Thoughts: Ein chaotischer Scheiterhaufen

Thoughts: Ein chaotischer Scheiterhaufen
"Dort werde ich ankommen. Irgendwann, ganz sicher. Dann bin ich das, was für mich vorbestimmt ist. Alles einstecken, nicht nachfragen. Immer nur geradeaus. Kein Blick zurück. Ganz einfach."
So viel erleben. Jeden Tag aufs Neue. In eine fremde Stadt gezogen. Die erste eigene Wohnung eingerichtet. Neue Freunde, neue Erfahrungen. Eine neue Liebe. Das Abi geschafft und jetzt die berufliche Richtung finden. Fragezeichen. Ständig auf der Suche nach sich selbst und dem richtigen Weg. Erwachsen werden. Erwachsen sein. Und überall Fragezeichen. 
Mit zehn Jahren wollte ich Zwanzig sein. Selbstständig. Frei und ungezwungen. Ich wollte für mich selbst verantwortlich sein, mit beiden Beinen fest im Leben stehen. Ich wollte ganz genau wissen was ich will und wer ich bin. Die Zwanziger als die größte Party meines Lebens. Viele Freunde um mich, unzählige Abenteuer und genau so viele Männer. Nächtelang durch die Clubs dieser Stadt ziehen und am nächsten Morgen in einer fremden Wohnung aufwachen. Dabei viel Selbstbewusstsein und noch mehr Reisen. Ganz viele Reisen. Ungezwungen sein. Frei. Damals habe ich an all diese Dinge geglaubt. Ich war fest davon überzeugt, dass das Alter eine Garantie für diese Entwicklung ist und dass das Leben vorbestimmt ist. Alles, was wir machen, jeder Fehler, jede Entscheidung, jeder Erfolg führt uns dorthin, wo wir einmal ankommen sollen. Wo wir hingehören. Unser Schicksal. Unsere Bestimmung. Mit Zehn habe ich geglaubt, dass das Leben Sinn macht. Dass alles, was man beginnt, auch mit etwas Gutem endet. Ich habe fest an die Bestimmung im Leben geglaubt. An die unsichtbaren Gleise, auf die ich mein Leben beschreite. Niemand hat mir gesagt, dass auf diesen Gleisen auch Weichen sind. Viele Weichen. Und mit ihnen jedes Mal wieder eine Entscheidung. 
Jetzt, mit Anfang Zwanzig weiß ich, dass das Leben ein chaotischer Scheiterhaufen ist. Ich weiß, dass ich selbst für mein Glück verantwortlich bin. Ich muss meinen Weg alleine gehen, die Dinge selbst in die Hand nehmen. Ich darf mich auf niemanden verlassen. Nur auf mich selbst. Ich allein bin mein bester Freund. Und doch schreie ich ständig nach Hilfe. Immer und immer wieder. So viele Stolpersteine, die einem in den Weg rollen. Ein leerer Kühlschrank, die Stromrechnung, der volle Wäschekorb. Kein bisschen Beständigkeit und Sicherheit. Ein Abenteuer? Ja. Aber keine Party. 
Fotos via Pinterest