THE KILLING OF A SACRED DEER ist verstörend und bedrückend creepy

Es war in 2009 als der griechische Film einen Aufschwung erfuhr. Verantwortlich war Regisseur Yorgos Lanthimos mit seinem surrealen Familiendrama Dogtooth. In dem Film werden drei Kinder von ihren Eltern in ihrem Zuhause unter Verschluss gehalten, nur um über die Welt dort draußen gänzlich fehl informiert zu werden. Katzen werden zu erbarmungslosen Killern, Zombies sind kleine gelbe Blumen und Inzest ist eine Alltäglichkeit. Auch die Folgefilme Alpen (2011) und zuletzt The Lobster (2015) unterstreichen den skurrilen und exzentrischen Stil des New Greek Wave-Begründers Lanthimos, den wir nun auch wieder in The Killing of a Sacred Deer zu spüren bekommen.

In dem Film tut sich Lanthimos nach The Lobster einmal mehr mit Schauspieler Colin Farrell zusammen, der hier nun den Herzchirurg Steven Murphy spielt. Dieser freundet sich mit dem Teenager-Jungen Martin (Barry Keoghan aus Christopher Nolans Dunkirk) an, dessen Vater unter tragischen Umständen auf dem Operationstisch von Murphy gestorben ist. Irgendwann stellt er den Jungen seiner Frau Anna (Nicole Kidman), seinem Sohn Bob (Sunny Suljic) und seiner Tochter Kim (Raffey Cassidy) vor. Schon kurze Zeit später wird seine Familie von einer mysteriösen Krankheit heimgesucht. Es trifft zuerst den kleinen Bob. Seine Beine sind auf einmal gelähmt. Er hat keinen Appetit mehr und Martin kündigt an, dass Bob sterben wird, sobald dessen Augen anfangen zu bluten.

Yorgos Lanthimos hat sich zum Indie-Meister solch unheimlich-verstörender Settings gemacht. Mit The Killing of a Sacred Deer erzählt er über die Rachegelüste eines psychisch gestörten Jungen mit einer verzweifelten Witwe als Mutter (Alicia Silverstone!). Er erzählt von einem Einbruch in die Privatsphäre einer Familie, wie ein jugendlicher Stalker bei Tag und Nacht über den Arzt wacht, den er für den Tod seines eigenen Vaters zur Verantwortung ziehen will. Hierfür sollen dessen Kinder die Sünden ihres Vaters ausbaden. Das ist ungerecht. Allein Martin kann sich hierunter die Gerechtigkeit vorstellen, die ihm gebührt.

THE KILLING OF A SACRED DEER ist verstörend und bedrückend creepy

The Killing of a Sacred Deer

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Martin (Barry Keoghan) hat sich mit Stevens Tochter Kim (Raffey Cassidy) angefreundet.

The Killing of a Sacred Deer bringt Colin Farrell und Nicole Kidman wieder zusammen. Bereits Sofia Coppola hat die beiden einstigen Mainstream-Darsteller in ihrem Indie Period Piece Die Verführten zusammen gebracht. Hieraus schöpft nun Lanthimos, der sofort eine Vertrautheit zwischen diesen beiden Figuren hat. Diese Atmosphäre benötigt er, damit der Aufbau zwischen Farrell und Keoghan in den Fokus gerückt werden kann. Die Familienstrukturen sollen gebrochen, nicht aufgebaut werden. Hierfür eignet sich das bereits vertraute Spiel zwischen Farrell und Kidman nur allzu gut.

Während sich Farrell in diesen kleinen Filmen als unfassbar facettenreicher Schauspieler auftut – er wird leider gänzlich unterschätzt, man schaue aber nur was für eine wunderbare Performance er in The Lobster abgeliefert hat! – und auch Nicole Kidman durch ihre jüngsten Rollen fernab von Großproduktionen (Lion, Die Verführten oder in Serien wie Top of the Lake und Big Little Lies) einen neuen Verve gefunden hat, ist es Barry Keoghan, der sich hier in den Mittelpunkt spielen kann.

Er strahlt eine leere Einsamkeit aus, die unheimliche Blicke mit sich bringt. Wenn er uns anschaut, sehen wir nichts. Er schaut direkt durch uns hindurch. Er wird durch seine innere Boshaftigkeit und den Wunsch nach Rache getrieben und hat hierüber seine Menschlichkeit verloren. Der Tod seines Vaters hat Martin zum psychischen Wrack gemacht. Er ist aber noch so sehr bei Sinnen, dass er intelligent und mit einer scheinbar übernatürlichen Macht ausgestattet seinen Wunsch nach Vergeltung wahr machen kann.

Keoghan bannt uns mit seinem Spiel an sich. Wann auch immer er das Bild betritt und beginnt zu sprechen, sind wir bei ihm. In einer erschütternd-anspannenden Unterhaltung mit Nicole Kidmans Anna hat diese ihm rein gar nichts entgegen zu setzen. Er erzählt ihr von seinem Vater. Wie er Spaghetti gegessen hat. Wie nun er selbst genau wie sein Vater Spaghetti isst. Wie er, ohne es zu merken und zu wollen, genau wie sein Vater geworden sei. Eine Analogie mit einem schrecklichen Gedankenspiel. Hier erfahren wir von Martins Weltbild, dass zu seinem Zorn führt und die Rachegelüste gegenüber Farrells Figur auf dessen gesamte Familie ausweitet.

THE KILLING OF A SACRED DEER ist verstörend und bedrückend creepy

The Killing of a Sacred Deer

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Herzchirurg Steven Murphy (Colin Farrell) weiß nicht, wie er mit Martin umgehen soll.

Untermalt wird das großartige Schauspiel aller Beteiligten von der ebenso faszinierenden Kamera von Thimios Bakatakis (der neben den Filmen von Lanthimos auch für dessen Schülerin Athina Rachel Tsangari und ihren Attenberg gearbeitet hat). Diese schwebt durch Flure, auf denen sich Menschen entweder von der Kamera weg oder auf sie zu bewegen. Oft werden die Figuren an die Seite gestellt, werden zu Randfiguren gemacht um einen Blick auf die einsamen Räume und Landschaften zu geben, in denen sich dieses Psycho-Horrordrama abspielt.

Yorgos Lanthimos liefert mit The Killing of a Sacred Deer ein bedrückendes Werk ab, das creepy ohne scares ist, dessen Atmosphäre unheimliche Angstzustände vor dem hervorruft, was als nächstes passieren könnte. Hierfür spielen sich die Akteure mit ganz großartigen Performances auf und werden von Musik begleitet, die mehr verstörend daherkommt, als das man eine Melodie erkennen könnte. Das Ende zeigt, dass der Filmemacher keine Angst vor drastischen Schritten hat. Und auch keine Angst vor einem ebensolchen Filmgefühl.


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