The Sea Wolf (dt.: Der Seewolf, USA 1941)

The Sea Wolf (dt.: Der Seewolf, USA 1941)

USA 1941
Mit Edward G. Robinson, Ida Lupino, John Garfield, Alexander Knox, Barry Fitzgerald, Gene Lockhart, u.a.
Drehbuch: Robert Rossen nach dem Roman von Jack London
Regie: Michael Curtiz
Dauer: 100 min

Inhalt / Hintergrund:
The Sea Wolf ist eine Hollywood-Verfilmung des gleichnamigen Romans von Jack London.
Er erzählt die Geschichte des Schriftstellers Humphrey van Leyden (Alexander Knox), der nach einem Fährschiffunglück an Bord des Handelsschiffs „Ghost“ gelangt, dessen hartherziger Kapitän Wolf Larsen (Edward G. Robinson) mit eiserner Hand als Alleinherrscher über eine Mannschaft grobschlächtiger Seemänner regiert und mit seiner brutalen Art und Angst und Schrecken verbreitet.
Im Buch nicht vorhanden sind die beiden von Drehbuchautor Robert Rossen eingeführten entflohenen Sträflinge Ruth Brewster (Ida Lupino) und George Leach (John Garfield), die aber hervorragend in die Originalgeschichte eingearbeitet sind und die Geschichte mit Reflexionen über Selbstrespekt und Menschenwürde thematisch ergänzen, ohne dem Geist der Vorlage untreu zu werden. So entsteht im Verlauf der Handlung ein spannender Diskurs über Herrschertum und dessen Grenzen, der ganz im Geist der damaligen Epoche steht und sich zudem als zeitlos erweist.

Der Film wurde von A bis Z im Studio gedreht; trotzdem ist er atmosphärisch derart dicht, dass man das Meerwasser auf der Zunge zu schmecken glaubt.

Der Film kam 1947 – zusammen mit dem Errol Flynn-Vehikel The Sea Hawk von 1940 – nochmals in die Kinos. Auf Geheiss von Studioboss Jack Warner wurde er um 15 Minuten gekürzt. Seit dieser Verstümmelung galt die ursprüngliche Version im originalen Kinoformat (35mm) als verloren. Vor drei Jahren tauchte die komplette 35mm-Version dann überraschend im Archiv des Museum of Modern Art in New York wieder auf.

Bei uns kam der Film erst nach dem Krieg, im Jahr 1949 und unter dem Titel Der Seewolf, in die Kinos.

Mein Senf:
Ich war skeptisch: Eine Frauenfigur in Jack Londons Seewolf?
Dies bedürfte eines hervorragenden Drehbuchautors – und als solcher erweist sich der gern unterschätzte Robert Rossen hier tatsächlich. Er erfüllt die Studio-Erwartung nach einer Liebesgeschichte, baut aber darum herum die Erzählung so geschickt um, dass am Ende der Hauptaspekt des Romans deutlicher hervortritt als im Buch. Nebenbei schafft er es, die Vorlage ohne Substanzverlust auf das vereinfachende Kinoformat herunterzubrechen, den Inhalt zu straffen und das Problem des Einheits-Schauplatzes (der ganze Film spielt praktisch ausschliesslich an Bord von Larsens Schiff) zu einem Vorteil umzumünzen. So ist The Sea Wolf zum intim-klaustrophobischen Kammerspiel geworden, und wie bei jedem Kammerspiel steht und fällt der Film mit der Wahl der Schauspieler – und der Schauspielerin.

Und auch da bleibt die Begeisterung erhalten. Niemand anders als Ida Lupino (sie ist heute noch bekannt als eine der wenigen Filmregisseurinnen des klassischen Hollywood) konnte eine geflohene Strafgefangene noch unter glamouröser Schminke, mit noch im Sturm gestylter Frisur und in schöner Kleidung derart glaubwürdig abgehärmt und desillusioniert verkörpern. Alexander Knox und John Garfield glänzen ebenso, sie scheinen mit ihren Rollen aufgewachsen zu sein. Und auch Nebendarsteller wie Barry Fitzgerald als frettchenhafter Schiffskoch und Gene Lockhart als versoffener Bordarzt haben unvergessliche Momente.
Aber über allen thront Edward G. Robinson; Wolf Larsen ist möglicherweise die grösste schauspielerische Leistung seiner Hollywoodkarriere. Der kleine, untersetzte Mann füllt die Rolle des im Buch als blonder, muskulöser Hüne beschriebenen Kapitäns derart überlebensgross aus, dass sich Kenner des Romans in keinem Augenblick an dessen Erscheinung stören. Sobald Robinson die Szenerie betritt, gibt es keinen Zweifel mehr: Er ist Wolf Larsen, der gefürchtetste Kapitän seiner Zeit. Sieht man sich diesen Film an, kann man kaum glauben, was für ein liebenswürdiger, humorvoller Mensch Robinson privat war.

Michael Curtiz, der Mann, der Studioboss Jack Warner immer in allem zustimmte – und dann alles nach seinem eigenen Gutdünken anders machte – schuf hier, ein Jahr und drei Filme vor Casablanca eine Referenzarbeit, an der sich zumindest Seefahrer-Filme zu orientieren hatten. Meisterhaft geht er mit den engen Platzverhältnissen um, die ein Frachtschiff, auf dem sich eine Menge Komparsen drängen, mit sich bringt. Dabei weiss er geschickt jeden Winkel des Schiffs cinématografisch zu nutzen, choreografiert die Schauspieler bewundernswert wirkungsvoll und setzt so die im Drehbuch angelegte Atmosphäre der Angst und der Enge wirkungsvoll um, die in sich eine unglaubliche Spannung erzeugt. So kann er die Schauspieler subtil agieren lassen, ohne dass diese die Aufregung äusserlich und künstlich erzeugen müssen.

The Sea Wolf ist ein in jedem cinématografischen Aspekt geglückter Film, den man gesehen haben sollte

Veröffentlichung / Verfügbarkeit:
Eine DVD- oder Blu-ray-Veröffentlichung dieses Filmklassikers gab es bei uns bislang nicht – ein Umstand, der unbedingt nachgeholt werden sollte! Bis dahin muss man sich mit der Blu-ray oder der DVD der Warner Archive Collection aus den USA (R0) behelfen…

Das Drehbuch: 10 / 10
Die Regie: 10 / 10
Die Schauspieler: 10 / 10
Gesamtnote: 10 / 10

Der Trailer:


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