füchschen nahm der Herr mit nach Hause und legte sie seiner Jagdhündin unter, welche gerade Junge hatte; sie nahm die Füchse auch an und die Pflegekinder tranken mit den 3 kleinen Hunden um die Wette! Als der Herr am dritten Tage, nachdem er die Füchse zur Hündin gelegt hatte, des Morgens nach seinen Zöglingen sah, war sein Erstaunen groß, denn die Hündin hatte ihre eigenen Kinder (sehr wertvolle Hunde) totgebissen und zieht nun drei Reineke groß! Wie mir mein Onkel mitteilte, leben die 4 Füchse noch und erfreuen sich einer guten Pflege und Gesundheit!“
Dieser Bericht von einer Katze und einer Hündin als Ammen bei jungen Füchsen wird noch übertroffen von einer Mitteilung im „Dyrevennen“ (Der Tierfreund) aus dem Januar 1890. Dieses Blatt erzählt Folgendes:
„Auf einem Bauernhofe in Odsharde hatte eine Sau im vorigen Jahre 17 Ferkel geworfen, eine so große Zahl, die diese nicht säugen konnte, weshalb die Leute Rat suchten. Nun hatte ihr großer Hofhund „Freia” eine Woche vorher Junge bekommen und mit zweien, die er hatte behalten dürfen, lag er auf der Tenne. Zu diesem brachte man vier von den neugeborenen Ferkeln, und obschon er bereits begonnen hatte, ab und zu seine Jungen zu verlassen, die schon 8 Tage alt waren, rührte er sich in den folgenden 8 Tagen nicht von der Stelle, sondern ließ sich sein Futter bringen, während die Ferkel saugten und blieb ihnen eine treue Pflegemutter. Als sie etwas heranwuchsen, versuchte er sie zu verlassen, um den Leuten auf´s Feld zu folgen, aber sämtliche vier Ferkel galoppierten stets hinterher. Er musste daher unterwegs einhalten und ihnen Milch geben, bevor er freikommen konnte. Aber in der Regel fuhren die Ferkel fort, hinterher zu laufen, bis er sich bequemte, mit ihnen nach Hause zu gehen. Die Ferkel nehmen sehr gut zu und „Freia“ befindet sich im besten Wohlsein.“ - Als ein drittes Beispiel erinnern sich die Leser ohne Zweifel eines Zeitungsberichtes aus den letzten Jahren, wonach auf einem Schiff, das zwischen New York und Hamburg fährt, eine Katze, deren Junge man in’s Meer geworfen hatte, junge Ratten aus deren Nest geholt hatte und dieselben mütterlich pflegte. - Dieses Beispiel ist so schlagend, dass es genügend erklärt, wie das Menschengeschlecht von Wölfinnen, Bärinnen, Löwinnen, Hündinnen und Hirschkühen großgezogen ward. - Fortsetzung folgt Bookmarken