The Trouble With Being Born

Von Pressplay Magazin @pressplayAT

The Trouble With Being Born

4Sci-Fi

Verweigerung von Aufarbeitung und Konfrontation hässlicher und schmerzlicher Aspekte der menschlichen Existenz ist im doppelten Sinne die Kernproblematik Sandra Wollners bizarrer Sci-Fi-Story.

In ihrem zweiten Spielfilm installiert die Regisseurin eine Reihe kontroverser Themen, die zu ergründen sie verweigert. Ähnlich wie ihr Protagonist Georg (Dominik Warta) seinen kindlichen Androiden Elli (Lena Watson) mit abartigen Befehlen programmiert, ohne einen Gedanken an ethische Implikationen. Umfassende moralische Apathie, sowohl der Inszenierung als auch der Figuren, ist das eigentliche Grauen des futuristischen Horrormärchens.


Dessen Maschinenmädchen wandert wie zahlreiche kindliche Märchenfiguren schließlich in den dunklen Wald, wo einst Georgs 10-jährige Tochter verschwand. Deren Missbrauch setzt Georg an ihrer Nachbildung fort. Solch abgründige Perversion evoziert kontroverse Fragen, die Wollner nie angeht. Von morbider Atmosphäre aufgeladene Szenen verharren in plakativer Provokation. Statt einer schlüssigen Handlung entsteht eine pathologische Palette verstaubter Tropen aus Lolita, Blade Runner und AI, in Wiederholungsmustern gefangen und (über)konstruiert, wie die Hauptfigur in ihrem nicht weit von der Realität entfernten Uncanny Valley.

Regie und Drehbuch: Sandra Wollner, Darsteller: Ingrid Burkhard, Susanne Gschwendtner, Jana McKinnon, Dominik Warta, Lena Watson, Filmlänge: 94 Minuten, gezeigt auf der Berlinale 2020