The Portuguese Woman

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The Portuguese Woman

5Drama

Die Titelfigur, die bei Robert Musil nur ein literarisches Manic Pixie Dream Girl ist, erhebt Rita Azevedo Gomes zum Hauptcharakter ihrer stilisierten Adaption der gleichnamigen Novelle. Doch eine Ermächtigung geht mit der veränderten Perspektive nicht einher.

Namenlos und allein durch ihre Herkunft als „Fremde“ definiert, bleibt die Gattin des Graf von Ketten (Marcello Urgeghe) ein dekoratives Besitztum im selbstgewählten Käfig seiner einsamen Burg. Dort sehnt die Portugiesin (Clara Riedenstein) der Rückkehr des Vater des gemeinsamen Sohnes herbei. Doch sein Kriegsurlaub wärt kurz und bringt ihr neben einem zweiten Kind nur erneute Warterei.

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Der Mann – aktiv, rau, kriegerisch, ein Tatmensch. Die Frau – passiv, zart, friedfertig, ein Mysterium. Dieses verkrustete Gegensatzkonstrukt des Romans bricht Gomes weder auf, noch kritisiert sie es effektiv. Viel mehr idealisiert die theatrale Inszenierung insbesondere die weibliche Facette dieses Rollenbilds subtil, indem sie der Portugiesin sowohl stille Genügsamkeit in ihrer leeren Existenz als auch scheinbar ewige Jugend und Schönheit verleiht. In den an mittelalterliche Motivteppiche erinnernden Settings wird die Portugiesin in doppeltem Sinne dekoratives Objekt. Sie ist Zentrum der belebten Gemälde, deren Charaktere wenig in deklamatorischem Stil sprechen, und Zierde ihres Gatten.

Zwar werden ihre „Fremdheit“ und angebliche Häresie als Makel aus Untertanensicht benannt, doch sind Xenophobie oder Ablehnung ihres Umfelds nie greifbar. Märchenhaft wie die Kulissen wirkt die an keinen klaren Ort oder Zeitpunkt gebundene Ballade, die wahre Liebe seitens der Frau als Akzeptanz ihrer Nachrangigkeit gegenüber stereotyp männlichen Passionen wie Kampf romantisiert. So zitiert ihr Schriftgelehrter aus King Arthur: „Nur Narren wollen, was sie nicht haben können.“ Und eine Närrin ist die Gräfin nicht! Das vermittelt Gomes wiederholt durch deren musische Talente – und forciert durch die Präsentation klassischer Ziertugenden weiter den Eindruck eines unpersönlichen Schmuckstücks.

Regie und Drehbuch: Rita Azevedo Gomes, basierend auf dem Roman von Robert Musil, Darsteller: Clara Riedenstein, Marcello Urgeghe, Ingrid Caven, Rita Durão, Pierre Léon, João Vicente de Castro, Luna Picoli-Truffaut, Filmlänge: 136 Minuten, gezeigt auf der Berlinale 2019

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Autor

Lida Bach

 

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